Selfies auf Reisen - Trend oder Epidemie?

„Mein Mittagessen, mein Latte Macchiato und ich am Ende der Welt“ – heutzutage ist das Selfie mit Abstand das wichtigste Medium zur Dokumentation einer Urlaubsreise. Dieser Trend bringt zuweilen idyllische Perspektiven hervor, führt jedoch auch zu extremen Entwicklungen in Urlaubsländern, Risiken für die Reisenden und wirft datenschutzrechtliche Probleme auf.

Der Selfie-Trend ist gerade auf Reisen ungebrochen - dies sorgt für tolle Fotos im Social-Media Bereich.
Der Selfie-Trend ist gerade auf Reisen ungebrochen - dies sorgt für tolle Fotos im Social-Media Bereich.

Selfie-Spots für Interessierte

Früher reisten Fotografen um die Welt, um die schönste Panorama-Aufnahme zu schießen – im digitalen Zeitalter wollen Globetrotter in erster Linie selbst auf ihrem Urlaubsfoto erscheinen. Damit das obligatorische „Ich war hier“-Selfie auch als perfekter Schnappschuss für Instagram und Co gelingt, präsentieren Online-Reiseführer Interessierten die weltweit besten Selfie-Spots. Darunter sind neben bekannten Bauwerken vor allem spektakuläre Landschaftskulissen:

1. Früher „Sehenswürdigkeit“ heute „Selfie-Spot“

Der Eiffelturm, die Tower Bridge, der schiefe Turm von Pisa – glaubt man den Statistiken, gelten die ehemals berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Welt heutzutage als beliebtester Hintergrund für das Urlaubs-Selfie. Darüber hinaus sind vor allem Orte beliebt, die einen Blick über die Skyline von Metropolen bieten wie die Terrasse der Villa Borghese in Rom, Frankfurts Main Tower oder „Top of the Rock“ in New York, die Aussichtsplattform an der Spitze des Rockefeller Centers.

2. Inszenierung für das perfekte Bild

In beliebten Fernreise-Regionen wie Indonesien sind ideale Standpunkte für das perfekte Selfie häufig mit dem Hinweis „Selfie Spot“ markiert. Während der Bildausschnitt eine abgeschiedene Idylle suggeriert, zeigt sich die nahe Umgebung zuweilen eher weniger fotogen: Hinter einem antiken balinesischen Torbogen (Handara Gate) erstreckt sich ein Golfplatz; davor eine Hauptstraße.

Auch die Schaukeln über spektakulären Abgründen, die Wasserfälle und riesigen Vogelnester, die Indonesien-Reisende gern auf Instagram posten, sind selten so unberührt, wie das Foto vermuten lässt. Erweitert man die Perspektive, stehen hinter dem Fotografierten 20 weitere Selfie-Anwärter in der Warteschlange und planen ihren perfekten Social-Media-Auftritt.

3. Selfies prägen Reisemarkt und Stadtbild

Dass bekannte Influencer in Hotels eingeladen werden, um Orte über ihren Social-Media-Account zu promoten, ist nur die Spitze eines generellen Anpassungs-Trends. Um das perfekte Foto zu erzielen, können sich Reisende über Airbnb ihren persönlichen „Urlaubs-Fotografen“ mieten, der ihnen auf dem Fuße folgt, um professionelle Aufnahmen zu machen.

Auch Sitten und Stadtbild passen sich dem Social-Media-Trend an: Obgleich sie nichts mit der regionalen Küche gemein haben, bieten immer mehr balinesische Restaurants die auf Instagram beliebten „Bowls“ an. In San Francisco gaben die Inhaber des Restaurants „Media Noche“ den Innenarchitekten gar den Auftrag, das Interieur „perfectly instagrammable“ zu gestalten.

Kurz ein Selfie in einer fremden Stadt? Heute keine Seltenheit.
Kurz ein Selfie in einer fremden Stadt? Heute keine Seltenheit.

Was sollten Handynutzer im Ausland beachten?

Wer seine Selfies direkt vom Urlaubsort auf den gewünschten Plattformen hochladen will, sollte sich vorab über die Tarife informieren. Innerhalb der EU fallen seit Juni 2017 keine Roaming-Gebühren mehr an, sodass Handynutzer auch im Ausland ihre gewohnten Telefonie- und Internet-Tarife nutzen können.

