Klage gegen Sixt! GDL-Boss Weselsky sagt Autovermieter den Kampf an

Dresden - Auf diesen Titel hätte er gern verzichtet! Als Claus Weselsky (59), der mächtige Gewerkschaftsboss der Lokführer, mit kompromisslosen Streiks halb Deutschland lahmlegte, nutzte das Autovermieter "Sixt" provokant aus: Wiederholt kürte das Unternehmen den Sachsen zum "Mitarbeiter des Monats". Dagegen klagt er vor Gericht.

Werbe-Coup: So nahm Autovermieter "Sixt" 2014 Claus Weselsky aufs Korn.
Werbe-Coup: So nahm Autovermieter "Sixt" 2014 Claus Weselsky aufs Korn.  © SIXT

Noch immer ist Weselsky Ober-Boss der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL, 34 000 Mitglieder). 2014 und 2015 beherrschte er wochenlang die Schlagzeilen. Mit tagelangen Streiks sorgte er für Chaos: Millionen Deutsche blieben damals unverschuldet an den Bahnhöfen sitzen.

Bei "Sixt" klingelten dagegen die Kassen. Vor allem, nachdem der bayrische Autovermieter 2014 eine Anzeige in der "Süddeutschen Zeitung" mit einem Foto Weselskys schaltete und dazu schrieb:

"Unser Mitarbeiter des Monats. Günstige Mietwagen an allen Bahnhöfen und unter sixt.de." 2015 gratulierte "Sixt" in einem weiteren Werbe-Motiv ("Schon wieder Mitarbeiter des Monats") Weselsky zur "erfolgreichen Titelverteidigung".

"Es muss aus meiner Sicht Grenzen geben, was man mit Menschen tut", sagte Weselsky den Richtern am Oberlandesgericht.

Der Sachse klagt bereits in zweiter Instanz gegen "Sixt", erschien im feinen Anzug am Oberlandesgericht in Dresden.
Der Sachse klagt bereits in zweiter Instanz gegen "Sixt", erschien im feinen Anzug am Oberlandesgericht in Dresden.  © Ove Landgraf

Als Gesicht der GDL habe er Botschaften überbracht. Sixt habe ihn als "Werbeträger" ausgenutzt. Daraus zusätzlichen finanziellen Nutzen zu ziehen, sei eine "Perversion".

Um solche Werbe-Anzeigen künftig nicht mehr fürchten zu müssen (laut seinem Anwalt seien bis 60 potentielle Arbeitskämpfe bis 2022 möglich), pocht Weselsky auf "Unterlassung", dazu auf Lizenzgebühren von 100 000 Euro. "Es geht darum, dass wir auch die Streikkassen der GDL wieder auffüllen", so Weselsky. Die massiven Streiks der vergangenen Jahre hätten einige Millionen Euro gekostet.

Der Sixt-Anwalt verteidigte die Anzeige: Mit satirischer Überhöhung werde die Auswirkung von Weselskys Handeln als GDL-Vorsitzender auf die Öffentlichkeit thematisiert. Diese Art von Kritik müsse er sich gefallen lassen. Richter Markus Schlüter (50) kündigte an, dass Weselsky, der schon in erster Instanz verlor, schlechte Karten habe. Die Entscheidung folgt Dienstag.

Übrigens: Der Autovermieter nahm bereits erfolgreich andere Promis aufs Korn: 2001 die damalige CDU-Chefin Angela Merkel mit Sturmfrisur. 2016 war der damalige AfD-Vize Alexander Gauland nach dessen Boateng-Zitat abgebildet. Und auch Oskar Lafontaine zählte nach seinem Rücktritt 1999 zu den "Sixt"-Opfern, scheiterte mit einer Schadenersatzklage.


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