Sie sind wieder da! Goebbels und Heß auf dem Europa-Wahlschein

Brüssel - Am Sonntag keinen Schreck bekommen! Auf dem Wahlschein zur Europawahl tauchen Namen auf, die zuletzt vor 80 Jahren in Deutschland Politik gemacht haben.

Martin Sonneborn (li) und Nico Semsrott (re).
Martin Sonneborn (li) und Nico Semsrott (re).  © Wolfgang Kumm / dpa

Wer die Briefwahl beantragt hat, der durfte schon vorab in Ruhe studieren, was für Kandidaten auf dem Wahlschein stehen. Und auch wenn man einen großen Teil der Politiker nicht kennt, so fallen doch einige Namen besonders auf.

41 Parteien sind in Deutschland für die Europawahl zugelassen, jede dieser Parteien hat zehn Kandidaten auf dem Wahlschein. Klingt erstmal kompliziert, ist aber ganz einfach. Denn bei der Europawahl braucht es nur ein einziges Kreuz, das man bei der Partei macht, die man wählen möchte.

Schaut man sich die zehn Kandidaten der Satirepartei "Die Partei" an, wird es schräg. Platz 1 und 2 sind noch bekannt, da stehen Martin Sonneborn und Nico Semsrott, beide relativ bekannt. Martin Sonneborn (53) sitzt schon seit 2014 im Europaparlament, ist der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic". Kabarettist Nico Semsrott (33) ist vielen bekannt aus der Heute-Show mit Oliver Welke (ZDF), in der er unregelmäßig seine berühmt-berüchtigten Powerpoint-Präsentationen zu aktuellen politischen Inhalten vorträgt. Informativ, depressiv, satirisch.

Doch die anderen Kandidaten der "Partei" haben es in sich: Sie heißen: Lisa Bombe, Bennet Krieg, Kevin Göbbels, Tobias Speer, Elisabeth S. Bormann, Dietrich F. Eichmann, Andreas Keitel und Fabian Heß. Viele Namen erinnern an Nazis aus der Zeit des 3. Reichs.

Kevin Göbbels trägt etwa den Nachnamen des damaligen Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels. Albert Speer war im 3. Reich der Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Martin Bormann war Reichskanzlei-Leiter. Rudolf Heß war Hitlers Stellvertreter.

Gibt es Kevin Göbbels wirklich?

Der Wahlschein zur Europawahl trägt Namen wir Göbbels und Heß.
Der Wahlschein zur Europawahl trägt Namen wir Göbbels und Heß.  © DiePartei

Darüber spekulierten die Fans der "Partei" schon seit Bekanntgabe der Kandidaten. Tatsächlich gibt es in diversen SocialMedia-Plattformen Profile mit dem Namen Kevin Göbbels. Auch bei Abgeordnetenwatch ist bereits ein Profil angelegt. Trotzdem kann man wohl davon ausgehen, dass es sich wohl um Künstlernamen handelt, die extra für den Wahlkampf angelegt wurden. Dass die Partei mit mehr als zwei Kandidaten in das EU-Parlament einzieht, gilt ohnehin als unwahrscheinlich.

Wozu der Unsinn? Eine Frage, die man bei einer Satirepartei nur unter Vorbehalt stellen sollte. Aber die Namen sollen offensichtlich Neonazis dazu bewegen, für die Partei zu stimmen.

Sonneborn sagte, Ziel sei es, Stimmen abzufangen und unter anderem in Sachsen stärkste Partei zu werden. “Den Brüdern, die in Köthen ‘Nationalsozialismus! Jetzt!’ skandiert haben, empfehle ich dringend ihr Kreuz unter Bombe, Krieg, Göbbels und Heß zu machen”, so Sonneborn weiter. “Sobald wir an der Macht sind, stecken wir euch in ein hübsches Lager. Hitlerbärtchen-Smiley.”

Eventuell könnte man auch „verwirrte CSU-Wähler“ oder „demente CDU-Wähler“ zu einem Kreuz bei der „Partei“ verleiten, scherzte Sonneborn. Immerhin traue man sich zu, bei der Wahl am 26. Mai in Deutschland zwei Prozent der Stimmen zu holen.

Zur Europawahl 2014 hatte Sonneborn für "Die Partei" 0,6 Prozent der Stimmen geholt und damit einen Sitz im EU-Parlament bekommen.