Wie PEGIDA die Semperoper bluten lässt...

Zurzeit der Chef im Semper- Haus: Wolfgang Rothe.
Zurzeit der Chef im Semper- Haus: Wolfgang Rothe.

Dresden - Vor etwas mehr als einem Jahr wurde der Dresdner Theaterplatz für beinah jeden folgenden Montag zum Präsentierteller der Pegida-Bewegung. Wobei die Semperoper unfreiwillig Kulisse abgibt.

Ob und inwieweit Dresdens Operntempel durch Pegida Schaden nimmt, war lange Zeit mehr Vermutung als Tatsache. Das hat sich zum Jahresende geändert.

Nimmt ein Theater Schaden, dann betrifft das in solchen Fall Publikumsauslastung und Einnahmen. Die Frage ist: Wie hoch ist der Abschreckungseffekt Pegidas auf die Opernbesucher?

Noch im Frühsommer war von einer nur „gefühlten Kaufzurückhaltung“ an der Opernkasse die Rede gewesen. Mittlerweile sei das in der Bilanzierung des zu Ende gehenden Jahres ein „eindeutiger Sachverhalt“, so Wolfgang Rothe, kommissarischer Intendant und Kaufmännischer Geschäftsführer, zur MOPO.

Erst vor wenigen Tagen habe er sich von der zuständigen Abteilung im Haus die aktuellen Daten zuarbeiten lassen.

Eins der Banner, mit denen sich die Semperoper gegen Pegida wehrt. Zu sehen ist ein Personalquartett der Staatskapelle.
Eins der Banner, mit denen sich die Semperoper gegen Pegida wehrt. Zu sehen ist ein Personalquartett der Staatskapelle.

Rothe: „Wir haben Einbußen in verschiedenen Vertriebskanälen. Die Kaufzurückhaltung ist deutlich vor allem bei Touristen. Viele Reiseveranstalter haben Schwierigkeiten, ihre Kartenkontingente abzusetzen, also reduzieren sie die Kontingente. Ähnlich verfahren manche Hotels in Dresden, bei denen gleichfalls die Nachfrage nach Opernkarten sinkt. Weitere Einbußen haben wir, von den Demonstrationen ausgelöst, an den Montagen. Viele Menschen, auch Opernbesucher, wollen montagsabends nicht mehr in die Innenstadt.“

Wo früher im Saal das Publikum dicht an dicht saß, gähnen immer häufiger unbesetzte Plätze, im Falle der Stornierung eines Reiseveranstalters bleiben mitunter weite Teile ganzer Sitzreihen frei. Manchmal gelinge es, Karten in Kommission weiterzuverkaufen, so Rothe, manchmal selbst das nicht.

Fragt man den Intendanten, zu welchem Zeitpunkt im Jahr die Situation an der Opernkasse gekippt ist, nennt er vornehmlich ein Datum. „Es war nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen im Umfeld der Pegida-Demonstration am 19. Oktober“, so Rothe. Zur Kundgebung anlässlich des einjährigen „Pegida-Geburtstags“ war es zu Krawallen gekommen, an denen auch linke Anti-Pegida Gruppen beteiligt waren. Es sei anschließend verstärkt zu Stornierung vorbestellter Karten gekommen. Rothe: „Unter anderem sagte eine Touristengruppe aus Japan mit der Begründung ab, es sei in Dresden zu gefährlich.“

Konkrete Zahlen zum Besucherrückgang und zu infolgedessen sinkenden Einnahmen könne er frühestens im Januar vorlegen, so Rothe. Vor allem für den aktuellen Zeitraum November/Dezember sei aber schon jetzt eindeutig festzustellen: „Es sind nicht die Zahlen, die wir uns vorstellen“.

Fotos: Steffen Füssel, Türpe


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