Strafmilderung für den Killer von Seifersbach

Im Prozess um den Frauenkiller von Seifersbach, Rolf W. (54), soll heute das Urteil fallen.
Im Prozess um den Frauenkiller von Seifersbach, Rolf W. (54), soll heute das Urteil fallen.

Von Doreen Grasselt

Chemnitz - Beinahe auf den Tag genau zwei Jahre nach der Bluttat kam der Frauenkiller von Seifersbach zurück zum Tatort.

Experten haben in dem beschaulichen Rossauer Ortsteil die Schüsse nachgestellt, mit denen Rolf W. (54) am Pfingstmontag 2014 zuerst seine Ex-Frau Katja W. (†39) hingerichtet und danach seine Schwiegermutter angeschossen hatte.

Für die sonst so idyllisch lebenden Seifersbacher muss die große Traube aus Richtern, Verteidigern, Polizisten, Justizbeamten und Gutachtern ein bizarres Bild abgegeben haben. Mit Maßband und Kleinkaliber-Gewehr haben die Profis den Abstand zwischen Schütze und Opfer rekonstruiert.

Anhand der Ergebnisse will das Gericht feststellen, ob Rolf W. seine Schwiegermutter Margitta W. (67) ebenfalls töten wollte. Wenn dieser zweite Schuss in den Oberschenkel des Opfers nicht als versuchter Totschlag, sondern als gefährliche Körperverletzung verurteilt würde, entfiele für den zu lebenslanger Haft Verurteilten die besondere Schwere der Schuld. Das ist ausschlaggebend für das Strafmaß (maximal 15 Jahre).

Rückblick: Katja W. hatte ihren Mann im Juni 2014 verlassen, war mit Tochter Carlotta (4) zu ihren Eltern nach Seifersbach geflohen. Dort spürte der Killer sein Opfer auf, richtete Katja W. mit einem Schuss in den Rücken aus einem Kleinkalibergewehr hin.

Freitag soll der letzte Verhandlungstag am Landgericht sein. Ein Urteil wird am Nachmittag erwartet.

Update 15.00Uhr: Die Strafkammer hat ein Urteil gefällt. Rolf W. wird seine lebenslange Haftstrafe ohne besondere Schwere der Schuld absitzen (maximal 15 Jahre). Das heißt, dass der Todesschütze auch vorzeitig aus der Haft entlassen werden kann (etwa in acht Jahren). Ob Rolf W. neben seiner Exfrau Katja W. (†39) auch seine Schwiegermutter Margitta W. (63) töten wollte, war für das Gericht nicht nachweisbar. Richter Kay-Uwe Sander (48): „Im Zweifel für den Angeklagten.“

Fotos: Haertelpress


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