Nach Heidenau: Sachsen fährt Imagekampagne zurück

„So geht sächsisch“ - seit 2013 wirbt Sachsen mit diesem Slogan weltweit.
„So geht sächsisch“ - seit 2013 wirbt Sachsen mit diesem Slogan weltweit.

Dresden -Heidenau, Freital, PEGIDA - angesichts der unangenehmen Bilder, die Sachsen derzeit in die Welt sendet, fährt der Freistaat seine millionenschwere Imagekampagne zurück.

„So geht sächsisch“ - seit 2013 wirbt Sachsen mit diesem Slogan weltweit. Tausende Großplakate in vielen Städten, TVund Kino-Spots künden von schönen Landschaften, Hochkultur und innovativer Wirtschaft. Selbst mehrere Londoner Doppelstockbusse warben für „Simply Saxony“.

Damit ist erst einmal Schluss. Obwohl die gut 32 Millionen Euro teure Kampagne über vier Jahre laufen sollte, hat die Staatsregierung jetzt auf die Bremse getreten. „Eine Kampagne muss natürlich auch immer die Wirklichkeit mit abbilden - und es ist schwer, gegen diese Bilder, die wir jetzt überall sehen und die natürlich auch international zu sehen sind, ein vielleicht klischeehaftes Bild Sachsens zu zeigen“, sagte Regierungssprecher Christian Hoose MOPO24.

Die Befürchtung: Der Slogan könnte missbraucht und mit Bildern des rechten Mobs unterlegt oder gar von diesem adaptiert werden. So soll es in der nächsten Zeit keine Großplakate und TV-Spots mehr geben. Ganz einstampfen will die Regierung die Kampagne aber nicht. „Wir setzen auf leisere Töne“, so Hoose.

Zudem solle jetzt auch vermittelt werden, dass Sachsen trotz seiner Rechtsextremen ein weltoffenes Land sei.

Peinliche Ohnmacht

Ein Kommentar von Sebastian Günther

Erste Konsequenzen nach den radikalen Ausschreitungen in Sachsen sind vollzogen. Festhalten: Es ist die Reduzierung der Werbekampagne „So geht sächsisch“.

Man kann nur wütend werden über diese Ohnmacht. Vor mehr als zehn (!) Monaten gingen die ersten Bilder mit Tausenden PEGIDA-Anhängern aus Sachsen in die Welt. Auch unsere Politiker müssen bemerkt haben, wie Dresden plötzlich wahrgenommen wird.

Plakate mit „So geht sächsisch“ sorgten längst für Gespött. Doch nix passiert. Abwarten. Wird schon wieder. Etliche „Anti-Asyl-Demos“ ebnen sogenannten „Kritikern“ den Weg, ihre Hetze immer lauter, immer radikaler zu äußern. In Freital, Dresden und Heidenau schließlich kommt es öffentlichwirksam zur Eskalation.

Sachsens Antwort? Fehlanzeige. Wo ist der Krisenstab? Wo der Plan für menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen? Wann werden Kommunen einbezogen? Das Chaos in Freital und Heidenau vor Augen, macht die Landesdirektion nahezu blind dieselben Fehler einfach weiter und öffnet nun in Mittweida last minute ein Asylheim, informiert die Stadt selbst aber nur Stunden zuvor!

Die Bürgermeister und Kommunalpolitiker müssen die Schande des primitiven, ethisch überforderten, radikalen Mobs dann schlucken. Neue Fotos entstehen. Rassismus-Fratzen in den Nachrichten. Jahrelanger Imageaufbau im Eimer! Die Bürgermeister können nichts dafür. Und Koalitionspartner SPD agiert ähnlich betäubt wie auch die Opposition. Es reicht nur für Gesten. Kuchen für Flüchtlinge.

Mit „Refugees Welcome“-Plakaten wird aber keine Krise gemanagt. Wo bleiben die Vorschläge? Die Möglichkeiten? Sentimentalität reicht nicht, sondern dient immer mehr nur noch der Profilierung. Von unseren Machern hatte ich mehr erwartet. Spätestens nach Freital. Aber jetzt werden ja erst mal Plakate abgehangen...Tolles Tempo!

Fotos: dpa


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0