Sebastian Neumann muss seine Karriere beenden: Der Körper macht nicht mehr mit

Duisburg - Der Körper macht nicht mehr mit. Sebastian Neumann muss seine Karriere im Alter von 28 Jahren vorzeitig beenden. Das teilte er über seinen Verein, den MSV Duisburg, am heutigen Donnerstag mit.

Sebastian Neumann (verdeckt) für den MSV Duisburg im Duell mit dem damaligen Auer Emmanuel Iyoha.
Sebastian Neumann (verdeckt) für den MSV Duisburg im Duell mit dem damaligen Auer Emmanuel Iyoha.  © Picture Point/ Sven Sonntag

Er schrieb auf der Zebra-Website: "Es ist schade und tut mir leid für euch, dass ihr nie den richtigen, den 'fitten' Basti Neumann kennen gelernt habt."

Wie recht er damit hat. Denn der gebürtige Berliner hatte alle Anlagen, um auch in der 1. Bundesliga Stammspieler auf seiner Position zu sein. Doch unzählige Verletzungen verhinderten eine noch größere Karriere des Abwehrspielers.

Unter anderem spielte er aufgrund einer Herzmuskelerkrankung seit Januar 2015 mit einem eingesetzten Defibrillator.

In seinem bewegenden und offenen Brief erklärte er nun: "Das war eine sehr schwere Entscheidung, auch wenn sie nicht von heute auf morgen gefallen ist, sondern in den vergangenen Monaten gereift ist. Aber es war die einzig vernünftige Entscheidung, zu groß waren die Schmerzen bei Belastung."

Es sei die Wahl für "meine Familie und meine Gesundheit" gewesen. Denn: "Ich will auch mit 30 noch Spaß mit meinen Kindern haben!"

Neumann blickt trotz der langen Ausfallzeiten zufrieden auf seine Karriere zurück: "Elf Jahre durfte ich als Profi Fußball spielen. Es war eine tolle Zeit mit vielen einzigartigen Momenten, eine Zeit, für die ich dankbar bin. Dankbar bin ich allen, die mich auf meinem Weg begleitet haben.

Eigener Aussage zufolge möchte er "im Sport bleiben, ob als Trainer oder im Management." Er schloss seinen Brief ab mit "Wir sehen uns!"

Sebastian Neumann, Shervin Radjabali-Fardi und Lennart Hartmann: Körperliche Probleme

Nicht nur Neumann, auch Lennart Hartmann (r.), hier im Trikot von Berlin United, musste seine Profilaufbahn vorzeitig beenden. Er kickt aktuell in der 7. Liga unter "Icke" Häßler beim BFC Preußen.
Nicht nur Neumann, auch Lennart Hartmann (r.), hier im Trikot von Berlin United, musste seine Profilaufbahn vorzeitig beenden. Er kickt aktuell in der 7. Liga unter "Icke" Häßler beim BFC Preußen.  © Stefan Bröhl

Bei Neumann ist es wirklich bedauerlich, dass er immer wieder ausgebremst wurde. Besonders Hüftprobleme machten ihm am Ende neben seiner Herzerkrankung zu schaffen.

Damit ist er übrigens schon der zweite Spieler aus dem so talentierten 1991er Jahrgang von Hertha BSC, der die Fußballschuhe vorzeitig an den Nagel hängen muss: Vor vier Jahren hatte auch Shervin Radjabali-Fardi nach zwei Kreuzbandrissen und einem Achillessehnenriss aufgehört.

Auch ein zweiter Mitspieler, Lennart Hartmann, Herthas jüngster Bundesliga-Spieler aller Zeiten, musste seine Träume vom Profifußball wegen vieler Verletzungen begraben und kickt aktuell in der Berliner Landesliga für den BFC Preußen unter einem prominenten Trainer: Thomas "Icke" Häßler!

Wer die drei vor ihren Verletzungen live spielen sehen hat, der wusste: Sie alle waren außergewöhnlich talentierte Spieler.

Und Neumann, der beim FC Internationale mit dem Fußballspielen begonnen hatte und über Eintracht Südring 2001 zur Hertha kam, fiel in den Jugend-Bundesligen schon früh auf.

Er gab mit seiner tiefen Stimme lautstark Kommandos, strahlte Ruhe aus, war der unumstrittene Abwehrchef, übernahm dementsprechend Verantwortung, verfügte über einen erstklassigen Spielaufbau und war ein großer Zweikämpfer.

Sebastian Neumann feiert Profi-Debüt bei Hertha BSC unter Markus Babbel

Sebastian Neumann spielte insgesamt elf Jahre für Hertha BSC.
Sebastian Neumann spielte insgesamt elf Jahre für Hertha BSC.  © imago images / pmk

Deshalb war es keine Überraschung, dass er am 14. August 2010 im Alter von 19 Jahren, fünf Monaten und 27 Tagen sein Profi-Debüt für Hertha gab.

Beim 2:0-Auswärtssieg im DFB-Pokal bei SC Pfullendorf wurde er von Trainer Markus Babbel drei Minuten vor Schluss für Roman Hubnik eingewechselt.

Etwas mehr als zwei Monate später feierte er beim 2:0-Heimsieg gegen die SpVgg Greuther Fürth auch sein Liga-Debüt für die erste Mannschaft der Berliner.

