SPD streitet über Sigmar Gabriels PEGIDA-Besuch

Nach der Veranstaltung kam der Vize-Kanzler mit den Leuten ins Gespräch.
Nach der Veranstaltung kam der Vize-Kanzler mit den Leuten ins Gespräch.

Dresden - Der SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel hat am Freitagabend völlig überraschend an einer Diskussionsveranstaltung mit Pegida-Anhängern in Dresden teilgenommen.

Zu der Gesprächsrunde hatte die Landeszentrale für politische Bildung eingeladen. Gabriel sagte, er sei als Privatmann gekommen um zuzuhören.

An der öffentlichen Diskussion beteiligte sich Gabriel zunächst nicht. "Ich wollte mich nicht melden, weil ich kein Dresdner bin. Ich wollte nur mal zuhören", sagte er.

Interessant wurde es nach Ende des offiziellen Teils. Im Foyer kam Gabriel mit den Besuchern ins Gespräch.

"Ich unterstelle jetzt mal, dass Sie Recht haben - lassen Sie uns reden", machte er den Auftakt zu einer knapp eine Stunden langen Dikussionsrunde.

Gabriel im Gespräch mit Prof. Wolfgang Donsbach.
Gabriel im Gespräch mit Prof. Wolfgang Donsbach.

Mit einem Islamisierungskritiker ging er eine Wette ein. Der behauptete im Gespräch mit ihm, dass die islamischen Vereine in Berlin durchgesetzt hätten, dass alle Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umbenannt würden.

Gabriel wettete um ein Bier, dass das nicht stimmt: "Ich trinke ein großes Bier, da seien Sie sicher", sagte er.

Gabriel betonte: "Ich würde jetzt auch nicht mit Organisatoren reden, die im Neo-Nazi-Raum stehen. Aber mit den Menschen, die dort hingehen, die Sorgen haben, und die verärgert sind über die Politik, natürlich muss man mit denen reden."

"Was gibt es in der Demokratie anderes an Mitteln, als miteinander zu reden", sagte er.

Der Wirtschaftsminister war von dem Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, eingeladen worden.

Nach der Veranstaltung hagelte es Kritik aus der SPD.

"Ich bin dagegen, mit Leuten zu reden, die Menschen verweigern wollen, bei uns Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger zu suchen. Bei solch einer Haltung fehlt mir die Gesprächsgrundlage", sagte die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann der "Welt" und zeigte damit, dass sie das PEGIDA-Positionspapier offenbar nicht kennt.

Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann sagte der "Welt": "Statt der Sichtweise der ,besorgten Bürger' von Pegida, muss endlich die von Geflüchteten im Mittelpunkt stehen."

Unterstützung bekam Gabriel vom früheren Fraktionssprecher Ernst Dieter Rossmann. "Ich unterstütze Sigmar Gabriel voll und ganz", sagte Rossmann.

"Neonazis, Rassisten und Verfassungsfeinde sind keine Gesprächspartner. Bei allen anderen gehört die SPD ins Zentrum von jedem Streit für Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung."

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Fotos: dpa, Landeszentrale für politische Bildung


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