Sächsische Schuhmacherin fühlt sich in Männerdomäne pudelwohl

Von Thomas Gillmeister

Leipzig - Der Nikolaus wird in der nächsten Woche große Augen machen, wenn er der Schuhmacherin begegnen sollte. Denn Eva Schröter (30) hat sich einen Platz in der Männerdomäne erobert. Die an einem Heiligabend geborene Handwerkerin repariert nicht nur, sondern fertigt auch Maßschuhe an.

Frauen lieben Schuhe, heißt es. Eva Schröter (30) stellt sie sogar her.
Frauen lieben Schuhe, heißt es. Eva Schröter (30) stellt sie sogar her.  © Gabor Krieg/Picture Point

Es gibt sie glücklicherweise wieder, die gute alte Schuhmacherei gleich um die Ecke. Wer Schuhe nicht als Wegwerfware mit Füßen tritt, sondern umweltbewusst Wert auf Nachhaltigkeit legt, ist bei Eva in guten Händen.

Mit weiblichem Spürsinn und handwerklichem Geschick verlängert sie das Leben von Lieblingstretern und schafft neue. Per Hand! "Das hat mich auch so an einer Schuhmacherlehre gereizt“, erzählt die Gesellin.

Mit Mitte 20 erst entdeckte sie das Handwerk. "Heute glaube ich, es war genau der richtige Zeitpunkt. Denn für die Schuhmacherei braucht man schon etwas Lebenserfahrung und ein Händchen für das Material“, begründet die Abiturientin den späten Berufseinstieg.

Die damals 25-Jährige legte in der Schule inmitten von rund 100 männlichen jüngeren Lehrlingen einen so starken Auftritt hin, dass sie nach 2,5 Jahren die Ausbildung gleich mal sechs Monate eher abschließen konnte. Sehr zur Freude von Schuhmachermeister Peter Hartwig (50). Er brachte dem Azubi in seiner Schusterei "Fußgänger“ die Praxis bei und stellte Eva ein.

Eva Schröter und ihr Handwerk: Ein halbes Jahr für ein Paar Schuhe

Schuhmachermeister Peter Hartwig und seine Kollegin beim Fachsimpeln.
Schuhmachermeister Peter Hartwig und seine Kollegin beim Fachsimpeln.  © Gabor Krieg/Picture Point

Dort, im über 150-jährigen Gewölbe-Gemäuer, wird Schuh-Kultur gelebt. Nichts erinnert mehr an die Enge und Staubigkeit früherer Schuhmachereien.

Wer sich Schuhe anfertigen lassen möchte, darf erst einmal den Thron besteigen. So nennt Eva den hochherrschaftlichen Stuhl im stilvollen Show-Room für Schuhe. Hier nimmt die Leipzigerin Maß. Sie kennt genau die Fuß-Anatomie und achtet auf Besonderheiten, die beim Fertigen der traditionellen Holzleisten berücksichtigt werden.

Wenn sie fertig sind, baut Eva nach ihnen die Schuhe oder Stiefel auf. „Das ist aber ein sehr langsamer und aufwendiger Prozess“, weist die handwerklich Begabte hin. "Von der Bestellung bis zu den fertigen Schuhen vergeht oft ein halbes Jahr.“

Rund 1 700 bis 2 000 Euro kostet denn auch ein Paar. Diesen Luxus gönnte sich das Sonntagskind selbst schon. "Während die Frauen-Durchschnittsschuhgrößen bei 38 und 39 liegen, habe ich eine untypische 42. Da gibt es nicht allzu viel Auswahl“ begründet Eva, warum sie maßgeschneiderte Schuhe vorzieht.

Ihre Kunden sind vor allem Businessfrauen und –männer, aber auch Brautleute oder Tänzer.

Kontakt: www.fussgaenger.de

An einer besonders robusten Nähmaschine fügt Eva Lederteile und Sohle zum Schuh zusammen.
An einer besonders robusten Nähmaschine fügt Eva Lederteile und Sohle zum Schuh zusammen.  © Gabor Krieg/Picture Point

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