Invasion in der Elbe: Gefährliche Grundel breitet sich aus

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) beim Aussetzen von Junglachsen. Alles umsonst?
Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) beim Aussetzen von Junglachsen. Alles umsonst?  © DPA

Dresden/Usti - Seit Jahren versucht Sachsen, den einst ausgestorbenen Lachs in der Elbe wieder anzusiedeln. War alles vergeblich?

Ein tückischer „Neubürger“ ist in der Elbe auf dem Vormarsch, der andere Fischarten gnadenlos verdrängt: Die Schwarzmund-Grundel.

Erste Exemplare dieser Fischart wurden schon vor einem Jahr entdeckt. Doch nun kommen neue alarmierende Zahlen aus Tschechien.

Bei den letzten Kontrollen im Staubecken Usti nad Labem/Strekov im Mai fischten Mitarbeiter der Fakultät für Fischereiwesen der Südböhmischen Universität 944 Schwarzmund-Grundeln - eine Verdreifachung innerhalb eines knappen Jahres!

„Diese Zahl ist bedenklich“, so Josef Cerny vom Tschechischen Fischereiverband.

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, dessen Fischexperten im September 2016 erste Grundeln in der Elbe nachwiesen, bestätigt die Entwicklung auch für Sachsen: „Inzwischen ist das Vorkommen der Schwarzmund-Grundel in der sächsischen Elbe erheblich angestiegen. Bei Elektrobefischungen in der vergangenen Woche haben unsere Fachleute allein an einem Punkt bei Bad Schandau 98 Grundeln gefangen“, so Sprecherin Karin Bernhardt.

Die Elbe bei Usti: Hier wurden erschreckend viele Grundeln aus dem Wasser gezogen.
Die Elbe bei Usti: Hier wurden erschreckend viele Grundeln aus dem Wasser gezogen.  © wikipedia

Die Grundel war damit der häufigste Fisch an diesem Fangplatz.

Besorgt zeigt sich Jens Felix (38), Geschäftsführer des Landesverbandes sächsischer Angler: „Man wird das Problem nicht in den Griff bekommen. Die Schwarzmund-Grundel hat keine natürlichen Feinde, vermehrt sich unbegrenzt.“

Der Verband bleibt nicht untätig. Bereits seit einem halben Jahr arbeiten die Angler mit Fachleuten der TU Dresden bei der Erforschung möglicher Abwehrmaßnahmen zusammen.

Vermutet wird, dass die Schwarzmund-Grundel durch den Schiffsverkehr aus dem Süden in die Elbe gelangt ist. Beispielsweise durch am Rumpf abgelegten Fischrogen.

Im Landesamt hofft man auf Hilfe aus der Natur: „Nach einer gewissen Zeit wird sich die einheimische Raubfischpopulation an die neue Beute anpassen und damit wird die Grundel zur bevorzugten Beute von Zander und Hecht werden“, so Karin Bernhardt.

„Neogobius melanostomus“: Schwarzmund-Grundeln sind Meister der Anpassung.
„Neogobius melanostomus“: Schwarzmund-Grundeln sind Meister der Anpassung.

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