Teenager (15) soll Mitschüler erwürgt haben, "bis Blut aus Mund und Nase austrat"

Wenden/Siegen – In Siegen hat der Prozess gegen einen Teenager begonnen, der vor knapp sechs Monaten einen Mitschüler mit bloßen Händen erwürgt haben soll.

Verteidiger Martin Kretschmer (l) spricht am Donnerstag vor Beginn des Prozesses in Siegen mit Journalisten.
Verteidiger Martin Kretschmer (l) spricht am Donnerstag vor Beginn des Prozesses in Siegen mit Journalisten.  © DPA

Der damals 14-Jährige hatte die Tat gestanden und gesagt, er habe sich zu dem Älteren eine Beziehung gewünscht. Der 16-Jährige habe aber seine Gefühle nicht erwidert und ihn zurückgewiesen (TAG24 berichtete).

Dem Angeklagten wird Totschlag vorgeworfen. Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor der Jugendkammer des Siegener Landgerichts statt.

Verteidiger Martin Kretschmer sagte im Vorfeld, sein Mandant bleibe bei seinem Geständnis. Der inzwischen 15-jährige Deutsche sitzt in Untersuchungshaft.

Die Tat im sauerländischen Wenden ereignete sich laut Anklage am 30. Oktober 2018 während der Unterrichtszeit. Beide Gesamtschüler schwänzten. Es soll ein Gespräch über die Zuneigung des Jüngeren für den Älteren gegeben haben.

In einem an das Schulgelände angrenzenden Waldgrundstück sei es zu einem Streit gekommen, der eskalierte. Der Ältere soll schmächtig gewesen sein, dem Jüngeren körperlich unterlegen. Seine Leiche wurde einen Tag später gefunden (TAG24 berichtete)

Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die Eltern des Getöteten treten in dem am Donnerstag begonnenen Prozess als Nebenkläger auf.

Update, 14.43 Uhr: Angeklagter gesteht die Tat

Die Skulptur eines gebrochenen Herzens steht vor vor dem Schulzentrum in Wenden.
Die Skulptur eines gebrochenen Herzens steht vor vor dem Schulzentrum in Wenden.  © DPA

Am Donnerstag begann nun der Totschlagsprozess mit einem Geständnis des Angeklagten.

Sein Mandant habe schon zuvor eingeräumt, für den Tod des 16-Jährigen verantwortlich zu sein, sagte sein Verteidiger Martin Kretschmer vor Journalisten. "Das ist heute so geblieben". Das ungewöhnliche Verfahren startete vor der Jugendkammer des Gerichts unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Zunächst wurde die Anklage verlesen. T. hatte der Anklageschrift zufolge schon mit 13 Jahren seine homosexuelle Neigung offenbart. Er sei verliebt gewesen in den Älteren. Die beiden waren trotz des Altersunterschieds in einer Jahrgangsstufe, besuchten einige AGs zusammen.

Am Tag der Tat habe der 14-Jährige auf sexuelle Handlungen gehofft. Der 16-Jährige erwiderte die Gefühle des Jüngeren aber nicht, es kam zum Streit. Der Jüngere reagierte mit Gewalt auf die Zurückweisung. Er würgte seinen Mitschüler laut Anklage, "bis Blut aus Mund und Nase austrat", das Gesicht des Jugendlichen lief blau an.

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der inzwischen 15-jährige Deutsche nicht. Sein Verteidiger verlas eine Erklärung, die sein Mandant aber selber formuliert habe. T. sei "einigermaßen gefasst" vor die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst getreten.

Tatverdächtiger war erst 14

Kerzen und Engelfiguren stehen am Schulzentrum unweit des Tatorts in Wenden (Archivbild).
Kerzen und Engelfiguren stehen am Schulzentrum unweit des Tatorts in Wenden (Archivbild).

Kretschmer beschrieb ihn als "einen sehr, sehr jungen Angeklagten, der sich jetzt einem gewaltigen Justizapparat gegenübersieht".

Er müsse "die Tat und alles, was damit in Zusammenhang steht", nach knapp sechs Monaten erst noch verarbeiten. "Das ist sehr schwer für ihn und sicherlich für die anderen Verfahrensbeteiligten auch."

Die Eltern des Opfers sind Nebenkläger, sie kamen am Donnerstag nicht nach Siegen. Ihr Anwalt machte zu Prozessbeginn keine Angaben.

Konnte der Teenager das Unrecht einer solchen Tat einsehen? Ein von der Staatsanwaltschaft angefordertes Gutachten sagt Ja. Es handele sich um einen Jugendlichen "mit Verantwortungsreife". Auch das Gericht hat zu der Frage einen Gutachter bestellt, wie Sprecher Sebastian Merk sagte.

Außerdem seien rund 30 Zeugen vorgesehen, darunter auch die Eltern des Opfers, Schüler, Lehrer. Ob es erforderlich sei, alle Zeugen tatsächlich zu befragen, sei offen, meinte Kretschmer mit Blick auf das Geständnis seines Mandanten.

Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Nach weiteren vier Verhandlungen soll das Urteil schon am 11. Juni fallen.

Der Prozess findet vor dem Siegener Landgericht statt.
Der Prozess findet vor dem Siegener Landgericht statt.  © DPA

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