Das passiert auch Messi und Ronaldo: Darmstadts Dursun mit gewagtem Vergleich

Darmstadt - Trippelnd, tänzelnd, geradezu aufreizend lief Serdar Dursun an - und jagte den Elfmeter über das Tor.

Zunächst noch am Boden aufgrund seines verschossenen Elfmeters...
Zunächst noch am Boden aufgrund seines verschossenen Elfmeters...

Einige Fans des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 pfiffen ihren eigenen Stürmer aus, gerieten deswegen mit anderen Lilien-Anhängern aneinander. Den 28 Jahre alten Deutsch-Türken berührte das nicht. Eine knappe Viertelstunde später machte er gegen Jahn Regensburg zwei Tore (Anm. d. Red.: Endstand 2:2/TAG24 berichtete). "Ich war mental stark!", sagte er danach und fügte an: "Ob Gott so was gibt oder nicht - ich weiß nicht."

In den Wochen davor war der gebürtige Hamburger in die Kritik geraten. Sechs Spieltage hatte er nicht getroffen, oft eigensinnig agiert. Der Verein bewegt sich in der Nähe der Abstiegszone, die Stimmung im Umfeld ist schlecht, und für viele gilt Dursun neben Coach Dimitrios Grammozis als einer der Hauptschuldigen dafür.

Dass Dursun den Elfmeter am Sonntag gegen Regensburg trotzdem schoss, kann man ihm positiv wie negativ auslegen. In Tobias Kempe gibt es einen Spezialisten, den viele lieber als Schützen gesehen hätten. "Aber normalerweise hau' ich die rein", sagte Dursun.

Die Regel, dass der Gefoulte nicht selbst schießen soll, hält der Angreifer ohnehin für "Schwachsinn". Schließlich hat er diese Saison schon einen an ihm verursachten Strafstoß verwandelt.

Sein Vergleich: "Messi und Ronaldo verschießen auch Elfmeter. Kann passieren." Den Unmut des Publikums nach dem Fehlschuss konnte Dursun dennoch verstehen. "Wenn ich Zuschauer bin, fluche ich halt zwei Minuten. Das ist Fußball."

Lilien lassen das Motto "Mentalität schlägt Qualität" vermissen

... kurz darauf bejubelte Serdar Dursun (Re.) gleich zwei eigene Treffer gegen Regensburg.
... kurz darauf bejubelte Serdar Dursun (Re.) gleich zwei eigene Treffer gegen Regensburg.

In einem solchen Moment müsse man mentale Stärke zeigen. "Das kann man nicht trainieren", sagte Dursun. Und tatsächlich fehlt manchen seiner Mitspieler offenbar genau diese Stärke.

Spielerisch haben die Lilien diese Saison den wohl besten Kader seit Jahren. Doch einige der veranlagten Kicker wirkten angesichts der Negativ-Ergebnisse zuletzt verzagt.

Dabei hatte gerade die Nervenstärke den Verein über Jahre ausgezeichnet. "Mentalität schlägt Qualität", war einer der Leitsprüche von Darmstadts Erfolgstrainer Dirk Schuster, der Dursun zur Saison 2018/19 von der SpVgg Greuther Fürth ans Böllenfalltor geholt hatte.

Dass Darmstadt gegen Regensburg am Ende nur 2:2 spielte, hing zumindest teilweise auch mit Psychologie zusammen. Keeper Marcel Schuhen unterlief der zweite folgenschwere Fehler in einem Spiel hintereinander: In der Nachspielzeit ließ er eine Flanke durchrutschen.

"Das Tor kann passieren", sagte Dursun verständnisvoll. So wie die Mannschaft ihn aufgebaut habe, habe man das auch mit Schuhen gemacht. "Fußball ist ein Teamsport. Jeder macht Fehler. Vorne wie hinten."

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