Friedhofsgärtner als Serienmörder? Polizei prüft Verbindung zu mehr als 230 weiteren Taten

Lüneburg - Mindestens fünf Menschen soll der ehemalige Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann ermordet haben. Die Polizei prüft im Fall des mutmaßlichen Serienmörders von Lüneburg mittlerweile mögliche Verbindungen zu 236 Taten.

Polizisten graben nach Beweismitteln auf dem ehemaligen Grundstück des mutmaßlichen Täters.
Polizisten graben nach Beweismitteln auf dem ehemaligen Grundstück des mutmaßlichen Täters.  © Polizei Lüneburg

Dazu gehören Tötungsdelikte und Vergewaltigungen, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Dabei werden alle denkbaren Zusammenhänge untersucht, wenn es Parallelen gibt.

So dürfte es auch um viele Fälle gehen, die vermutlich nicht mit dem ehemaligen Friedhofsgärtner in Verbindung stehen.

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Mord Nachbarin ausgeraubt und dann erwürgt?

Kurt-Werner Wichmann gilt als Verantwortlicher für die zwei Doppelmorde in der Göhrde von 1989. Er starb 1993.

Unter einer Garage wurde auf einem früheren Grundstück des Mannes im September 2017 am Stadtrand von Lüneburg zudem die Leiche der seit 1989 verschwundenen Birgit Meier gefunden.

Im vergangenen Jahr hatte die Polizeidirektion daraufhin eine Clearingstelle bei der Ermittlungsgruppe Göhrde eingerichtet.

Andere Dienststellen im In- und Ausland sollen sich mit ihr in Verbindung setzen und so ihre Fälle anhand der Göhrde-Morde abgleichen.

Thilo Speich (links), stellvertretender Leiter der Ermittlungsgruppe Göhrde bei der Polizeidirektion Lüneburg, und Jürgen Schubbert, Leiter der Ermittlungsgruppe Göhrde, zeigen in der Asservatenkammer Teile eines Revolvers.
Thilo Speich (links), stellvertretender Leiter der Ermittlungsgruppe Göhrde bei der Polizeidirektion Lüneburg, und Jürgen Schubbert, Leiter der Ermittlungsgruppe Göhrde, zeigen in der Asservatenkammer Teile eines Revolvers.  © dpa/Philipp Schulze

Die Polizeidirektion hat am Dienstag zahlreiche Asservate aus dem früheren Haus des Mannes ins Internet gestellt (unter diesem Link), darunter Handtaschen, Schuh und Fahrzeugteile.

Die Gegenstände waren bei aufwendigen Suchmaßnahmen gesichert worden, 217 von ihnen wurden an das Landeskriminalamt in Hannover geschickt.

Erste Gutachten würden bereits vorliegen, sagte Ermittlungsgruppenleiter Jürgen Schubbert. Sein Team wurde im April auf acht Mitarbeiter aufgestockt.

"Bisher hat sich aus diesen Rückmeldungen kein entscheidender Hinweis ergeben", sagte Schubbert.

Die Gegenstände würden noch ausgewertet. Wer etwas im Netz wiedererkennt, möge sich melden.

Neues gab es von zwei im Oktober vergangenen Jahres entdeckten Schreckschusswaffen.

Mindestens eine von ihnen ist so umgebaut worden, dass aus dem Revolver mit abgetrenntem Lauf anschließend Kleinkalibermunition verschossen werden konnte.

Beim Vergleich mit vorhandenen Geschossen gab es keinen Treffer. Die Polizei kann aber nicht ausschließen, dass der Gärtner die Waffe benutzt hatte.

Polizeibeamte durchsuchen im Juli 1989 den Wald in der Göhrde nach einem Doppelmord.
Polizeibeamte durchsuchen im Juli 1989 den Wald in der Göhrde nach einem Doppelmord.  © dpa/Michael Behns

Die Ermittler haben ein Skript mit den vorliegenden Informationen verfasst und polizeiintern verbreitet. Ein Bewegungsbild des Mannes wurde erstellt, der längere Zeit auch in Karlsruhe lebte.

Eine neu eingerichtete Einheit "Cold Case" soll sich künftig in Lüneburg mit seit Jahren nicht geklärten Fällen im Nordosten Niedersachsens beschäftigen.

Die temporäre Ermittlungsgruppe Göhrde solle später in dem neuen Sachgebiet aufgehen, sagte Dezernatsleiter Thomas Ludwig-Dücomy.

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Allein 48 entsprechende Mord- und 7 Vermisstenfälle gebe es im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg.

In ganz Niedersachsen gebe es 268 derartige Mord- und 26 Vermisstenfälle, insgesamt also 294. Das neue Sachgebiet wurde zum 15. April eingerichtet.

Durch neue Methoden hoffe man, bisher ungelöste Fälle aufklären zu können, sagte dazu Polizeipräsident Thomas Ring am Dienstag.

"Tötungsdelikte sind immer extrem belastend für die Hinterbliebenen dieser Taten", betonte er. "Durch unsere Arbeit wollen wir auch dazu beitragen, dass die Folgen dieser Verbrechen durch die Angehörigen besser verarbeitet werden können."

Der Friedhofsgärtner beging im April 1993 Selbstmord, als er wegen anderer Vorwürfe in Untersuchungshaft saß.

Gegen Tote wird nicht ermittelt, doch zumindest in einigen Fällen soll er von einem als Beschuldigten geführten möglichen Komplizen unterstützt worden sein. Der Mann schweigt und will bislang nicht mit der Polizei sprechen.

Titelfoto: Polizei Lüneburg

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