So sehr machen Flüchtlings-Hochzeiten dem Standesamt zu schaffen

Standesamtschef Frank Neubert (63) stellte am Freitag die Jahresbilanz seines Amtes vor.
Standesamtschef Frank Neubert (63) stellte am Freitag die Jahresbilanz seines Amtes vor.  © Thomas Türpe

Dresden - Mehr Hochzeiten, mehr Todesfälle, mehr Kirchenaustritte und reichlich Kurioses: Hinter dem Standesamt liegt ein arbeitsreiches Jahr. Zumal die einzelnen Fälle immer komplizierter werden. So schlägt sich jetzt die hohe Flüchtlingszahl der letzten Jahren nieder.

Das Problem dabei: "Wir beurkunden nur Tatsachen, keine Vermutungen", so Standesamtschef Frank Neubert (63). Viele Geflüchtete haben jedoch keine, unvollständige oder fragwürdige Papiere. Neue Dokumente sind oftmals kaum zu beschaffen.

40 Botschaften, darunter in Eritrea, Somalia und teilweise Syrien stellen keine Beglaubigungen von Dokumenten mehr aus. Doch die werden bei Hochzeiten und Geburten gebraucht. Sechs Mitarbeiter im Standesamt sind dafür speziell geschult, helfen den Antragstellern durch das Behörden-Dickicht.

Neubert: "Die Deutschen Botschaften vor Ort senden Vertrauensanwälte aus. Die ermitteln wie Detektive. Teilweise gibt es keine Adressen, nur Zeichnungen, wo jemand gewohnt haben soll."

Weil vor allem bei Flüchtlingen amtliche Dokumente fehlen, hat auch das Standesamt mehr zu tun.
Weil vor allem bei Flüchtlingen amtliche Dokumente fehlen, hat auch das Standesamt mehr zu tun.  © DPA

Vor Ort sprechen die Anwälte mit Nachbarn, gehen in Schulen, lassen sich Zeugnisse zeigen. So sollen Identitäten ermittelt werden. Obendrauf kommen beglaubigte Übersetzungen. "Es ist ein erheblicher Aufwand", so Neubert weiter.

Das Geld dafür müssen die Antragsteller vorschießen. 400 bis 500 Euro kommen so regelmäßig zusammen. Bei Eheschließungen müssen vollständige Dokumente vorgelegt werden, bei Geburten wird notfalls beurkundet mit dem Zusatz "Identität nicht nachgewiesen".

Die Fakten: 2015 konnte bei 53 ausländischen Eltern die Identität nicht geklärt werden, letztes Jahr waren es 252 Elternteile. Über 1000 Urkunden wurden geprüft.

2015 hatten 1251 Babys ausländische Elternteile, letztes Jahr waren es 1647 Neugeborene.

Das Standesamt an der Goetheallee.
Das Standesamt an der Goetheallee.  © Norbert Neumann
Amtlich beglaubigte Dokumente müssen oft mühsam aus den Heimatsländern besorgt werden.
Amtlich beglaubigte Dokumente müssen oft mühsam aus den Heimatsländern besorgt werden.  © DPA

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