Seit fünf Jahren: Australien lässt keine Flüchtlings-Boote mehr rein

Canberra/Australien - In Europa wird derzeit der Umgang mit Bootsflüchtlingen diskutiert. Australien ist einen anderen Weg gegangen: Wer illegal versucht, nach Australien zu gelangen, auf den wartet kein neues Leben - sondern nur die Abschiebehaft.

Australien: Boote mit Asylsuchenden werden abgefangen und in ihre Ausgangshäfen zurückgeschickt.
Australien: Boote mit Asylsuchenden werden abgefangen und in ihre Ausgangshäfen zurückgeschickt.  © DPA

Es kamen trotz Einreiseverbots immer wieder Boote übers Meer. Man sandte diese wieder zurück, startete mehrsprachige Medienkampagnen direkt in den Fluchtländern. "Wer Menschenschmugglern glaube und versuche, sich auf dem Seeweg einzuschleichen, der werde gefasst – und würde nie auch nur einen Fuß nach Australien setzen." So der Grundtenor.

Wie dlf erklärt, werden von der Marine aufgegriffene Flüchtlinge in abgelegenen Insel-Camps auf Nauru oder in Papua Neuguinea gebracht. Der Erfolg: Schon seit fünf Jahren hat kein einziger Bootsflüchtling Asyl in Australien erhalten.

Australiens Premier Malcolm Turnbull ist sich sicher, dass das so bleibt:

"Ein starkes Australien ist ein sicheres Australien. Wir haben die Menschenschmuggler gestoppt und damit verhindert, dass Flüchtlinge bei der Überfahrt auf hoher See ertrinken. Deshalb müssen wir weiter unsere Grenzen schützen. Und das werde ich tun, solange ich Premierminister von Australien bin."

Jenes "Australische Modell" wurde auch bei "Dunja Hayali" am Mittwochabend im ZDF kurz angesprochen und sofort verworfen (TAG24 berichtete).

Ist das Australische Modell auf Europa übertragbar?

Malcolm Turnbull, Premierminister von Australien: "Wir haben die Menschenschmuggler gestoppt und damit verhindert, dass Flüchtlinge bei der Überfahrt auf hoher See ertrinken."
Malcolm Turnbull, Premierminister von Australien: "Wir haben die Menschenschmuggler gestoppt und damit verhindert, dass Flüchtlinge bei der Überfahrt auf hoher See ertrinken."  © DPA

Es gibt ein Problem: Denn Papua Neuguinea will nicht länger Australiens Abschiebelager sein. 700 Internierte aus dem Irak, Iran und aus Afghanistan seien noch im Land.

Die australische Regierung betont: Niemand halte sie fest. Die Asylsuchenden könnten sich in Papua Neuguinea niederlassen, zurück in ihre Heimat oder nach Kambodscha - mit Kambodscha hat Australien ein Umsiedlungsabkommen.

Die Flüchtlinge aber wollen lieber nach Sydney, Melbourne oder Brisbane, wie es heißt.

Flüchtlingsanwalt David Manne sagt: "Milliarden auszugeben, um Menschen ein- und wegzusperren, die in Australien ein sicheres Leben suchen, ist rechtlich, moralisch, praktisch und finanziell unhaltbar. So kann es nicht weitergehen. Die Regierung muss eine vernünftige Lösung für dieses grausame Problem finden."

Australiens Lösung ist demnach Abschottung. Australiens Tony Abbott rät Europa, dasselbe zu tun.

Menschen, die durch mehrere, sichere Drittstaaten gereist wären, seien keine Flüchtlinge mehr, sondern Migranten – nicht auf der Suche nach Sicherheit, sondern nach einem rundumversorgten Leben. Auch Abbott gebraucht den Seehofer'schen Begriff der "Asyltouristen", die sich das Land aussuchten, das ihnen am meisten lebenslange Sozialhilfe verspreche und am wenigsten Integration abverlange.

Der Politiker betont: "Australien hat alles richtig gemacht. Ohne sichere Grenzen ist kein Land mehr sicher".