Weniger Promis, keine Preise, dafür Proteste: Das war der SemperOpernball in Dresden

Dresden - Am gestrigen Freitag waren alle Augen auf Dresden gerichtet! Der SemperOpernball wurde zum 15. Mal gefeiert. Drinnen, draußen, alles live übertragen vom MDR Fernsehen. Doch nach dem Eklat um die Ordensvergabe an Ägyptens Machthaber El-Sisi (65) war der Abend auch von Protest, Kritik und Meinungen geprägt.

Fulminant startete der SemperOpernball mit einem Feuerwerk auf dem Theaterplatz.
Fulminant startete der SemperOpernball mit einem Feuerwerk auf dem Theaterplatz.  © eventpress

"Das ist unser Ball und den lassen wir uns nicht von ein paar falschen Entscheidungen kaputt machen!“ Im Namen vieler Dresdner eröffnete TV-Moderator René Kindermann (44, Sport im Osten) pointiert den Open-Air-Ball, während die wenigen Stars und deutlich mehr Sternchen über den roten Teppich flanierten. Im Haus waren etwa 2000 Ballgäste.

Auf dem Theaterplatz verfolgten Abertausende das Programm auf Großleinwand. Dass Amnesty International anbei eine Mahnwache abhielt und auf dem Schlossplatz beim "SeifenOpernBall" satirisch protestiert wurde, störte die Wenigsten beim gemeinschaftlichen Mitschunkeln und Walzertanzen.

Schlagerstar Roland Kaiser (67, "Santa Maria"), der das Programm in der Oper allein moderierte, zeigte sich gleich zu Beginn "entsetzt über ein solches Ausmaß an Hass und verbaler Gewalt", das Mareile Höppner (42), die als Moderatoren-Ersatz für Judith Rakers (44) einspringen wollte und nach Morddrohungen aus Angst wieder abgesagt hatte, widerfahren war.

Er betonte: "Wir lassen uns nicht erpressen, wir lassen uns nicht einschüchtern und wir werden uns wehren."

Da erstmals keinerlei Orden verliehen wurden, konnten sich die Gäste nach Kaisers Appell entspannt aufs musikalische Programm (Motto "Märchenhaft rauschend - Dresden jubiliert") konzentrieren, das überwiegend vom MDR Sinfonieorchester bestritten wurde. Höhepunkte waren wie eh und je das Feuerwerk, die Debütanten und das Mitternachts-Konzert. Letzteres mit Peter Maffay (70), dem dieser Auftritt ein besonderes, weil seltenes Vergnügen war: "Als Rockband in der Oper? Das finden wir geil."

Was Dresden im nächsten Jahr erwarten wird, darüber wurde unter den Gästen bis in die Morgenstunden viel und heiß diskutiert. Nach den ersten Rücktrittsforderungen am gestrigen Freitagabend an Ballchef Hans-Joachim Frey (54), bleibt abzuwarten, wie der SemperOpernball künftig fortgeführt wird. "Wir wollen den Ball für Dresden", betonte OB Dirk Hilbert (48). Festhalten kann man auch das Resümee von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU): "Ein schöner Ball braucht keine Orden."

"Seifenopernball" und Mahnwache

Auf dem Schlossplatz tanzten SemperOpernball-Gegner ihren eigenen Ball.
Auf dem Schlossplatz tanzten SemperOpernball-Gegner ihren eigenen Ball.  © Tino Plunert

Noch während sich das Ballvolk schick für die große Gala machte, war Anderen gar nicht zum Feiern zumute. So protestierten schon ab 16 Uhr 14 Aktivisten von "Amensty International" gegen den SemperOpernball. Wieder andere zogen tanzend durch die Stadt, veranstalteten einen "Seifenopernball" als Gegenstück zur Prunkveranstaltung.

Fast im letzten Augenblick wollte Hans-Joachim Frey (54) den Skandal noch abwenden, erkannte dem ägyptischen Diktator Abdel Fatah El-Sisi (65) den gerade erst verliehenen St- Georgs-Orden wieder ab.

