Lasst es "richtig" krachen, sonst sind Hände und Füße weg!

Von Anke Brod

Leipzig - Finger weg, sonst Finger ab! Die Silvesterknallerei steht bevor. Vorsicht aber bei illegalen oder unsachgemäß gezündeten Böllern! Fliegen sie Euch plötzlich unkontrolliert um die Ohren, kann es heftige Verletzungen geben.

"Boah, der ganze Schuh ist weg": Was bei einer Böller-Explosion schiefgehen kann, wurde am "Tag des brandverletzten Kindes" gezeigt.
"Boah, der ganze Schuh ist weg": Was bei einer Böller-Explosion schiefgehen kann, wurde am "Tag des brandverletzten Kindes" gezeigt.  © Anke Brod

Wie Gliedmaßen durch diese Wucht regelrecht zerfetzt werden können, demonstrierte zum bundesweiten "Tag des brandverletzten Kindes" die Poliklinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums (UKL) Leipzig. Eingeladen waren Schüler der Klassenstufen Acht und Nein.

Die beiden professionellen Pyrotechniker Thomas Fechteler (55) Katrin Beyer-Schwarz (45) aus Rositz bei Altenburg jagten Schweinepfoten und Schuhe in die Luft. Später übten sich die Schüler mit "Sanis" vom ASG-Rettungsdienst in Erster Hilfe.

"Die ist ja fast durch!", oder: "Boah, der ganze Schuh ist weg!" Schocksätze wie diese vermischten sich zur Vorführung auf dem UKL-Gelände direkt nach dem Zünden fast zeitgleich mit Knall und Rauch eines in Tschechien produzierten Donnerböllers, inklusive Druckwelle. Die von Schwarzpulver durchzogene Schweinepfote war schließlich bis tief in Sehnen und Knochen hinein zerfetzt - eine lange, tiefe Wunde klaffte im rohen Fleisch.

Ein ähnlich schweres Trauma hatte 2016 der Leipziger Schüler Nico (heute 14) erlitten, wie während der Veranstaltung berichtet wurde. Am Neujahrsmorgen stöberte er mit seinem kleinen Bruder auf der Straße nach Böllerresten. Die Jungs wurden fündig und wollten das Teil in Ruhe hinter einem Busch zünden. Dies geschah schneller als erwartet: Der spätere Notfallpatient trat mit dem Fuß auf den Knaller, und der ging sofort los.

"An der Ferse klaffte eine riesige Wunde, sein Sprunggelenk wies Frakturen auf", erinnert sich Pfleger Alex Rost (29). Er und der leitende UKL-Kinderchirurg Professor Ulf Bühlingen hatten den so schwer verletzten Jungen seinerzeit über Monate hinweg betreut, mehrere Operationen waren bis zu seiner Genesung fällig. "Heute kann er den Fuß zum Glück wieder gut bewegen", freut sich Rost.

"La Bomba": Schwerste Verbrennungen, Knochenbrüche und Infektionen

Dieter Kermis demonstriert, was bei der Explosion einer Spraydose passiert.
Dieter Kermis demonstriert, was bei der Explosion einer Spraydose passiert.  © Anke Brod

Die Namen der illegalen Knallkörper klingen wahrhaft bombastisch: "Crazy Robot, La Bomba, Atomic, Spanish Bomb".

Doch sie haben es in sich, wie die Schweinepfoten und komplett zersprengten Schuhe am UKL-Vorführungstag bewiesen. "Schweinepfoten eignen sich als Demonstrationsobjekt, weil ihre Gewebestruktur der eines menschlichen Unterarms sehr ähnlich ist", erläuterte Beyer-Schwarz.

Sie rät, Silvesterfeuerwerkskörper im offiziellen Handel und nur hierzulande zugelassene Produkte zu kaufen. Alles andere sei unkalkulierbar. "Es sind nicht nur die Hitze und der Druck, sondern auch die Pulverbestandteile, die in die Haut und ins Gewebe dringen und neben schwersten Verbrennungen und Knochenbrüchen auch Infektionen verursachen können", mahnt zudem Ulf Bühlingen.

Ebenfalls von der Partie war am UKL-Vorführungstag die Leipziger Berufsfeuerwehr. Hauptbrandmeister Dieter Kermes (60) zeigte den Versammelten, wie gefährlich etwa im Haushalt unvollständig entleerte Spraydosen sein können. Ein Ceranfeld in der Nähe reiche aus, um zu einer folgenreichen Explosion mit anschließendem Wohnungsbrand zu führen, warnte der Fachmann.

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