Siegfried & Roy heute - wie ein Tag alles veränderte

Deutschland - Der Aufstieg der Stadt inmitten der Wüste von Nevada ist beispiellos. Keine andere Stadt der Welt ist Sinnbild für Sünde und Vergnügen zugleich.

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Das Magier-Duo Siegfried und Roy war entscheidend mit am rasanten Aufstieg Las Vegas' als Glücksspiel- und Vergnügungs-Metropole beteiligt, denn die Zaubershow der beiden gebürtigen Deutschen war die meistbesuchte Show in Las Vegas und brachte dem Hotel Mirage insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Dollar ein.

Auch andere bekannte Magier wie die Ehrlich Brothers, die in Deutschland sehr erfolgreich sind, werden mit zunehmendem internationalem Erfolg sofort mit Las Vegas in Verbindung gebracht, denn nirgendwo sonst auf der Welt gibt es solch spektakuläre Shows, wie in der Metropole der Glitzerstadt in der Wüste Nevadas, sodass es erfolgreiche Showkünstler früher oder später für sich entdecken. Allerdings sagen die Ehrlich Brothers, dass es sie bisher nicht nach Las Vegas zieht. Die Erfolgsgeschichte von Siegfried und Roy ist bis heute absolut beispiellos.

Die Karriere von Siegfried und Roy

Der große Durchbruch begann im Jahr 1988, als die beiden Hauptakteure des Duos, Siegfried Fischbacher (heute 78) und Roy Horn (heute 72) einen mit 57,5 Millionen Dollar dotierten 5-Jahres-Vertrag beim Mirage Hotel in Las Vegas unterzeichneten. Damals war es der höchstdotierte Vertrag in der Geschichte des Live-Entertainments. Nach Fertigstellung des Hotels fand die erste Show im Jahr 1990 statt.

Die Magier hielten in Las Vegas Tausende Shows ab und insbesondere die Faszination und die Showeinlagen rund um die weißen Tiger begeisterten das Publikum. Ironischerweise ist es auch ein Tier, das die Karriere der beiden Magier von heute auf morgen beendete, als einer der Tiger (Montecore) Horn bei einer Showeinlage im Jahr 2003 auf tragische Weise angriff und schwer verletzte. Mehrere Reanimationen waren notwendig, um das Leben des Magiers zu retten. Wobei die Aussage "Karriereende" nicht ganz zutrifft, denn einige Jahre später - im Oktober 2009 - gaben die beiden ihre offizielle (wortlose) Abschluss-Show, gemeinsam mit dem Tiger, der den Magier so schwer verletzt und fast getötet hatte.

Der Tag, der alles überschattete

Wenn man sich heute die damalige Schlagzeile und den zum schweren Unfall gehörigen Originalartikel aus dem Jahr 2013 auf Spiegel Online durchliest, liest es sich fast wie ein Krimi. Die Ärzte kämpften am 5. Oktober 2003 um das Leben von Roy Horn, belebten ihn mehrere Male wieder und niemand wusste, ob der Magier jemals wieder aufwachen würde.

Das Unglück selbst ereignete sich Berichten von Augenzeugen zufolge nicht ganz ohne Vorankündigung. So bemerkten Zuschauer in der ersten Reihe, dass das Tier unruhig gewesen war, fauchte und sich nicht zu 100% an die Anweisungen des Dompteurs Roy hielt. Dieser musste dem Tier sogar während der Show einen Hieb mit dem Mikrofon geben, um klar zu machen wer die - vermeintliche - Autorität ist. Als der Tiger schließlich zubiss und den Magier von der Bühne zerrte, zeigte sich jedoch eindrucksvoll, dass die Rollenverteilung eben doch nicht so klar war, auch wenn Roy heute sagt, der 640 Pfund schwere Tiger habe ihn nur beschützen wollen und es habe sich keinesfalls um einen Angriff gehalten, denn andernfalls wäre er heute nicht mehr am Leben. In 30 Jahren Showgeschäft hatte es zuvor einen solchen Unfall nie gegeben. Tragischerweise fand die Show genau am Abend seines 59. Geburtstags statt.

Wie leben die beiden Stars heute in Las Vegas?

Las Vegas ist die Wahlheimat der beiden gebürtigen Deutschen, die auch heute noch dort leben. Der tragische Unfall ist nun rund 15 Jahre her und überschattet dennoch das Leben der beiden. Natürlich nicht zuletzt auch aufgrund der deutlichen Spuren, die der Unfall hinterlassen hat. Roy kämpfte jahrelang mit schweren Depressionen und auch die schweren Gehirnverletzungen beeinträchtigen das Leben des Magiers auch Jahre später noch. Der 72-jährige hat stark zugenommen und sich komplett zurückgezogen. Nur selten sieht man ihn in der Öffentlichkeit.

Die Liebe zum Tier

Die Liebe zu den Tieren hat sich auch nach der Tragödie nicht gelegt. Nie verlor einer der Magier ein böses Wort über den Tiger und auch nach der Attacke betrieben die beiden ihre Tigerzucht noch weiter. Der gemeinsame Auftritt im Jahr 2009 mit dem Tiger, der für das Unglück verantwortlich war, sollte diese Einstellung verdeutlichen und jedem klar machen, wie stark die Bindung der Magier zu ihren Tieren war.

Las Vegas Shows heute

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Das Unglück selbst hatte in sofern Auswirkungen auf das Showgeschäft im Allgemeinen, als dass es bis heute keine vergleichbare Show gegeben hat. Schlagartig wurde jedem wieder vor Augen geführt, dass der Umgang mit wilden Raubtieren nicht ihrer Natur entspricht und Handlungen der Tiere nie vorhergesehen werden können.

Aber auch heute haben die schillernden Shows nichts an ihrer Faszination eingebüßt. So ranken sich nach wie vor viele Mythen um Las Vegas Glücksspiel, einige davon sind geradezu abergläubisch, wie etwa dass man durch angewärmte Münzen oder Chips seine Chancen erhöhen könne. Die großen Shows sind auch heute regelmäßig komplett ausverkauft und so gut besucht, wie nirgendwo sonst auf der Welt. Kein Wunder, schließlich strömen jährlich mehr und mehr Besucher in die Metropole. Im Jahr 2016 besuchten rund 40 Millionen Touristen die Stadt. Die Hotelpreise steigen jährlich drastisch an und die großen Casinos und Hotels überbieten sich mit Megashows und Attraktionen, um ständig neue Besucher anzulocken.

Zukunft von Las Vegas

Es ist nicht davon auszugehen, dass der Boom der Megametropole abbrechen wird. 2019 wird mit dem neuen Resort World Las Vegas ein Megahotel mit 3.500 Zimmern eröffnet, das den enormen Bedarf an Hotelbetten decken soll. Mit der Eröffnung des Hotels ist gleichzeitig damit zu rechnen, dass die Zimmerpreise nach unten gehen werden, was wiederum mehr Besucher anlocken könnte.

Wir sind gespannt, welche Showattraktionen die nächsten Jahre bringen werden und wie sich der Tourismus in der Stadt entwickeln wird. Derzeit sieht es so aus, als reiße der Trend nach oben nicht ab.