Um diese Handy-Komfortzone zu verlassen, müssen Urlauber allerdings keine weiten Strecken zurücklegen; es genügt das Überqueren der Grenze zur Schweiz oder eine Türkei-Reise. Für passionierte Telefonierer und Surfer bieten sich folgende Lösungen an:

Roam like Home: Diese Option haben ab dem 15. Juni 2017 alle Urlauber im EU-Ausland; jedoch stellen die Anbieter den Service zuweilen nicht automatisch um. Der Wechsel von einem Tarif mit Auslandsaufschlägen zur Roam-like-Home-Option muss allerdings binnen eines Werktages kostenlos zu bewerkstelligen sein.

Handyeinstellungen prüfen: Wer ohne günstigen Tarif die EU verlässt, sollte von zuhause aus seine Mailbox deaktivieren, um hohe Kosten zu vermeiden. Gleiches gilt für das automatische Aktualisieren von Apps oder das Herunterladen von E-Mails auf dem Smartphone – diese Funktionen sollten Nutzer vor ihrer Reise besser deaktivieren.

Tarifvergleich für das Ausland: Online-Tarifrechner ermöglichen Nutzern den Überblick über diverse Auslandstarife, sodass sie sich den passendsten herauspicken können. Die Preise differieren in manchen Fällen stark; müssen jedoch nicht vor der Reise gebucht werden. Über die Funktion „manuelle Netzanwahl“ kann im Ferienort das günstigste Netz angewählt werden. Wer ganz sicher gehen möchte, dass seine Kommunikationskosten sich in Grenzen halten, sollte über die Nutzung eines Prepaid-Handys nachdenken. Kostenfreie SIM-Karten sind dabei heute immer verbreiteter und es gibt attraktive Konditionen.

Auf die Kulisse für ein Selfie achten

Tragödien, in denen Selfie-Fotografen rücklings von Klippen und Gebäuden stürzten, zeigen, dass bei der Wahl der perfekten Kulisse durchaus Vorsicht geboten ist. Stolpersteine lauern jedoch auch auf der gesetzlichen Ebene durch die neue Datenschutz-Grundverordnung, die seit 25. Mai 2018 in Kraft ist.

  • Selfies in Begleitung: Ein Foto von jemandem zu erstellen, gilt gesetzlich als Erhebung und Verarbeitung von persönlichen Daten. Fremde Personen mit auf dem Urlaubs-Selfie abzubilden, verlangt deshalb grundsätzlich das Einverständnis der Fotografierten. Das Bild danach weiterzuverwenden, etwa zur Veröffentlichung in sozialen Medien, darf laut DSGVO nur privaten und familiären Zwecken dienen. Dies beinhaltet etwa die Option, Fotos in geschlossenen Gruppen oder auf einem privaten Profil zu posten. Die Bilder per öffentlichem Account weltweit jedem zugänglich zu machen, widerspricht streng genommen den neuen Richtlinien.
  • Rechtliche Ausnahmen: Muss ein Fotograf tatsächlich jeden Menschen, der zum Zeitpunkt einer Aufnahme vor dem Eiffelturm steht, um Erlaubnis bitten? Praktisch wäre dies wahrscheinlich unmöglich. Genau für diesen Fall besteht im Artikel der DSGVO eine Ausnahme, die beispielsweise für Fotos großer Sportveranstaltungen und Konzerte gilt. Ebenso müssen Fotografen nicht um Einverständnis bitten, wenn Personen auf den erstellten Fotos nicht erkennbar sind, weil sie in Rückansicht abgebildet wurden. Auch verzerrte Aufnahmen mit langer Belichtung erfordern keine Einverständniserklärung der Abgebildeten. Gestattet ist es darüber hinaus, verpixelte Aufnahmen zu nutzen, wenn die Personen auch auf dem Original unkenntlich gemacht werden.

Fazit

Das soziale Medien die schönsten Orte der Welt allen Zuhausegebliebenen beliebig abrufbar zur Verfügung stellen, ist im Prinzip eine positive Entwicklung – schließlich erinnern sich Ältere noch mit Grausen an die meist unbeliebten Diavorführungen der Urlauber früherer Generationen. Dennoch sollten Globetrotter darauf achten, ihre Reise mit allen Sinnen zu erleben und zu genießen, anstatt nur dem nächsten Selfie hinterherzujagen.

Bildquellen:

Abbildung 1: @ laura6 (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Abbildung 2: @ JudaM (CC0-Lizenz) / pixabay.com


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