Drama im Seniorenheim: Darum wurde die Feuerwehr nicht alarmiert

Heidelberg - Es gibt Neuigkeiten zum Senioren-Drama von Schönbrunn nahe Heidelberg (Baden-Württemberg)!

Mitarbeiter der Haus- und Wildtierrettung Neckarttal-Odenwald und Greifswald/Ostsee halfen dem Heimpersonal beim Tragen der Bewohner.
Mitarbeiter der Haus- und Wildtierrettung Neckarttal-Odenwald und Greifswald/Ostsee halfen dem Heimpersonal beim Tragen der Bewohner.  © EinsatzReport24

Wie berichtet war im Seniorenheim "Parkblick" vergangenen Donnerstag der Aufzug ausgefallen, sechs schwerst pflegebedürftige Menschen saßen im Speisesaal fest.

Die mit der Wartung beauftragte Firma ThyssenKrupp kam nicht, ebenso wenig wie die Feuerwehr. Schließlich musste die Tierrettung die Senioren in ihre Zimmer tragen.

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Rhein-Neckar habe es laut Heimleitung abgelehnt, die Feuerwehr zum Helfen vorbei zu schicken. Begründung: kein Notfall. Jetzt hat sich die ILS dazu geäußert.

In einer schriftlichen Stellungnahme teilt sie mit, dass der Vorfall aufgearbeitet worden sei. Dabei sei auch die Aufzeichnung des Anrufs aus dem Seniorenheim "Parkblick" ausgewertet worden.

"Der Disponent hat den Vorgang korrekt bearbeitet und richtig gehandelt", zitiert das Schreiben den stellvertretenden Leiter der ILS, Kay Estelmann. Laut Gesprächsaufzeichnung habe das Seniorenheim den Notruf gewählt, weil der Fahrstuhl ausgefallen war.

"Ein Techniker der Wartungsfirma habe den Service zur wiederholten Reparatur am gleichen Tage verweigert. Auf die Frage des ILS-Disponenten, ob Personen im Fahrstuhl eingeschlossen seien, wurde dies verneint", heißt es weiter.

Feuerwehr nicht zuständig

Im vierstöckigen Gebäude war zuvor der Aufzug ausgefallen. Mehrere Senioren saßen im Speisesaal fest.
Im vierstöckigen Gebäude war zuvor der Aufzug ausgefallen. Mehrere Senioren saßen im Speisesaal fest.  © einsatzreport

Der Disponent habe dann mitgeteilt, dass die Feuerwehr nach dem Feuerwehrgesetz nicht zuständig sei: "Eine Notfallalarmierung der Feuerwehr könne deshalb nicht erfolgen. Sofern dennoch die Feuerwehr angefordert werde, sei dieser Einsatz dann aller Voraussicht nach kostenpflichtig."

Zu keinem Zeitpunkt sei der Disponent von der Anruferin darauf aufmerksam gemacht worden, "dass sich Bewohner des Seniorenheims aufgrund des Aufzugsdefekts in einem gesundheitsgefährdenden Zustand befänden".

Im weiteren Verlauf des von der ILS als "ruhig, sachlich und freundlich" bezeichneten Telefongesprächs sei vereinbart worden, dass die Anruferin "innerhalb des Seniorenheims abklärt, ob möglicherweise nicht eine andere hausinterne oder private Unterstützung gefunden werden könne".

Ein weiterer Anruf zu diesem Anliegen sei bei der ILS in Ladenburg nicht eingegangen. "Der Disponent musste also davon ausgehen, dass sich das Anliegen des Seniorenheims erledigt hat und – wie mit der Anruferin besprochen – eine interne Lösung gefunden wurde", wird Estelmann zitiert.

Aufgrund des Vorfalls hatte die Leitung des Seniorenheims gegenüber TAG24 angekündigt, rechtliche Schritte sowohl gegenüber ThyssenKrupp als auch dem Disponenten der ILS unternehmen zu wollen. Im Fall des Disponenten gehe es möglicherweise um unterlassene Hilfeleistung. Bei ThyssenKrupp um den 24-Stunden-Service des Unternehmens, das erst am nächsten Tag, dem Freitag, einen Techniker vorbeischickte.

An dem Stand hat sich nichts geändert, teilt uns "Parkblick"-Geschäftsführer Sven Jensen am Telefon mit. "Beides liegt zur juristischen Prüfung bei unserem Anwalt." Dies könne noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Der Vorfall im Heim hatte in den vergangenen Tagen für medialen Rummel gesorgt. Beim Pflegeheim habe sich die ILS bis dato jedoch noch nicht gemeldet, so Jensen.

UPDATE: 13.25 Uhr

Heimleitung äußert sich erneut

Sechs Menschen mussten in ihre Zimmer gebracht werden.
Sechs Menschen mussten in ihre Zimmer gebracht werden.  © EinsatzReport24

Nach den Äußerungen der ILS hat sich die Geschäftsführung des Seniorenheims nochmals schriftlich gegenüber TAG24 geäußert.

"Wir vertreten weiterhin die Auffassung, dass ein medizinisch geschulter Disponent einer Rettungsleitstelle in einem solchen Fall nicht explizit auf eine Gesundheitsgefährdungen hingewiesen werden muss", schreibt Sven Jensen.

Insbesondere, und das sei bisher noch nicht öffentlich gemacht worden, da der Disponent während des Gesprächs erwähnt habe, dass er selbst mehrere Jahre in der Pflege gearbeitet habe, und solche Fälle kenne.

Laut Stellungnahme erinnere sich seine Ehefrau Renate Hettler-Jensen daran, dass sie "diesbezüglich zumindest erwähnt hat, dass die ja auch an Demenz erkrankten Bewohner aufgrund des langen Sitzens zunehmend unruhig werden und hierdurch auch eine erhöhte Sturzgefahr besteht". Denn die Heimbewohner könnten "im Zuge der zunehmenden Unruhe versuchen (...) selbst aus den Rollstühlen herauszukommen.

Der ganze Fall liegt laut Jensen beim Anwalt. besonders eine Abschrift des Telefongesprächs mit der ILS werde nun sicherlich hilfreich sein.

"Falls die integrierte Leitstelle hier an einer vorherigen transparenten Aufklärungen interessiert ist, dann würden wir jederzeit einer Veröffentlichungen der Transkription der Audioaufzeichnung des Telefonats zustimmen", heißt es in der Stellungnahme abschließend.


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