Sekten-Beauftragter: So schützen Sie Ihre Kinder vor der Islamisten-Falle

Von Hermann Tydecks

Berät besorgte Eltern: Sekten-Beauftragter Harald Lamprecht (46, r.).
Berät besorgte Eltern: Sekten-Beauftragter Harald Lamprecht (46, r.).

Dresden - Ein Mädchen (15) aus Pulsnitz geriet wohl in die Fänge der Terrormiliz IS. Jetzt fragen sich besorgte Eltern: Kann das auch meinem Kind passieren?

Sektenbeauftragter Harald Lamprecht (46) weiß, wann die Alarmglocken läuten sollten und was im Ernstfall zu tun ist.

"Keine Panik", rät Lamprecht. Der Sektenbeauftragte und Berater der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen weiß: "Was die Gefährdung von sächsischen Jugendlichen angeht, bereiten etwa radikale Bibelgruppen viel größere Probleme als Islamisten."

Zur Einordnung hilft auch ein Blick in die Statistik. Bundesweit zählen die Verfassungsschützer rund 810 Personen, die ausgereist sind, um sich dem IS anzuschließen. Davon stammt jedoch nur "eine Personenzahl im unteren einstelligen Bereich" aus Sachsen. Öffentlich bekannt sind nur drei Fälle, einschließlich Linda W.

Kehrt Linda W. (15) aus Pulsnitz jemals zurück?
Kehrt Linda W. (15) aus Pulsnitz jemals zurück?

Grundsätzlich anfällig für radikale Gruppen sind Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren.

"Vor allem bei Problemen mit den Eltern, in der Schule sowie ohne intakten Freundeskreis", sagt Harald Lamprecht. "Während der Pubertät sind sie auf Identitätssuche, bereit für radikale Lösungen."

Besorgte Eltern sollten vorsorglich das Gespräch suchen, über Gefahren informieren. "Erklärt man den Kindern, dass auf Facebook IS-Anwerber auftreten, sind sie im Ernstfall vorbereitet." Anstatt Facebook zu verbieten, das Vertrauen stärken!

"Bitten Sie ihre Kinder, bei komischen Nachrichten Bescheid zu geben."

Und aufgepasst: Interessiert sich ein Jugendlicher für den Koran, ist er noch nicht gefährdet.

"Dann sollten Eltern nicht restriktiv reagieren. Besser wäre es, den Unterschied zwischen Islam und Islamismus zu erklären", rät Lamprecht. "Problematisch wird es, wenn der Betroffene sein bisheriges Leben radikal abwertet, etwa Kontakt mit Freunden abbricht, nur noch schwarz-weiß denkt."

Im Ernstfall sollte man Kontakt mit den kostenfreien Beratungsstellen aufnehmen. Harald Lamprecht erreicht Ihr telefonisch unter 0351/64 75 64 85. Oder die Beratungsstelle HAYAT-Deutschland: 030/23 48 93 35.

Fotos: Amac Garbe (2), Facebook (1)


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