Rentner die Kehle durchtrennt: Urteil gefallen, doch dringende Frage bleibt

Schwerin/Wittenburg - Wegen des Mordes an einem schlafenden Rentner ist ein junger Mann in Mecklenburg-Vorpommern am Freitag zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Der Angeklagte (rechts) sitzt im Landgericht neben seinem Anwalt Matthias Macht.
Der Angeklagte (rechts) sitzt im Landgericht neben seinem Anwalt Matthias Macht.  © DPA

Das Landgericht Schwerin sah es am Freitag als erwiesen an, dass der geduldete Flüchtling aus Afghanistan in den frühen Morgenstunden des 17. November 2018 den 85-Jährigen in dessen Haus in Wittenburg mit einem Schnitt in den Hals tötete.

Doch nach dem Urteil bleibt eine dringende Frage weiter offen: Der Richter räumte bei der Urteilsverkündung ein, dass der Kammer das Motiv für die Tat im Verlauf des Prozesses unklar geblieben sei.

Der Verurteilte, der mit der Tochter des Opfers ein Verhältnis hatte, habe mit dem hilflosen 85-Jährigen nichts auszumachen gehabt.

Opfer gezielt ausgesucht und brutal getötet: Mann wollte mit Absicht in Knast!
Mord Opfer gezielt ausgesucht und brutal getötet: Mann wollte mit Absicht in Knast!

Die Frau hatte den Angeklagten zuvor lediglich gebeten, die Garage des gebrechlichen alten Herrn an jenem Wochenende aufzuräumen.

Auch sie konnte sich die Tat nicht erklären. Der Flüchtling habe ihren Vater schon einmal im Sommer kurzzeitig gepflegt, hatte sie erklärt.

Sie habe sich außerdem gut um den jungen Mann gekümmert. Die Frau habe dem jungen Flüchtling Sicherheit, Wohnung, Geld und Bedeutung gegeben und sei seine Fürsprecherin und Mentorin gewesen - und das, obwohl der Angeklagte im Verlauf der Beziehung zunehmend besitzergreifend geworden sei, sagte der Richter.

Ein Pfleger, der sich zur Tatzeit ebenfalls im Haus des Opfers befand, will das Geschehen über den Bildschirm eines Babyfons mitangesehen haben (TAG24 berichtete).

Der Angeklagte wird zum Prozessbeginn um den Mord an einem Rentner in Wittenburg zum Gerichtssaal geführt.
Der Angeklagte wird zum Prozessbeginn um den Mord an einem Rentner in Wittenburg zum Gerichtssaal geführt.

Die Kamera sei im Zimmer des 85-Jährigen installiert gewesen, um dessen Schlaf zu überwachen.

Der Rentner habe noch nach ihm, dem Pfleger, gerufen und geröchelt. Dann sei der Angeklagte aus dem Bild verschwunden und es sei still gewesen. "Ich hatte sehr viel Angst", sagte der Zeuge.

Der Afghane wurde noch am selben Tag an einer Auffahrt der Autobahn 24 in Schleswig-Holstein aufgegriffen und festgenommen.

Der Angeklagte, in dessen Personaldokumenten als Geburtsdatum der 1. Januar 1998 eingetragen ist, den die Staatsanwaltschaft und die Tochter des Opfers aber für mehrere Jahre älter halten, schwieg im Prozess.

Das Gericht geht davon aus, dass der Mann zum Zeitpunkt der Tat mindestens 21 Jahre alt war.

Titelfoto: DPA

Mehr zum Thema Mord: