„Schwerste Tourismus-Krise seit der Wende“

DMG-Chefin Bettina Bunge (48) spricht nicht von PEGIDA, sondern von „Ereignissen“. Am negativen Image der Stadt sei die Berichterstattung mitverantwortlich.
DMG-Chefin Bettina Bunge (48) spricht nicht von PEGIDA, sondern von „Ereignissen“. Am negativen Image der Stadt sei die Berichterstattung mitverantwortlich.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Dresdens Touristiker sorgen sich ums eigene Geschäft: Nach Jahren steigender Übernachtungszahlen verliert die Touristen-Metropole Dresden jetzt deutlich Besucher: Minus vier Prozent bei deutschen Gästen in diesem Jahr, so die neueste Zahl.

Schuld an der bitteren Bilanz laut Dresdner Tourismusverband: Vor allem PEGIDA, aber auch Mindestlohn, Touristensteuer, fehlende verkaufsoffene Sonntage und das zu geringe Budget der Dresden Marketing Gesellschaft (DMG). Der Tourismusverband Dresden (200 Mitglieder) spricht deshalb von der „schwersten Krise des Dresdner Tourismus seit der Wende“.

Die Übernachtungszahlen zwischen Januar bis August 2015 sind bei Gästen aus Deutschland um 4 Prozent gesunken.

Johannes Lohmeyer (51), Hotelier und Vereinsvorsitzender des Tourismusverbandes.
Johannes Lohmeyer (51), Hotelier und Vereinsvorsitzender des Tourismusverbandes.

Die inländischen Gäste machen über 80 Prozent aller Touristen aus. Die Zahlen aus dem Ausland legten um 3,5 Prozent zu. „Vor allem durch die Demos einerseits, aber auch durch die völlig überzogene und tendenziöse Berichterstattung in den Medien hat die Stadt einen massiven Imageschaden erlitten“, sagt Johannes Lohmeyer (51), Hotelier und Vereinsvorsitzender des Tourismusverbandes.

„Die PEGIDA-Demonstrationen haben dazu geführt, dass seit Monaten sehr kritisch und negativ über Dresden berichtet wird“, bestätigt DMG-Sprecherin Karla Kallauch (45).

Lohmeyer fürchtet um langfristige Verluste.

Dabei sei PEGIDA eine geringe Minderheit, die nicht die Deutungshoheit über die Stadt in den Händen halten dürfe. Als Gegenmittel spricht sich die DMG für mehr Geld für die Standortvermarktung aus. Aktuell liegt das Budget bei rund 3 Millionen Euro. „Zudem gilt es, gemeinsam mit Mut und Willen zur kontinuierlichen Veränderung wie auch Selbstbewusstsein zu agieren“, so Kallauch.

Dresdens OB Dirk Hilbert (44, FDP) will ab April 2016 persönlich bei Städtereisen das Image aufpolieren - wenn das mal hilft!

In Dresden demonstriert seit über einem Jahr die PEGIDA-Bewegung. Das Bild der islam- und asylkritischen Bewegung ist längst weltweit bekannt.
In Dresden demonstriert seit über einem Jahr die PEGIDA-Bewegung. Das Bild der islam- und asylkritischen Bewegung ist längst weltweit bekannt.

Verursacher und Überbringer

Kommentar von Dominik Brüggemann

Der Überbringer einer schlechten Botschaft wurde in früheren Zeiten getötet. Weil es so schön einfach war. Die Wurzel allen Übels löste man damit natürlich nicht.

Mindestens genauso einfach ist die Ausrede der Dresdner Touristiker , wenn sie „den Medien“ die Schuld fürs ramponierte Dresden-Image in die Schuhe schieben wollen.

Allen voran die DMG-Chefin Bettina Bunge: Ihr gelingt es meisterlich, den bösen Begriff mit „P“ zu meiden. Stattdessen spricht sie von „Ereignissen“. Auch Johannes Lohmeyer, Vorsitzender des Tourismusverbandes Dresden, gibt den bösen Medien eine Watsche: Besonders die überregionale Presse berichtet aus seiner Warte überzogen und tendenziös.

Gewiss: Die Medien tragen die Nachrichten in die Region und in die Welt - aber das ist ihre und auch meine tägliche Aufgabe. Und wenn sich in Dresden wöchentlich montags Tausende asyl- und islamfeindliche Menschen tummeln, dann benenne ich das mit all den Problemen.

Mit allem Verständnis für die Touristiker: Mit genügend Selbstbewusstsein kann man offene Probleme in der eigenen Stadt auch an- und aussprechen. In Dresden trägt dieses Problem den Namen PEGIDA. Andere Städte haben auch Anti-Asyl-Demos. Aber eben nicht jede Woche seit über einem Jahr.

Die menschenverachtenden Phrasen schallen hier auf der Straße, nicht aus Radio oder den Tageszeitungen. Also: Wenn einer für ein negatives Image sorgt, dann der Verursacher und nicht der Überbringer der Botschaft.

Fotos: Eric Münch, imago/Thomas Eisenhuth, imago/Paul Sander, Christian Suhrbier


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