Steine, Böller, Verletzte! Schlimme Randale-Nacht in Sachsen

Die Polizei in Markersdorf musste bereits am Freitagabend Flüchtlinge vor Demonstranten schützen.
Die Polizei in Markersdorf musste bereits am Freitagabend Flüchtlinge vor Demonstranten schützen.

Sachsen – Fliegende Flaschen, Steine, Böller und mehrere verletzte Menschen. In Sachsen ist es in der Nacht erneut zu Ausschreitungen vor Flüchtlingsheimen gekommen.

In Chemnitz-Markersdorf eskalierte gegen 1.30 Uhr die Lage. Etwa fünf Asylbefürworter, die vor der Notunterkunft ausharrten, wurden plötzlich von 10 bis 20 Rechtsextremisten angegriffen. Polizeibeamte konnten die Auseinandersetzungen beenden und einen Tatverdächtigen (34) stellen.

Bei den Tätlichkeiten wurden zwei Asylbefürworter (24, 21) zumindest leicht verletzt. Den 21-Jährigen brachte man zur Untersuchung in ein Krankenhaus. Bei einem abgestellten Pkw wurde zudem eine Scheibe eingeschlagen.

Bereits gegen 0.10 Uhr hatte es eine körperliche Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen in der Wilhelm-Firl-Straße gegeben. Dabei wurden zwei Männer (18, 16) verletzt und zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.

In Dresden-Prohlis wurden Polizisten mit Böllern, Flaschen und Steinen beworfen.
In Dresden-Prohlis wurden Polizisten mit Böllern, Flaschen und Steinen beworfen.

Mehrere Asylbewerber, die sich weigerten, in die Markersdorfer Turnhalle einzuziehen, kamen in den Räumen einer Kirchgemeinde unter. Dort warfen gegen 4.50 Uhr Unbekannte sechs Scheiben ein. Dabei ist eine Frau im Gebäude leicht verletzt worden.

Das Dezernat Staatsschutz der Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet unter Telefon 0371/ 387-3445 um Zeugenhinweise.

Auch in Dresden kam es zu Ausschreitungen. Etwa 60 zum Teil betrunkene Menschen strömten am Freitagabend vor der Schule im Plattenbauviertel Prohlis zusammen. Als Beamte anrückten, seien diese mit Flaschen, Steinen und Böllern attackiert worden.

Ob es Verletzte gab, konnte ein Sprecher der Polizei am Samstagmorgen noch nicht sagen. "Es dauerte etwas, bis wieder Ruhe herrschte", sagte er.

Schaulustige standen zudem auf der Straße und skandierten Hetz-Parolen.

Update 17:15 Uhr: Sachsens Innenminister Markus Ulbig verurteilt die Randale aufs Schärfste. Er sagte gegenüber MOPO24:

"Ich verurteile die erneuten Ausschreitungen in Chemnitz und Dresden aufs Schärfste. Gewalt gegen Flüchtlinge, Polizei, Hilfskräfte und Kirchengemeinden sind nicht nur schwere Straftaten, die wir mit aller Konsequenz verfolgen werden, sondern sind feige und niederträchtig.

Die Geschehnisse bestärken mich einmal mehr, dass die Entscheidung zur Gründung eines sächsischen Sonderdezernats 'Politisch motivierte Kriminalität' richtig war. Die Kollegen von Staatsanwaltschaft und Polizei müssen nun schnell ihre Arbeit aufnehmen, um den menschenverachtenden Spuk ein Ende zu bereiten."

Fotos: Uwe Meinhold, Thomas Türpe


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