Obwohl Neumann von einer Mittelfußprellung und einer Kreuzbanddehnung kurzzeitig gestoppt wurde, kam er unter Babbel noch in zehn weiteren Partien zum Einsatz und durfte dabei acht Mal über die gesamten 90 Minuten ran.

Dennoch gelang ihm in Berlin nicht der Durchbruch. Das hatte auch mit seinem äußerst unglücklich verlaufenden ersten Bundesliga-Spiel zu tun. Aus Verletzungsgründen kam er nämlich am 4. Februar 2012 gegen Hannover 96 zum Einsatz.

Da zeigte ihm der damalige Top-Stürmer Mohammed Abdellaoue, was Schlitzohrigkeit bedeutet. Neumann sah früh die Gelbe Karte, griff den Norweger vor dem entscheidenden Tor zum 0:1 nicht an und sah 15 Minuten vor Schluss auch noch Gelb-Rot.

Wie so viele Talente vor und nach ihm: Sebastian Neumann verließ Hertha BSC

Was für eine U21-Nationalmannschaft! Hinten v.li.: Jan Kirchhoff, Kevin Trapp, Peniel Mlapa, Neumann, Pierre-Michel Lasogga, Kevin Vogt. Unten v.li. Lewis Holtby, Sebastian Rudy, Ilkay Gündogan, Sebastian Jung & Konstantin Rausch.
Was für eine U21-Nationalmannschaft! Hinten v.li.: Jan Kirchhoff, Kevin Trapp, Peniel Mlapa, Neumann, Pierre-Michel Lasogga, Kevin Vogt. Unten v.li. Lewis Holtby, Sebastian Rudy, Ilkay Gündogan, Sebastian Jung & Konstantin Rausch.  © imago images / Christian Schroedter

Er kam in der Saison nur noch einmal als Einwechselspieler zum Einsatz und tat deshalb das, was fast alle Hertha-Nachwuchsspieler tun müssen, um zu spielen: Den Verein wechseln.

Interessenten gab es für den 27-fachen deutschen Junioren-Nationalspieler genug. Neumann entschied sich im Sommer 2012 für 200.000 Euro Ablöse für den damaligen Drittligisten VfL Osnabrück und war unter Coach Klaus-Dieter "Pele" Wollitz auf Anhieb Stammspieler (26 Einsätze, zwei Tore, eine Vorlage).

Der setzte ihn allerdings nicht als Innenverteidiger, sondern vornehmlich im defensiven Mittelfeld ein, wo er ebenfalls starke Leistungen zeigte und den Aufstieg in Liga zwei am Ende nur knapp in der Relegation gegen Dynamo Dresden (1:0 und 0:2) verpasste.

Unter Maik Walpurgis, der Wollitz beerbt hatte, kam er in der Saison 2013/14 dann wieder als Innenverteidiger zum Einsatz und führte den VfL gegen den Duisburg sogar als Kapitän aufs Feld (10. November 2013).

Er war Stammspieler und Leistungsträger in einer Person (34 Spiele, ein Tor). Im Sommer 2014 wechselte er dann ablösefrei zum VfR Aalen und die Verletzungsmisere begann. Erst fiel Neumann nach einer Knieoperation aus, dann traten die Herzprobleme auf, die ihn außer Gefecht setzten. So kam er in der Saison 2014/15 überhaupt nicht zum Einsatz.

Sebastian Neumann kämpfte sich beim VfR Aalen zurück, war stark beim FC Würzburger Kickers

Im Trkot der Würzburger Kickers: Sebastian Neumann (r.) blockt den Schuss von Zwickaus Robert Koch.
Im Trkot der Würzburger Kickers: Sebastian Neumann (r.) blockt den Schuss von Zwickaus Robert Koch.  © Picture Point/Gabor Krieg

Dann jedoch sah es so aus, als hätte er all das gut überstanden. Denn auch unter VfR-Coach Peter Vollmann spielte er nahezu immer (33 Spiele, drei Tore) und zählte zu den besten zentralen Abwehrspielern der 3. Liga.

Deshalb schloss er sich im Sommer 2016 dem Zweitliga-Aufsteiger FC Würzburger Kickers an, wo er auf Anhieb zum Kapitän von Trainer Bernd Hollerbach aufstieg und 33 Spiele absolvierte, davon satte 31 über die volle Distanz!

Zwar stieg Würzburg direkt wieder in die 3. Liga ab, doch Neumann blieb, war weiterhin überragender Spielführer und erzielte als Innenverteidiger starke fünf Tore (gab dazu noch zwei Vorlagen) in wettbewerbsübergreifend 38 Einsätzen.

Deshalb holte ihn Duisburg. Unter Trainer Ilia Gruev setzte er sich in der Vorbereitung durch und war auch hier sofort Stammspieler. Dann jedoch begannen die schwerwiegenden Hüftprobleme, durch die Neumann seit dem 8. Oktober 2018 kein Spiel mehr absolvieren konnte.

Zwar kämpfte er sich in dieser Saison noch einmal heran und wurde am 17. August gegen den FSV Zwickau in der Nachspielzeit für Kapitän Moritz Stoppelkamp eingewechselt. Doch das sollte leider Neumanns letzter Einsatz im Profifußball gewesen sein. Aber wie er schon in seinem Brief schrieb: "Wir sehen uns!"

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