Jenseits vom MHD: Supermarkt gibt abgelaufenen Lebensmitteln eine zweite Chance

„Wir haben den Bezug zu Lebensmitteln verloren“, sagt Supermarkt-Gründer Raphael Fellmer.
„Wir haben den Bezug zu Lebensmitteln verloren“, sagt Supermarkt-Gründer Raphael Fellmer.  © dpa (Symbolbild)

Berlin - Nur weil Lebensmittel das MHD passiert haben, heißt es noch lange nicht, dass sie ungenießbar und ein Fall für die Tonne sind. Mit "SirPlus" beweisen drei ambitionierte Unternehmer das Gegenteil. Das Konzept: Ein Supermarkt voll mit abgelaufenen Produkten und das für einen Spottpreis, wie B.Z. berichtet.

Hierzulande finden elf Millionen Lebensmittel pro Jahr den Weg in den Müll. Zu viel sagten sich Raphael Fellmer (34), Alexander Piutti (49) und Martin Schott (28), die in Berlin ihren ersten Supermarkt für Zweite-Klasse-Lebensmittel am Freitag eröffneten.

Das "SirPlus" in Charlottenburg glänzt nicht mit Premium-Produkten, sondern mit krummen Möhren, schrumpeligen Kartoffeln oder seit drei Monaten abgelaufenen Apfelsaft. "Jedes Lebensmittel hat es verdient, gegessen zu werden. Und es soll hip, cool und sexy sein, Lebensmittel zu retten", meint Fellmer.

Angst vor einer Lebensmittelvergiftung muss man als Kunde nicht haben. (Symbolbild)
Angst vor einer Lebensmittelvergiftung muss man als Kunde nicht haben. (Symbolbild)  © dpa (Symbolbild)

Das Start-up gründeten die Drei im Februar, im Frühjahr folgte eine Crowdfunding-Kampagne bei der über 90.000 Euro zusammenkamen, wie TAG24 berichtete. Was fehlte war der passende Ort, den sie schließlich in der Wilmersdorfer Straße 59 fanden.

Die Lebensmittel beziehen sie dabei von Supermärkten wie Metro, aber auch Landwirten und Logistikunternehmen. Mit Preisvorteilen von bis zu 70 Prozent kann ohne Sorgen eingekauft werden, denn eine Expertin für Lebensmittelhygiene überprüft die Produkte vor dem Verkauf.

Konkurrenz zur Berliner Tafel sieht Fellmer nicht. "Wir nehmen niemandem etwas weg", betont er und verweist darauf, die Tafeln nach wie vor bevorzugt werden. Zudem spenden sie ebenfalls 20 Prozent der Lebensmittel an gemeinnützige Initiativen.

Sollte das System aufgehen, wollen die Gründer in Berlin und Deutschland expandieren.

Titelfoto: dpa (Symbolbild)


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