Schweinefleisch-Verbot in Leipziger Kitas: CDU Sachsen "sollte lieber die Klappe halten!"

Leipzig - Die öffentliche Debatte über die vorerst zurückgenommene Entscheidung zweier Leipziger Kindertagesstätten, Schweinefleisch aus Rücksicht auf zwei muslimische Mädchen gänzlich vom Speiseplan zu streichen, geht weiter. Jetzt hat sich die SPD-Politikerin Irena Rudolph-Kokot zu Wort gemeldet und die sächsische CDU angeprangert.

Sieht nicht nur ultrarechte Kräfte in Sachsen als Problem, sondern auch die regierende CDU: Irena Rudolph-Kokot (SPD).
Sieht nicht nur ultrarechte Kräfte in Sachsen als Problem, sondern auch die regierende CDU: Irena Rudolph-Kokot (SPD).  © Steffen Füssel

"Man könnte diese Diskussion so führen, dass es um eine Qualitätsverbesserung geht oder darum, dass alle Kinder genug vollwertiges gutes Essen bekommen. Aber nein, der CDU in Sachsen stieß auf, dass es in zwei Leipziger Kitas zum Mittag kein Schweinefleisch mehr geben sollte. Schön populistisch hetzte die CDU Sachsen los", schrieb Rudolph-Kokot in einem Kommentar.

Sie verweist darin darauf, dass die Christdemokraten seit über 25 Jahren im Freistaat regieren und es selbst in der Hand hätten, "dass es in allen Kitas gutes vollwertiges Essen mit Menüwahl gibt - am besten kostenfrei für alle Kinder."

Bisher habe die CDU dem Thema Kitas jedoch keine besondere Wertschätzung geschenkt. "Ach ja, erst auf Drängen der SPD Betreuungsschlüssel verbessert und die Vergütung von Vor- und Nachbereitungszeiten eingeführt. Auch das starke Familiengesetz, welches nun endlich die Kostenfreiheit des Mittagessens in der Einrichtung für alle bedürftigen Kinder bringt, war keinesfalls eine Idee der CDU und musste in harten Verhandlungen durchgesetzt werden." Die sächsische Regierungspartei solle beim Thema Kita "lieber die Klappe halten", forderte die SPD-Politikerin.

CDU: Schweinefleisch-Verbot ist inakzeptabel

Der Generalsekretär der CDU Sachsen, Alexander Dierks (31), beschrieb das Verbot von Schweinefleisch in Kitas als "inakzeptabel". Gleichzeitig kritisierte er die Spontandemo von AdPM-Initiator André Poggenburg (44).
Der Generalsekretär der CDU Sachsen, Alexander Dierks (31), beschrieb das Verbot von Schweinefleisch in Kitas als "inakzeptabel". Gleichzeitig kritisierte er die Spontandemo von AdPM-Initiator André Poggenburg (44).  © Thomas Türpe

Der CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (31) hatte nach Bekanntwerden des Verbots in den Kitas am Dienstag schnell erklärt, dass das Verbot von Schweinefleisch "inakzeptabel" sei. "Selbstverständlich soll & kann niemand gegen seinen Willen gezwungen werden, etwas Bestimmtes zu essen. Aber ein Verbot ist der falsche Weg", twitterte er.

Auch diesen Post sieht Irena Rudolph-Kokot sehr kritisch. "Und nun passierte in Leipzig das, was eigentlich seit langer Zeit in Sachsen passiert – noch rechtere Kräfte nutzen den von der CDU Sachsen bereiteten Boden um noch aggressiver und ausgrenzender Hass zu streuen", so die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der SPD Sachsen.

Und so kam es auch. André Poggenburg (44) meldete mit seiner Partei Aufbruch deutscher Patrioten Mitteldeutschland (AdPM) eine Kundgebung vor einer der betroffenen Einrichtungen an (TAG24 berichtete). "Verbot von Schweinefleisch in Leipziger Kitas wegen islamischen Befindlichkeiten!? Nicht mit uns!", schrieb Sachsen-Anhalts ehemaliger AfD-Vorsitzender bei Facebook.

Er rief zu einer spontanen Kundgebung unter dem Motto "Keine Indoktrination und Islamisierung an Kitas und Schulen" am Freitag ab 15 Uhr vor der Kita "Rolando Toro" in der Lößniger Straße auf. Eine unter anderem vom Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" angemeldete Gegendemo unter dem Motto "Gesunde Toleranz statt Deutschtümelei" soll zeitgleich stattfinden.

Die Poggenburg-Demo kritisierte die CDU Sachsen wiederum. Diese sei "völlig daneben. Man kann in der Sache streiten, aber man darf Kindergärten und Kitas nicht für politische Kundgebungen instrumentalisieren", twitterte Generalsekretär Dierks.

Rudolph-Kokot ist nach eigenen Aussagen froh, dass es in Leipzig eine funktionierende Zivilgesellschaft gibt, "die dem Hass immer wieder in ihrer gesamten Vielfalt Protest entgegenstellt. Ich werde als Teil dieser Zivilgesellschaft auch wieder auf der Straße sein und lade alle ein sich zu beteiligen." Für sie sind nicht nur "ultrarechte Kräfte" das Problem in Sachsen, sondern auch die CDU selbst. "Deswegen wird es nur besser, wenn wir Sachsen umkrempeln."

André Poggenburg kündigte eine Kundgebung vor einer der betroffenen KItas an.
André Poggenburg kündigte eine Kundgebung vor einer der betroffenen KItas an.  © dpa/Sebastian Willnow

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