Schwerkranker Benni kämpft für das Überleben anderer

Rheinland-Pfalz - Benni Over ist sehr krank, dennoch hat er sich einer großen Aufgabe verschrieben: Er will die Orang-Utans und den Regenwald retten.

Benni signiert sein Kinderbuch "Henry rettet den Regenwald".
Benni signiert sein Kinderbuch "Henry rettet den Regenwald".  © Klaus Over

Der 28-Jährige sitzt in einem Rollstuhl, kann nur noch seine Finger bewegen und wird von einer Maschine beatmet, trotzdem kämpft er unermüdlich für ein großes Ziel.

Alles begann mit einem Besuch in einem Berliner Zoo 2014. Seit seiner Begegnung mit dem Orang Utan "Bulan" ließen ihn die Tiere nicht mehr los. "Wir wollten den ganzen Zoo anschauen, doch wir sind kaum über die Affen weggekommen", sagt Vater Klaus Over. Benni recherchierte anschließend im Internet und bemerkte schnell, dass die Tiere vom Aussterben bedroht sind. Für Benni stand der Entschluss sofort fest: Er will den Affen helfen und er will ein Kinderbuch rausbringen, damit Kinder wissen, dass die Orang-Utans bedroht sind.

Benni übernimmt eine Patenschaft und wird von der größten Orang-Utan-Rettungsorganisationen tatsächlich in den Regenwald nach Kalimantan in Indonesien eingeladen - in eine Region, in die wenige Menschen vordringen, wo es keine Ärzte in der Nähe gibt und auch keine Wege, die nur im Ansatz rollstuhlgerecht wären.

Die einjährige Mona sitzt auf Bennis Schoss in Indonesien.
Die einjährige Mona sitzt auf Bennis Schoss in Indonesien.  © Klaus Over

Die ganze Familie packt an und sie fliegen gemeinsam an diesen Ort, tragen Benni gemeinsam mit den Organisatoren im Rollstuhl durch den Regenwald. "Ich war der einzige, der nicht geschwitzt hat", sagt Benni mit seinem trockenen Humor.

Dann passiert dieser Moment, der so einzigartig ist, dass ihn keiner vergessen wird. Sein Vater spricht von einem "Heiligen Moment": Benni sitzt in seinem Rollstuhl mitten in der Wildnis. Mona, ein einjähriges Orang-Utan-Mädchen, das seine Mutter verloren hat, klettert zaghaft auf seinen Schoß und isst eine Banane. "Es hat lange gedauert, bis sie hochkam, dann hat sie sich in den Schoß gekuschelt", erzählt Benni. "Bei uns sind alle die Tränen geflossen", ergänzt sein Vater Klaus Over.

Benni wird zum "Botschafter für Orang-Utans" ernannt und erhält einen klaren Auftrag von den Einheimischen: Er soll sich für die Orang-Utans einsetzen und von ihnen erzählen. "Diese Aufgabe habe ich in voller Überzeugung und mit ganzem Herzen angenommen", sagt Benni. Es ist eine Lebensaufgabe für ihn geworden.

Der Schwerkranke hat einen Kindertrickfilm und ein Buch mit dem Titel "Henry rettet den Regenwald" herausgebracht und klärt in Schulen und bei Veranstaltungen über die Themen Regenwald, Umweltschutz und auch Ernährung auf. "Ich möchte vor allem die nachfolgenden Generationen dazu motivieren, das Konsumverhalten im Alltag hinsichtlich der Konsequenzen für die Umwelt und das Klima positiv zu verändern; so z.B. weniger Produkte mit Palmöl und dafür mehr frisch zubereitetes Essen zu sich nehmen," schreibt Benni in seinen Zielen für das Jahr 2019.

Cover des Buches "Henry rettet den Regenwald".
Cover des Buches "Henry rettet den Regenwald".  © Benni Over

Orang-Utans sind für den Regenwald enorm wichtig: "Denn aufgrund ihrer Futterauswahl und dem anschließenden Ausscheiden derselben sorgen sie für den Fortbestand gesunder Wälder. Jene Wälder, die das Oxygen produzieren, das unsere Welt gerade in Zeiten des Klimawandels so dringend braucht."

Benni leidet seit seiner Geburt an Muskeldystrophie Duchenne, einem schleichendem Muskelschwund. Bei dieser Erkrankung wandeln sich die Muskeln in Gewebe um - es gibt kein Medikament dagegen. "Seine Lebenserwartung lag bei 18 Jahren", sagt sein Vater. Seit seinem 10. Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl, die Krankheit schreitet weiter voran.

Obwohl Benni schwer krank ist, setzt er all seine Kraft in sein Projekt: "Mit meinem Projekt möchte ich den Menschen auch vermitteln, dass es lohnt, sich für etwas einzusetzen und es sogar mir – mit Handicap und begrenzten Ressourcen - möglich ist, einen Beitrag für gesellschaftlich wichtige Themen zu leisten."

Anfang 2017 wollte Benni die Orang-Utans in Indonesien nochmals besuchen, doch es kam kurz davor zu einem tragischen Vorfall : Bennis Herz blieb stehen! Er wurde in ein künstliches Koma versetzt. "Die Ärzte haben uns geraten, die Maschinen abzustellen", sagt sein Vater. Doch Benni hat sich zurück ins Leben gekämpft. "Benni hat einen Auftrag, das ist noch zu früh", sagt sein Vater.

Die Reise wurde erstmal verschoben, doch sie ist fest geplant. Und auch ein weiteres Buch ist in Arbeit. Benni hat noch viel vor.


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