Beruhigt hat das Kritiker nicht: "Auf uns wirkt sehr halbherzig", sagt Wassily Nemitz (26), Bezirkssprecher von "Amnesty International Sachsen". "Auch weil das erst auf Druck von Peter Maffay geschah, obwohl es ja schon eher Kritik aus der Zivilgesellschaft kam." Deswegen protestierte die Organisation gegenüber der Oper, informierte über Folter und fehlende Pressefreiheit in Ägypten.

Eher unterhaltsamer protestierte der "1. Dresdner Seifenopernball" gegen die Veranstaltung: Vom Alaunplatz tanzten rund 200 Teilnehmer bis zum Schlossplatz. Dort gab es willkürliche Preise für alle, die wollen, Musik von "Banda Internationale" und sogar einen roten Teppich mit Blitzlichtgewitter. Allerdings keine Diktatoren-Verehrung. eho

Große Stars waren rar

Wettiner-Spross Xenia Prinzessin von Sachsen (33) setzte sich im Eingangsbereich der Oper für die Fotografen in Szene.
Wettiner-Spross Xenia Prinzessin von Sachsen (33) setzte sich im Eingangsbereich der Oper für die Fotografen in Szene.

Promi-Gedrängel auf dem Roten Teppich? Fehlanzeige beim diesjährigen SemperOpernball. Internationale Namen waren Mangelware. Dafür wurden die Stars und Sternchen gefeiert, die sich trotz Ball-Eklat nach Dresden trauten.

"Vox"-Quoten-Star Uwe Herrmann (57) schwebte mit gleich zwei Frauen zum Ball ein: "Zwischen Tüll & Tränen"-Kollegin Ester Barone (37) und Sängerin Loona (45, "Bailando") begleiteten den Brautmode-Profi.

Nach Spatzi, Rehlein, Mausi & Co brachte Baulöwe Richard Lugner (87) diesmal "Zebra" Karin Karrer (47, Justizbeamtin) mit. "BossHoss"-Sänger Sascha Vollmer (48) kam ohne seinen Bühnenpartner: "Alec ist im Urlaub". Für Vollmer ist es der erste Ball in Dresden - auf dem Leipziger Opernball ist er Stammgast. "Meine Oma ist ein großer Fan der Semperoper. Sie freut sich riesig, dass wir dabei sind", verriet Enkel Samuel Koch (32), der Schauspieler brachte seine jüngere Schwester Rebecca mit.

Auch Sylvie Meis (41) genoss den Abendganz ohne Stress - nach zwei Moderationsjahren amüsierte sie sich als Gast, wollte sich nicht zum Ball äußern. Ex-"Preis ist heiß"-Moderator Harry Wijnvoord (70) unterbrach für den Opernball seine Münsteraner Karnevals-Saison: "Ich habe am Montag die nächste Ratssitzung."

Auch gesehen: Boxweltmeister Dominic Bösel (30) und Ex-Boxweltmeister Robert Stieglitz (38), der 2016 mit seiner hochschwangeren Frau auf dem Ball tanzte - inzwischen ist Tochter Valeria süße dreieinhalb. Nicht zu vergessen jede Menge schöner Frauen. Durch die Nacht tanzten: Xenia Prinzessin von Sachsen (33), Ur-Ur-Enkelin des letzen Sachsenkönigs, die Dresdner "Miss Germany 2019" Nadine Berneis (30) und "Miss Dresden 2017" Ingrid Disput (23).

Der einzige echte Weltstar des Abends war Schauspieler Armin Müller-Stahl (89). Er ist der Onkel von Ball-Macher Frey.

Viele Promis fehlten! Die Chronik des Eklats

TV-Star Sylvie Meis (41) strahlte beim VIP-Empfang im Taschenbergpalais.
TV-Star Sylvie Meis (41) strahlte beim VIP-Empfang im Taschenbergpalais.  © eventpress

24. Januar: Ballchef Hans-Joachim Frey (54) gibt Ägyptens Machthaber El-Sisi (65) als Preisträger bekannt. Medien und Prominenz reagieren mit erster Kritik.

