Sexueller Missbrauch: Hat Pädagogenpaar hilfebedürftige Kinder jahrelang misshandelt?

Hildesheim - Ausgerechnet in einer Familienwohngruppe für hilfebedürftige Kinder sollen mehrere Mädchen sexuell missbraucht und misshandelt worden sein. Ein Pädagogenpaar aus Gifhorn sitzt wegen der Vorwürfe und Fluchtgefahr seit März in Untersuchungshaft.

Wohl größtenteils hinter verschlossenen Türen wird im Landgericht Hildesheim der Prozess gegen das Pädagogenpaar stattfinden.
Wohl größtenteils hinter verschlossenen Türen wird im Landgericht Hildesheim der Prozess gegen das Pädagogenpaar stattfinden.  © Holger Hollemann/dpa

Die Taten ereigneten sich laut Anklage bereits zwischen Mai 1998 und Juli 2007. Am Donnerstag (9.30 Uhr) beginnt am Landgericht Hildesheim der Prozess gegen den 56-Jährigen und seine 60 Jahre alte Ehefrau.

Große Teile der Verhandlung werden zum Schutz der Opfer voraussichtlich hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Dem früheren Betreuer der Gruppe wird sexueller Missbrauch in elf Fällen vorgeworfen, zweimal soll es sich dabei um schweren sexuellen Missbrauch gehandelt haben. Außerdem soll er vier Mal ihm anvertraute Mädchen misshandelt haben.

Der Ehefrau wird Misshandlung von Schutzbefohlenen in fünf Fällen zur Last gelegt. Mehrheitlich habe sie die Taten ihres Mannes gebilligt und sei nicht eingeschritten.

Im Tatzeitraum wurde die Familienwohngruppe unter dem Dach der Diakonischen Heime Kästorf betrieben. 2007 übernahm Life Concepts Kirchröder Turm die Trägerschaft. Eine ehemalige Bewohnerin stellte im Januar dieses Jahres Strafanzeige, daraufhin wurde die Gruppe aufgelöst und das Pädagogenpaar freigestellt.

Dagegen und gegen ihre spätere fristlose Kündigung wehren sich beide am Arbeitsgericht Braunschweig. Die Frau habe als Betreuerin der Wohngruppe weitermachen wollen, sagte der Sprecher von Kirchröder Turm, Roman Mölling.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Mann gegenüber den Ermittlern von "Re-Inszenierungen" zur Aufarbeitung früher erlebter Traumata gesprochen. Sein Verteidiger wollte sich gegenüber Medien nicht äußern. Laut Diakonie waren in der Familie teils Kinder mit traumatischen Erfahrungen untergebracht.

Die Fahnder stellten bei dem Paar Dokumente und Datenträger sicher. Es hatte seit rund 25 Jahren die Wohngruppe mit wechselnden Kindern geleitet.

"Uns lag zu keinem Zeitpunkt ein Hinweis auf Misshandlung oder sexuelle Gewalt vor", sagte die Sprecherin der für Kästorf zuständigen Dachstiftung Diakonie, Ingetraut Steffenhagen.

"Hätte es Hinweise gegeben, wären wir umgehend tätig geworden", so Steffenhagen weiter.

Bereits am Donnerstag beginnt der Prozess gegen das Pärchen am Landgericht in Hildesheim. Momentan sind beide in Untersuchungshaft. (Symbolbild).
Bereits am Donnerstag beginnt der Prozess gegen das Pärchen am Landgericht in Hildesheim. Momentan sind beide in Untersuchungshaft. (Symbolbild).  © Christophe Gateau/dpa

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