Oma Rosi mit einem Kilo Crystal erwischt

Beschämt betrat Rosemarie S. (60) gestern den Gerichtssaal.
Beschämt betrat Rosemarie S. (60) gestern den Gerichtssaal.

Von Steffi Suhr

Dresden - Mitglieder von Drogenbanden sind oft tätowierte, muskelbepackte Halbstarke. Doch seit gestern sitzt die adrette EU-Rentnerin Rosemarie S. (60) auf der Anklagebank im Landgericht.

Die gelernte Erzieherin soll über vier Kilo Crystal und zehn Kilo Marihuana nach Sachsen geholt haben.

Fast fünf Monate besorgte die Dresdnerin regelmäßig in Petrovice (Tschechien) Drogen. Laut Anklage streckte ihr Schwiegersohn das Rauschgift, andere verkauften den Stoff bis in den Knast.

Offenbar war Rosemarie S. die ideale Kurierfahrerin: Die freundliche Dame in der A-Klasse fiel nie auf.

Das Rauschgift Crystal soll die EU-Rentnerin nach Sachsen gebracht haben.
Das Rauschgift Crystal soll die EU-Rentnerin nach Sachsen gebracht haben.

Aber: Rosemarie arbeitete mit einem bei der sächsischen Justiz bekannten Drogenbaron zusammen. Als mal wieder gegen ihn ermittelt wurde, fiel bei Telefonüberwachungen der Name „Rosi“.

Sofort verwanzten die Fahnder ihren Benz, stationierten eine Kamera vor ihrer Wohnung, hörten ihr Telefon ab. Eine Polizistin: „Sie rief ihren Abnehmer an und sagte ‚Ich muss wieder zum Friseur nach Tschechien. Du brauchst doch sicher auch was.‘“

Kurz darauf wurde sie mit fast einem Kilo Crystal im Handschuhfach in Breitenau gestoppt. An Hand von Tankquittungen aus Petrovice, Observierung und Telefonaten ermittelte die Polizei insgesamt 16 Kurierfahrten.

Die Angeklagte will sich am nächsten Verhandlungstag erklären.

Fotos: Thoms Türpe, dpa


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