Dresden als Vorreiter. Das sagt Dynamo zum Dialog-Angebot des DFB

Dynamos Geschäftsführer Michael Born begrüßt das Angebot des DFB.
Dynamos Geschäftsführer Michael Born begrüßt das Angebot des DFB.  © Lutz Hentschel

Dresden - Im Streit um die zunehmenden Fan-Krawalle in deutschen Stadien hat der Deutsche Fußball-Bund einen großen Schritt auf die umstrittene Ultra-Bewegung zugemacht. Kollektivstrafen für Fußball-Fans, eines der großen Reizwörter in dieser aufgeheizten Debatte, soll es laut DFB-Präsident Reinhard Grindel zumindest vorerst nicht mehr geben.

"Bis auf Weiteres“ wolle man "keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder Geisterspielen mehr", sagte Grindel in einer veröffentlichten Erklärung seines Verbandes. Der DFB werde seinem Kontrollausschuss empfehlen, "bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist". (TAG24 berichtete)

Dynamo-Geschäftsführer Michael Born begrüßt den Vorstoß des DFB: "Wichtig ist, dass der DFB eine deutliche Botschaft aussendet: Man ist bereit, bestimmte Dinge grundlegend zu diskutieren und gegebenenfalls auch zu überdenken, unter anderem die Kollektivstrafen. Auch die ausdrückliche Würdigung der Vielfalt der aktiven Fanszenen und ihrer Beitrags zur Fußballkultur in den deutschen Stadien ist erfreulich und mehr als nur eine Geste“, sagt er.

Und er fügt an: "Wir bauen darauf, dass sie ein wichtiger Schritt auf dem weiteren Weg ist. Dieser kann nur über Gespräche zwischen Verbänden, Fans und Vereinen führen, über einen sachlichen, kritischen Austausch von Argumenten, geprägt von gegenseitigem Respekt. Es gilt, neues Vertrauen aufzubauen. Hier stehen alle Beteiligten in der Pflicht, ihren Teil beizutragen."

DFB-Präsident Reinhard Grindel geht auf die Fans zu, signalisiert Dialogbereitschaft.
DFB-Präsident Reinhard Grindel geht auf die Fans zu, signalisiert Dialogbereitschaft.  © DPA

Dresden und Dynamo spielen in dieser Hinsicht eine große, wenn nicht sogar die tragende Rolle in der Annäherung zwischen beiden Seiten. Der Auftritt der SGD-Fans im Mai in Karlsruhe war bis zu diesem Zeitpunkt die größtmögliche Provokation dieser Art. In Armee-Kleidung erklärten sie dem DFB den Krieg - ein martialischer Auftritt, der seine Wirkung in der Öffentlichkeit nicht verfehlte (TAG24 berichtete).

Seither schwappte eine Welle durch die deutschen Fußball-Stadien. "Scheiß DFB" und "Fußballmafia DFB" gehören seither fast zum Alltag bei Fußballspielen. Ziel des Ganzen: Die Fans wollen ihren Fußball zurück, ganz ohne aufgeblasenen Eventcharakter. Zurück zu den Wurzeln, weg von zu viel Kommerz.

In Dresden trafen sich auf Einladung der Dynamo-Ultras Ende Juli 50 Ultra-Gruppen zusammen mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Unter anderem kamen sie aus Rostock, Magdeburg und Dortmund. Das wäre vor einem Jahr noch undenkbar gewesen.

Fan-Gruppen, die sich hassen, ziehen nun der gemeinsamen Sache wegen an einem Strang. Am Wochenende wurde auf 30 von 32 Plätzen im DFB-Pokal protestiert. Und das war am Ende so laut und so viel, dass der DFB (endlich) bereit ist, den Dialog zu suchen.

Der Auftritt der Dynamofans in Karlsruhe stellte zum damaligen Zeitpunkt die größtmögliche Provokation gegen den DFB dar.
Der Auftritt der Dynamofans in Karlsruhe stellte zum damaligen Zeitpunkt die größtmögliche Provokation gegen den DFB dar.  © DPA

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