Skateboard und Parcours: Was geht denn in diesem Jugendknast ab?

Ein Trainer der Gorilla Deutschland gGmbH (grünes Shirt) zeigt Häftlingen Übungen am Longboard. Die jungen Strafgefangenen hatten sich in einem Wettbewerb und den Freestyle-Workshop beworben und gewonnen.
Ein Trainer der Gorilla Deutschland gGmbH (grünes Shirt) zeigt Häftlingen Übungen am Longboard. Die jungen Strafgefangenen hatten sich in einem Wettbewerb und den Freestyle-Workshop beworben und gewonnen.  © DPA

Regis-Breitingen - Im Jugendknast in Regis-Breitingen klappern Skateboards, Frisbees flattern durch die Luft. Das ist kein Alltag - und Neuland für alle Beteiligten.

Auf einer sonnigen Wiese in der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) Regis-Breitingen bei Leipzig übt Omar (20) den Absprung. Immer wieder nimmt der junge Häftling Anlauf, um einen perfekten Vorwärtssalto zu stehen. Neben ihm steht Parcour-Trainer Teo (27) und gibt Tipps. "Die Knie schnell anziehen, nicht so offen bleiben!"

Dass Omar und rund 70 andere Häftlinge am Montag hinter Gittern Parcour, Skateboard, Breakdance und andere Trendsportaten trainieren, ist nicht Alltag, sondern "Ausnahmezustand", wie es ein JSA-Beamter formuliert. Die Häftlinge hatten sich in einem Wettbewerb um den Freestyle-Workshop beworben - und gewonnen.

Anstaltsleiter Uwe Hinz unterstützt das Projekt. "Wir hoffen, dass damit Impulse gesetzt werden für die Freizeitgestaltung", sagt er. "Vielleicht bleibt bei dem ein oder anderen was hängen, was sie später in ihrem - hoffentlich straffreien - Leben machen können."

Angeboten wird der Workshop von der Gorilla Deutschland gGmbH. Das gemeinnützige Unternehmen aus München hat sich Gesundheitsförderung auf die Fahnen geschrieben. Mit 15 Coaches, viele von ihnen Meister ihres Fachs, sind die Gorillas nach Regis-Breitingen gekommen. Sie zeigen den jungen Männern in der blauen Anstaltskleidung Tricks und Kniffe, dazu wummert Musik aus tragbaren Boxen.

Trainer Teo (l.) beobachtet die Übungen von Häftling Omar.
Trainer Teo (l.) beobachtet die Übungen von Häftling Omar.  © DPA

Eigentlich seien sie viel in Schulen unterwegs, sagt Gorilla-Geschäftsführer Tobi Kupfer (41).

Breakdance hinter Gittern sei für sie eine Premiere. "Ich sehe das als Initialzündung. Freestyle - da wirst Du entflammt, wenn Du es siehst", sagt der ehemalige Skateboard-Weltmeister. "Wir versuchen auch, ein Lebensgefühl zu transportieren."

Sportlich machen die Coaches den Häftlingen gar nicht so viel vor. "Die sind sehr fit, die ballern richtig", sagt Parcour-Trainer Teo. Klimmzüge, Hüftaufschwünge, Handstände - alles kein Problem für viele der jungen Männer. Zwar haben nicht alle den Breakdance-Rhythmus gleich drauf, aber dass Krafttraining eine Hauptfreizeitbeschäftigung im Gefängnis ist, ist leicht zu erkennen.

"Mit Sport kriegt man sie gut", sagt auch der JSA-Chef Hinz. Er holt immer mal wieder Projekte in den vor zehn Jahren eröffneten, relativ modernen Jugendknast. Hinz bemüht sich um Offenheit, soweit das in einem Umfeld mit lauter verschlossenen Türen und strengen Regeln möglich ist. Derzeit sitzten in Regis-Breitingen 235 junge Männer ein.

Omar, der mit seinem Kumpel Johnny (19) die Bewerbung für den Workshop eingesandt hat, sitzt eine dreijährige Jugendstrafe ab. Mit Freestyle-Sport hatte er vorher keine Berührungspunkte. "Höchstens mal vor der Polizei weggerannt", witzelt er.

"Wir wollten einfach mal ein bisschen Spaß haben. Hat man ja sonst hier drin ja sonst nicht soviel", sagt Johnny. Das scheint zu klappen, die jungen Häftlinge sind gut bei der Sache. Parcour-Trainer Teo ist auch zufrieden. "Das ist echt krass. Wir sind alle sehr überrascht, wie entspannt die Jungs sind."


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