Wird Semperopern-Skandal teuer? Kündigung von Intendant unwirksam

Von Torsten Hilscher

Intendant Serge Dorny (54) war am 20. Februar 2014 außerordentlich gekündigt worden - laut Landgericht hätte er zumindest vorher abgemahnt werden müssen.
Intendant Serge Dorny (54) war am 20. Februar 2014 außerordentlich gekündigt worden - laut Landgericht hätte er zumindest vorher abgemahnt werden müssen.

Dresden - Die weltberühmte Semperoper hat einen Geister-Intendanten. Denn der 2014 geschasste Serge Dorny (54) darf theoretisch sofort sein Amt antreten.

Der gebürtige Belgier siegte jetzt endgültig im Streit um seinen Rausschmiss.

Das Oberlandesgericht Dresden wies eine Beschwerde des Freistaates Sachsen gegen ein Urteil des Landgerichts Dresden (LG) ab. Das LG hatte am 1. Dezember 2015 Dorny recht gegeben.

Hintergrund: Dorny waren am 20. Februar 2014 der Intendantenvertrag und der Vorbereitungsvertrag außerordentlich gekündigt worden. Das LG aber meinte, zuvor hätte zumindest eine Abmahnung stehen müssen.

Die Affäre Dorny ist noch eine Personalie aus der Amtszeit von Kulturministerin Sabine von Schorlemer (parteilos).

Diese hatte den Künstler mithilfe einer Findungskommission ausgewählt, aber noch vor seinem Amtsantritt wieder gefeuert – angeblich war die Ausrichtung des Dresdner Musik-Hauses strittig.

Obwohl die Kündigung von Dorny unwirksam ist, geht der Freistaat davon aus, dass er ihm kein Geld nachzahlen muss.
Obwohl die Kündigung von Dorny unwirksam ist, geht der Freistaat davon aus, dass er ihm kein Geld nachzahlen muss.

Hintergrund soll in diesem Zusammenhang (auch) ein Machtkampf zwischen Christian Thielemann, Chefdirigent des Opern-Hausorchesters, der Staatskapelle, gewesen sein.

Gegen den Spruch des OLG Dresden vom 20. Juli ist keine Revision zulässig. Dafür aber eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof. Dafür hat der Freistaat nun einen Monat Zeit.

Wichtig ist: Die OLG-Entscheidung meint nur das Anstellungsverhältnis. Theoretisch ist Dorny also wieder Intendant. Das Geld muss sich der Mann, der zur Zeit wieder in Lyon arbeitet, nun extra einklagen.

Wie viel Dorny fürs Nichtstun von seinem Gehalt wirklich einmal bekommt, ist noch nicht offiziell. Im Gespräch war lange Zeit eine Summe von 1,5 Millionen Euro.

Denn pro Jahr sollte er bis 2019 rund 300.000 Euro erhalten.

Ein Sprecher des Kunstministeriums sagte allerdings: "Wir rechnen nicht mit finanziellen Ansprüchen von Herrn Dorny."

Dass Dorny andererseits tatsächlich nach Dresden zurückkehren wird, scheint dem Ministerium ebenso unwahrscheinlich. Schließlich habe er sich in den vergangenen zwei Jahren dazu nicht mehr gemeldet. Dorny ist zurzeit wieder an der Oper Lyon leitend tätig.

Fotos: imago, dpa/Sebastian Kahnert


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