Wende im Prozess um Schüsse auf Autobahn? Waffe bei Beschossenem gefunden

Kiel - Mitten auf der Autobahn soll ein Mann auf das Auto seines Schwagers geschossen haben. Vor Gericht erklärt er, der Verwandte habe zuvor eine Waffe auf ihn gerichtet - und diese in einem Supermarkt versteckt.

Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssal des Landgerichts Kiel geführt.
Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssal des Landgerichts Kiel geführt.  © dpa/Frank Molter
Im Zusammenhang mit dem laufenden Gerichtsprozess haben Ermittler bei der Durchsuchung eines Lebensmittelmarktes im Kieler Stadtteil Gaarden eine Waffe gefunden.

Das teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag mit.

Der Markt gehört der Familie des Mannes, der im Prozess als Geschädigter und Nebenkläger auftritt und dem der Angeklagte vorwirft, der eigentlich Schuldige zu sein.

In der im Dezember gestarteten Verhandlung am Kieler Landgericht wird ein 39-jähriger Mann beschuldigt, im Mai 2018 auf der A215 auf seinen Schwager im neben ihm fahrenden Wagen geschossen zu haben (TAG24 berichtete).

Er selbst hat allerdings bereits über seinen Anwalt verlesen lassen, sich in einer Notwehrsituation befunden zu haben, weil aus dem Fahrzeug des Schwagers zuerst eine Waffe auf ihn gerichtet worden sei (TAG24 berichtete).

Der Angeklagte habe schließlich "konkrete Angaben" gemacht, denen zufolge sich die auf der Autobahn auf ihn gerichtete Waffe in dem Lebensmittelmarkt befinden solle, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler.

Ein Mann geht in das Landgericht in Kiel. Dort findet der Prozess wegen Schüssen auf der Autobahn statt.
Ein Mann geht in das Landgericht in Kiel. Dort findet der Prozess wegen Schüssen auf der Autobahn statt.  © dpa/Carsten Rehder

Daraufhin sei ein Ermittlungsverfahren gegen den Schwager eröffnet und der Markt sowohl am Montag als auch am Dienstag durchsucht und von einem "massiven Aufgebot der Polizei" begleitet worden.

Ob es sich bei der nun sichergestellten Waffe tatsächlich um die Waffe handelt, mit der der Angeklagte bedroht worden sein soll, sei aber noch unklar.

Auch ob die neuesten Entwicklungen sich auf den Prozess auswirken werden, sei derzeit nicht abzusehen.

Der Schwager sollte an diesem Freitag vor der Strafkammer aussagen. Er müsse selbstverständlich nichts sagen, was ihn selbst belasten könnte, sei aber weiterhin verpflichtet, vor Gericht zu erscheinen, sagte Bieler.

Der Angeklagte sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die Verteidigung hat bereits die sofortige Aufhebung des Haftbefehls beantragt, dem ist das Gericht bislang aber nicht gefolgt. Auch an diesem Zustand habe sich erst einmal nichts geändert, erklärte Bieler.

Titelfoto: dpa/Frank Molter

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