Widerlich! Sexuelle Belästigung sorgt in "Nome di Donna" für einen Riesen-Eklat

Deutschland - Mobbing! Im italienischen Kinofilm "Nome di Donna" geht es um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und die daraus resultierenden Folgen für alle Beteiligten. Das Drama startet am 5. Dezember in den deutschen Kinos.

Die Verunsicherung ist Nina Martini (M., Cristiana Capotondi) nach dem Vorfall deutlich anzumerken. Vor allem dann, wenn sie auf ihren Peiniger trifft.
Die Verunsicherung ist Nina Martini (M., Cristiana Capotondi) nach dem Vorfall deutlich anzumerken. Vor allem dann, wenn sie auf ihren Peiniger trifft.  © PR/Arsenal Filmverleih

Im Mittelpunkt steht die seit einem Jahr arbeitslose Nina Martini (Cristiana Capotondi), die sich um einen Job auf dem Land am Institut Baratta, einem kirchlichen, luxuriösen Pflegeheim für ältere Menschen, bewirbt.

Pater Roberto Ferrari (Bebo Storti) stellt sie als Sommervertretung ein. Wenn sich Nina gut macht, ist auch eine langfristige Anstellung nicht ausgeschlossen, sagt er ihr. Danach rät er ihr zweideutig, sich doch bitte "zurechtzumachen".

Was das genau heißt, erfährt sie schnell, als Doktor und Direktor Marco Maria Torri (Valerio Binasco) sie eines Abends zu sich bittet und sich an Nina heranmacht.

Er versperrt Nina den Weg und zeigt ihr, dass "er einen Harten" hat. Ihr gelingt die Flucht, schockiert und mit Tränen in den Augen wirft sie den anderen Pflegerinnen vor, ihr nichts gesagt zu haben.

Sie erzählt ihrem Freund Luca (Stefano Scandaletti) von dem Vorfall, dann auch der Gewerkschafterin Sonia Talenti (Vanessa Scalera), die das Baratta seit langem im Visier hat.

Nina entscheidet sich, dass Institut zu verklagen - und wird daraufhin von den anderen Angestellten gemobbt. Auch ihre Tochter hat in der Schule zu leiden, weshalb die Situation immer mehr eskaliert...

Der preisgekrönte Regisseur Marco Tullio Giordana setzt eine wichtige und aktuelle Geschichte stark um

Nina Martini (Cristiana Capotondi) muss nach der sexuellen Belästigung noch viele weitere Dinge ertragen.
Nina Martini (Cristiana Capotondi) muss nach der sexuellen Belästigung noch viele weitere Dinge ertragen.  © PR/Arsenal Filmverleih

Diese wichtige und hochaktuelle Geschichte hat der dutzendfach preisgekrönte Regisseur Marco Tullio Giordana ("Die besten Jahre") überragend umgesetzt.

Dem erfahrenen Filmschaffenden ist eine echte Indie-Perle gelungen. Dank des exzellenten Drehbuchs und der klugen Dialoge fiebert man die gesamten 90 Minuten über mit und erlebt bewegende, aber auch heitere Momente, weil diese Ausgewogenheit dank der Storyführung und des Schnitts gegeben ist.

Auch die starken schauspielerischen Leistungen haben entscheidenden Anteil am hohen Niveau von "Nome di Donna".

Allen voran Capotondi, die all die unterschiedlichen Wesenszüge ihrer vielschichtigen Figur großartig einfängt und darstellt.

Sie ist das Herz des Dramas und trägt dieses auch in einigen schwierig zu meisternden Szenen auf hervorragende Art und Weise, weil sie ihrem Charakter erlaubt, Schwäche zu zeigen und daraus ihre Stärke zu ziehen - klasse!

Ihr in nichts nach steht Binasco, der seinen Protagonisten nach außen hin kultiviert darstellt. Doch wer hinter diese Fassade blicken kann, erkennt einen Menschen, der seine Machtposition gegenüber Frauen schamlos ausnutzt, weshalb ihn sogar seine eigene Tochter als "Arschloch" bezeichnet.

"Nome di Donna" ist ein entlarvender Blick auf die Rollenbilder der italienischen Gesellschaft

Nina Martini (Cristiana Capotondi) zeigt Schwäche und ist dennoch eine starke Frau, die sich gegen eine mächtige Institution auflehnt.
Nina Martini (Cristiana Capotondi) zeigt Schwäche und ist dennoch eine starke Frau, die sich gegen eine mächtige Institution auflehnt.  © PR/Arsenal Filmverleih

Binasco verkörpert die verschiedenen und durchaus schnell wechselnden Seiten seines Charakters brillant und beeindruckt mit seiner Performance.

Denn ihm gelingt auch der Balanceakt, seine Figur nicht zu einem Monster verkommen zu lassen, sondern ihn differenziert zu porträtieren.

Auch die anderen Schauspieler füllen ihre Rollen gekonnt aus. Dadurch und dank der fesselnden Erzählweise wird das Drama mit viel Leben gefüllt.

Auch die ruhige Kameraführung, die schönen Locations, die stimmige Musikuntermalung und vor allem die hervorragenden Kostüme tragen viel zur angemessenen Atmosphäre bei.

Dies wiederum führt in Verbindung mit einigen stilsicheren humoristischen Szenen trotz der harten Thematik dazu, dass die Zuschauer gut und kurzweilig unterhalten werden.

Besonders stark ist aber Giordanas entlarvender Blick auf die italienische Gesellschaft, in der veraltete Ansichten über die Rollenbilder von Frauen und Männern offenbar noch heute Alltag sind.

"Nome di Donna" behandelt viele universelle Fragen auf feinfühlige Art und Weise

Anhand des Beispiels von Nina Martini (Cristiana Capotondi) hält der Film der italienischen Gesellschaft den Spiegel vor.
Anhand des Beispiels von Nina Martini (Cristiana Capotondi) hält der Film der italienischen Gesellschaft den Spiegel vor.  © PR/Arsenal Filmverleih

Sexuelle Belästigung war früher "ein Kompliment", sagt sogar die Baratta-Bewohnerin Ines (Adriana Asti), die ansonsten aber Nina zur Seite steht und ihr hilft, wo sie nur kann.

Auch die Aussage von Sonia, dass man erst die Einstellung der Frauen gegenüber solchen Verbrechen bekämpfen müsse und dann die der Männer, lässt tief blicken und verleiht "Nome di Donna" große Aussagekraft und hohe Qualität.

Denn hier werden viele universelle Fragen gestellt und eloquent beantwortet. Es ist mitunter erschreckend, wie viele Menschen nicht erkennen, was sie anderen durch ihr Handeln antun.

So hat nicht nur Nina unter der Demütigung und den Anfeindungen zu kämpfen, sondern auch viele andere Figuren müssen mit Auswirkungen psychischer Verletzungen klarkommen.

All das inszeniert Giordana mit viel Feingefühl und beschönigt dennoch nichts. Stattdessen zeigt er auch auf, wie wenig sich in der Denkweise vieler Menschen selbst nach solchen Fällen, die an die Öffentlichkeit gelangen, ändert.

Deshalb ist "Nome di Donna" ein starkes Drama geworden, das nicht nur wichtige Themen behandelt, sondern diese auch noch erstklassig und hintergründig inszeniert, weshalb das Publikum zum Nachdenken angeregt wird. Dank der starken schauspielerischen Leistungen und der hervorragend aufgebauten Geschichte ist diese Filmperle ein echter Kinotipp!

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