38.000 Pistolen illegal geliefert: Ehemalige Sig-Sauer-Chefs vor Gericht

Kiel/Eckernförde - Wegen mutmaßlich illegaler Pistolenlieferungen über die USA nach Kolumbien müssen sich drei ehemalige Manager der Firmengruppe Sig Sauer ab dem 26. Februar vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Auf einer Waffenmesse präsentiert der Hersteller Sig Sauer seine Pistolen. Wegen illegaler Ausfuhr von Sig-Sauer-Waffen stehen nun drei Manager vor Gericht.
Auf einer Waffenmesse präsentiert der Hersteller Sig Sauer seine Pistolen. Wegen illegaler Ausfuhr von Sig-Sauer-Waffen stehen nun drei Manager vor Gericht.  © dpa/Daniel Karmann

Unter den Angeklagten ist auch ein Geschäftsführer der US-Schwester des Waffenherstellers aus Eckernförde. Den Managern drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen.

"Die Kammer geht davon aus, dass alle drei Angeklagten zum Verhandlungsauftakt erscheinen", sagte Gerichtssprecherin Rebekka Kleine.

Der Prozess wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Ein Urteil könnte in dem Verfahren Ende Juni fallen.

Das umstrittene Waffengeschäft liegt einige Jahre zurück. Laut Anklage sollen die drei Manager beziehungsweise Ausfuhrverantwortlichen für die Lieferung von mehr als 47.000 Pistolen vom Typ SP 2022 aus Deutschland in die USA zwischen April 2009 und April 2011 verantwortlich sein.

Von diesen Waffen wurden in der Folge mehr als 38.000 nach Kolumbien weiterveräußert.

Nach Angaben des Gerichts schlossen die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erteilten Genehmigungen eine weitere Ausfuhr nach Kolumbien aus. Die Pistolen sollen einen Verkaufswert von insgesamt mehr als 16 Millionen US-Dollar (gut 14 Millionen Euro) haben.

Die Zentrale der Waffenfirma Sig Sauer steht in Eckernförde.
Die Zentrale der Waffenfirma Sig Sauer steht in Eckernförde.  © dpa/Carsten Rehder

Die Kammer bewertete die Geschäfte als unerlaubte Ausfuhr von Gütern in 99 Fällen. Die gelieferten Pistolen werden heute von der kolumbianischen Nationalpolizei eingesetzt.

Der Anwalt von Sig Sauer Eckernförde weist die Anschuldigungen zurück. "Diese Ausfuhr war genehmigungsfähig", sagte Gerald Goecke der Deutschen Presse-Agentur. Es habe sich nicht um ein Umgehungsgeschäft gehandelt.

Die Waffen seien für einen Auftrag der Regierung des damaligen US-Präsidenten Barrack Obama bestimmt gewesen. Das Programm der US-Administration habe der Bekämpfung von Kolumbien ausgehender Drogenkriminalität gedient.

Einer entsprechenden Bitte hätte sich die Bundesregierung "sicher nicht versagt".

Ursprünglich hatte die Kieler Staatsanwaltschaft in dem Fall fünf Verantwortliche des Waffenherstellers angeklagt. Gegen zwei wurde das Verfahren abgetrennt und die Anklage gegen sie vom Gericht nicht zugelassen.

Der Geschäftsführer des US-Schwesterunternehmens des deutschen Waffenherstellers Sig Sauer war im Oktober in Deutschland verhaftet worden. Er wurde seinerzeit gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro nach zwei Wochen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen.

In die Schlagzeilen geraten war Sig Sauer in den vergangenen Jahren auch durch umstrittene Waffenlieferungen nach Kasachstan und in den Irak.

Titelfoto: dpa/Daniel Karmann