Schwere Krawalle bei Räumung von Flüchtlingslager

Ein junger Flüchtling vor den brennenden Baracken.
Ein junger Flüchtling vor den brennenden Baracken.

Von Philipp Weimar

Calais - Im „Dschungel von Calais“ gab es letzte Nacht wieder schwere Ausschreitungen. Bauarbeiter sollten das Flüchtlingscamp unter Polizeischutz räumen, Migranten und Aktivisten griffen daraufhin die Beamten an.

Ein Großaufgebot der Polizei (30 Einsatzfahrzeuge) sollte die Räumung des Flüchtlingscamp im französischen Calais absichern. 20 Mitarbeiter einer Baufirma rissen mit Bulldozern die selbstgebauten Baracken der Flüchtlinge ab.

Während die Räumung am Morgen noch friedlich verlief, brach gegen Abend das Chaos aus: Aktivisten und Flüchtlinge gingen gemeinsam auf die Beamten los, bewarfen sie mit Steinen. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfern.

In der Nacht verschlimmerte sich die Situation weiter: Insgesamt sollen 100 improvisierte Behausungen zerstört worden sein, mindestens 12 Baracken brannten ab. Die Migranten hatten mehrere Zelte und provisorische Bauten selbst angezündet, berichtet der britische Fernsehsender BBC.

Die französischen Behörden hatten eine Teilräumung des Camps geplant, 800-1000 Flüchtlinge sollten aufs ganze Land verteilt werden. Aktivisten widersprechen: sie gehen von mindestens 3400 Menschen aus, die das Lager verlassen müssen.

Mit schwerem Gerät wird in Calais der sogenannte "Dschungel" beräumt.
Mit schwerem Gerät wird in Calais der sogenannte "Dschungel" beräumt.

Unter weiteren Protesten ist mittlerweile am Dienstag die umstrittene Räumung von Teilen des Flüchtlingslagers in Calais fortgesetzt worden.

Die Regionalzeitung "La Voix du Nord" berichtete von einem erneuten Brand am Dienstag, zwei Migranten seien festgenommen worden. Nach Angaben von Unterpräfekt Vincent Berton soll die bisher geräumte Zone ausgeweitet werden.

Seit Monaten sitzen in Calais Tausende Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen fest. Alle hoffen, es irgendwie über den Ärmelkanal zu schaffen. Französische Behörden hatten im Januar diesen Jahres bereits die Felder vor dem Tunnel geflutet - um die Flüchtenden des sogenannten "Dschungels von Calais" am Weiterkommen zu hindern.

Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm Aktivisten fest. Auseinandersetzungen gab es auch, als eine Gruppe von Migranten eine Straße blockierte und Fahrzeuge bewarf.

Schwarze Rauchwolken über dem "Dschungel von Calais".
Schwarze Rauchwolken über dem "Dschungel von Calais".
Kriegsähnliche Zustände in Calais: Migranten und Aktivisten wehren sich gegen die Räumung des Camps.
Kriegsähnliche Zustände in Calais: Migranten und Aktivisten wehren sich gegen die Räumung des Camps.

Fotos: dpa


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