Busfahrer missbrauchte behindertes Mädchen (12): Überraschende Verzögerung

Hamburg - Überraschende Verzögerung im Prozess um den sexuellen Missbrauch eines geistig behinderten Mädchens in Hamburg-Heimfeld: Anders als erwartet hat das Landgericht am Donnerstag kein Urteil gegen den Angeklagten gesprochen.

Der Fahrer missbrauchte das Mädchen auf einem Parkplatz. (Symbolbild)
Der Fahrer missbrauchte das Mädchen auf einem Parkplatz. (Symbolbild)  © 123RF

Man trete wieder in die Beweisaufnahme ein und wolle noch einen psychiatrischen Sachverständigen zur Frage der Schuldfähigkeit des 79-Jährigen hören, sagte der Vorsitzende Richter Heiko Hammann.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Mitarbeiter eines Schülerbeförderungsunternehmens vor, die Zwölfjährige am 27. November 2018 auf einem Waldparkplatz schwer sexuell missbraucht zu haben.

Der nicht vorbestrafte Mann hatte ein Geständnis abgelegt und ein Entschuldigungsschreiben an die Familie geschickt. Dem Mädchen zahlte er 10.000 Euro Schmerzensgeld.

Der Vorsitzende Richter erläuterte die Frage, warum das Gericht nicht früher einen Psychiater herangezogen habe. Erst jetzt hätten sich Hinweise auf Auffälligkeiten beim Angeklagten ergeben - beispielsweise als es bei der Aussage des Mannes im Prozess um Daten ging.

Zudem habe der alte Mann, der Diabetes habe und herzkrank sei, nach Aussage seines Verteidigers seinen Anwalt nicht erkannt. "Wir sind verpflichtet, das aufzuklären", betonte Hammann.

Der Prozess wurde vor dem Gericht in Hamburg verhandelt.
Der Prozess wurde vor dem Gericht in Hamburg verhandelt.  © DPA

Der Angeklagte stimmte zu, dass seine Ärzte von der Schweigepflicht entbunden werden. Er wolle aber nicht von einem Psychiater befragt werden, erklärte er. Die Richter lassen außerdem noch überprüfen, ob der Angeklagte den Parkplatz vor der Tat schon öfter angefahren hatte.

Ein 28-Jähriger, der mit seiner Freundin spazieren gehen wollte, war im Vorbeigehen auf das Geschehen in dem Kleinbus aufmerksam geworden. Er verständigte das Busunternehmen, dessen Name und Telefonnummer auf dem Fahrzeug standen. Die Geschäftsführerin des Unternehmens alarmierte die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Verfahren zwei Jahre und elf Monate für den 79-Jährigen gefordert. Bei einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren würde der früher als Beamter tätige Mann seine Pensionsansprüche verlieren.

Die Verteidigung forderte eine Bewährungsstrafe. Der Prozess soll am 17. April fortgesetzt werden.

Titelfoto: 123RF

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