26. Januar: In Kairo erhält El-Sisi von Frey den St. Georgs-Orden. In Dresden folgt eine Welle der Entrüstung.

27. Januar: Auf der Pressekonferenz verkündet der Ballverein den zweiten Preisträger: Den Chemnitzer Unternehmer Hans J. Naumann (84). Der sorgte 2017 mit rassistischen Äußerungen für Empörung.

28. Januar: Nachdem die Moderatoren Roland Kaiser (67) und Judith Rakers (44) mit Rücktritt gedroht hatten, räumt Frey die Preisverleihung an El-Sisi als Fehler ein, entschuldigt sich.

29. Januar: "Tagesschau"-Sprecherin Rakers steigt wegen der Preisverleihung an El-Sisi aus der Moderation aus.

30. Januar: Mareile Höppner (42) springt als Ersatzmoderatorin ein.

Auf Einladung seines Neffen, Ballchef Hans-Joachim Frey (54), kam Schauspieler Armin Mueller-Stahl (89) mit Gattin Gabriele Scholz (70) zum Ball.
Auf Einladung seines Neffen, Ballchef Hans-Joachim Frey (54), kam Schauspieler Armin Mueller-Stahl (89) mit Gattin Gabriele Scholz (70) zum Ball.  © dpa/Sebastian Kahnert

1. Februar: Höppner sagt nach Hass-Tiraden im Netz die Moderation ab - mit einem Appell. Von Frey erwartet sie, "dass er endlich wirklich neue Zeichen setzt."

2. Februar: SAP-Gründer Dietmar Hopp (79) sagt ab. Der Milliardär sollte mit dem St. Georgs Orden ausgezeichnet werden. Laudator Uli Hoeneß (68) verzichtet.

3. Februar: Der Ball-Verein streicht alle Preisverleihung.

4. Februar: Peter Maffay (70) stellt Bedingung für seinen Auftritt als Mitternachts-Act: Der Orden muss El-Sisi aberkannt werden. Das Moka Efti Orchestra ("Babylon Berlin") sagt Auftritt ab. Amnesty international kündigt eine Mahnwache, Kulturschaffende den 1. Dresdner Seifenopernball vor der Oper an.

5. Februar: UNICEF-Botschafterin Eva Padberg (40) und UNICEF treten als Charitypartner zurück.

6. Februar: Die Präsentatorin des Debütantenkleides, Cathy Hummels (32), sagt aus Gewissensgründen ab.

7. Februar: Eine Stunde vor Öffnung der Oper rechnet Viola Klein mit Ball-Chef Frey per Facebook ab. Dresdens große Unternehmerin und Charity-Lady ("Hope-Gala"): "Ich bin traurig und auch wütend darüber, wie eines der schönsten Events in Sachsen so den Bach runter gehen kann!!!" Dann fordert sie unmissverständlich: "Herr Frey übernehmen Sie Verantwortung und treten Sie zurück! Fakt ist, sollte Herr Frey nicht zurücktreten, wird dies unsere letzte Teilnahme gewesen sein!"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) freute sich mit Lebensgefährtin Annett Hofmann (43) auf den Abend.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) freute sich mit Lebensgefährtin Annett Hofmann (43) auf den Abend.  © eventpress
Ein Traum in Orange: Der Tanz der 200 Debütanten gehörte zu den Höhepunkten des gestrigen SemperOpernballs.
Ein Traum in Orange: Der Tanz der 200 Debütanten gehörte zu den Höhepunkten des gestrigen SemperOpernballs.  © dpa/Sebastian Kahnert
Schlagerstar Roland Kaiser (67) moderierte souverän - und allein - durch den Ballabend.
Schlagerstar Roland Kaiser (67) moderierte souverän - und allein - durch den Ballabend.  © dpa/Sebastian Kahnert
Wassily Nemitz (26) von "Amnesty International" protestierte am gestrigen Freitag vor der Semperoper gegen die Diktatur in Ägypten.
Wassily Nemitz (26) von "Amnesty International" protestierte am gestrigen Freitag vor der Semperoper gegen die Diktatur in Ägypten.  © Tino Plunert

Mehr zum Thema SemperOpernball:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0