Senat soll "Reißleine ziehen": Freizeitparadies Dove-Elbe in Gefahr?

Hamburg - Ruhiges Gewässer, kaum gefährliche Strömungen und jede Menge Spaß im und am Wasser: Ausflügler und Angler erfreuen sich vor allem im Sommer am Naturidyll um die Hamburger Dove-Elbe.

Kurt Duwe (FDP) spricht im Rathaus in Hamburg bei einer Aktuellen Stunde während einer Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft.
Kurt Duwe (FDP) spricht im Rathaus in Hamburg bei einer Aktuellen Stunde während einer Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft.  © DPA

Die Idee der Wiederanbindung dieses Dove-Elbe-Gebiets an den großen Elbstrom nimmt aktuell Fahrt auf. Besonders Naturschutzorganisationen aus der Region sprechen sich dafür aus. Seit 1952 ist der Elbeseitenarm von der Norderelbe abgetrennt und wird seit dem nicht mehr von den Elbe-Gezeiten beeinflusst.

Allen voran argumentiert das Forum Tideelbe für eine erneute Öffnung einzelner Seitenarme der Elbe. In dem Aktionsbündnis sind die Länder Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Bund sowie Kreise, Kommunen, Verbände und Organisationen aus der Region vertreten. Und die haben insgesamt fünf Gebiete identifiziert, die für eine Öffnung zum Hauptstrom infrage kommen könnten – eines davon ist die Dove-Elbe.

Allerdings trifft der Anstoß der Naturschützer und des Aktionsbündnisses nicht überall auf Gegenliebe. Vor allem Teile der Hamburger Politik sträuben sich gegen eine mögliche Renaturierung des Nebenarms.

So hat die FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft jetzt vor der Wiederanbindung der Dove-Elbe gewarnt. Entsprechenden Überlegungen des Forums Tideelbe müsse der Senat eine Absage erteilen, sagte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Kurt Duwe. Auch die CDU im Bezirk Bergedorf sprach sich anscheinend bereits gegen das Vorhaben aus.

Die Fronten scheinen sich im Streit um die Dove-Elbe zu verhärten

Weiße Wolken ziehen am Sonnabend in Hamburg-Bergedorf über die Dove-Elbe.
Weiße Wolken ziehen am Sonnabend in Hamburg-Bergedorf über die Dove-Elbe.  © DPA

Die Kritiker des Vorhabens argumentieren, dass durch die Wiederanbindung mittels eines Sperrwerks und den dadurch verminderten Tidenhub der bei Wassersportlern und Anglern beliebte Flussarm im Südosten Hamburgs "unweigerlich zuschlicken und mittelfristig verlanden" würde.

Im Forum Tideelbe, werden deshalb Maßnahmen überlegt, die das Tidegeschehen der Elbe dämpfen könnten und so zu einer geringeren Sedimentablagerung führen sollen.

Die kontrollierte Wiederanbindung der Dove-Elbe werde dabei als "eine von fünf potentialsten Maßnahmenvorschlägen" angesehen, hatte eine Vertreterin der Umweltbehörde im Februar bei einer Informationsveranstaltung gesagt.

Aber die Kritiker lassen nicht locker: Auf dem Spiel stünden hier nicht nur Brutstätten für Wiesenvögel und der Lebensraum von Bibern, kritisierte Duwe das Vorhaben weiter. Es wären auch viele Existenzen gefährdet; zudem sänke der Freizeit- und Erholungswert.

FDP-Politiker fordert: "Reißleine ziehen!

"Schifffahrt wäre nicht mehr möglich, der schwankende Wasserstand würde Be- und Entwässerung der Vier- und Marschlande deutlich erschweren, Gartenbau und Gemüseanbau würden schweren Schaden nehmen, die international bedeutende Regattastrecke stünde vor dem Aus", zählte er auf.

Die Liste der negativen Auswirkungen ist angeblich so lang, dass der Senat hier rechtzeitig die Reißleine ziehen müsse. Einen entsprechenden Antrag hat die FDP am Mittwoch in der Bürgerschaft zur Debatte angemeldet.

Doch wie steht es wirklich um das "Freizeit-Paradies" Dove-Elbe? Die Standpunkte der Umweltschützer, des Forums Tideelbe und der Politiker gehen offenbar weit auseinander. So erklärt der BUND die Möglichkeit eines "Wassersportparadieses mit Tideplanung" und informiert dazu auch in Exkursionen vor Ort. Die Stiftung Lebensraum Elbe sieht die obere Tideelbe zwischen Geesthacht und dem Hamburg Hafen als einen lebendigen Naturraum, der dennoch auch defizitäre Strukturen mit sich bringt – darunter auch vollständig von der Elbe abgetrennt Nebenarme wie die Dove-Elbe.

Beim Streit über die Zukunft der Dove-Elbe scheint vorerst keine Einigung in Sicht. Die von der FDP angeregte Debatte in der Hamburger Bürgerschaft könnte der Diskussion allerdings eine konkretere Richtung geben, als es bisher der Fall war.

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