Bürgermeister angezeigt, weil Schule müffelt

Die betroffenen Räume wurden gesperrt.
Die betroffenen Räume wurden gesperrt.

Seiffen - Dicke Luft in Seiffen. Denn in den Klassenzimmern der Grundschule stinkt‘s. Oder besser gesagt: Es hat gestunken. Und zwar viel zu lange.

Der verursachende PVC-Belag inklusive Estrich wurde in den Sommerferien ausgetauscht. Für die Eltern zu spät. Der Mief kroch seit Jahren herum.

Schüler klagten über Kopfschmerzen, tränende Augen, gereizte Schleimhäute. Und da die Gemeinde der Träger der Grundschule ist, soll Bürgermeister Martin Wittig schuld sein.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Eltern werfen ihm fahrlässige Körperverletzung vor, reichten Dienstaufsichtsbeschwerde ein.

Dabei war es der Bürgermeister selbst, der bereits 2014 eine Meldung an das Sachgebiet Hygiene veranlasste. Daraufhin untersuchte die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) die Raumluft in zwei Räumen, im Hort im Keller und im Kunstraum im Dachgeschoss.

Laut LUA-Gutachten überschritten "2-Ethyl-1-Hexanol" und "Phenol" die Richtwerte.

Empfohlen wurde, innerhalb eines Jahres abstellende Maßnahmen zu ergreifen. Nach Aussage von Gemeinderat Marco Barthel war das Thema in den Sitzungen immer präsent. "Die baubiologischen Gutachten erstellen, Ausschreibungen, Fördermittel beantragen - es dauert alles seine Zeit", sagt er.

Die Räume wurden aber sofort gesperrt, erinnert er sich.

Für Rätin Carmen Günther ist es eine Gratwanderung zwischen Panikmache und Handlungsbedarf. Und auch ein Kommunikationsproblem. "In keiner Bürgerfragestunde wurde je eine Anfrage dazu gestellt."

Ob es zur Anklage kommt, ist laut Oberstaatsanwältin Burghart unklar.

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat die Polizei mit Nachermittlungen beauftragt.

Die Grundschule in Seiffen.
Die Grundschule in Seiffen.  © Uwe Meinhold

Titelfoto: Uwe Meinhold


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