So will Kretschmer für die Zukunft von Sachsens Dörfern kämpfen

Dresden - Städte fördern, ländliche Regionen ausbluten lassen? Es war eine heftige Debatte, die der Chef des Institutes für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Prof. Reint E. Gropp Anfang März auslöste. Nun hat sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (43, CDU) dazu geäußert und bläst klar zum Gegenwind.

TAG24-Chefredakteur Robert Kuhne (49, li) im Gespräch mit Prof. Gropp (52), Ministerpräsidenten Kretschmer (43) und dem neuen Präsident des Unternehmerverbandes Sachsen, Dietrich Enk (45, re)
TAG24-Chefredakteur Robert Kuhne (49, li) im Gespräch mit Prof. Gropp (52), Ministerpräsidenten Kretschmer (43) und dem neuen Präsident des Unternehmerverbandes Sachsen, Dietrich Enk (45, re)  © TAG24

Die Studie „Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall“ des IWH schockierte. Sie gab Handlungsempfehlungen, wie und vor allem wo investiert werden sollte. Die Zusammenfassung: Städte fördern, Dörfer nicht. Förderung nur dort, wo sie auch noch sinnvoll sei, nämlich in den Städten.

Bei der Podiumsdiskussion des Unternehmerverbandes Sachsen zum Thema "Wirtschaftsförderung in Sachsen" traf am 30. April nun Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (43, CDU) auf Prof. Reint E. Gropp (52), Chef des IWH.

Dieser hatte Anfang März mit seiner Studie zur Wirtschaftsförderung viel Aufmerksamkeit und Unmut auf sich gezogen.

In der Diskussion, moderiert von TAG24-Chefredakteur Robert Kuhne (49), machte es Prof. Gropp noch einmal konkret: "Wir haben uns angeschaut, warum auch 30 Jahre nach dem Mauerfall der Osten noch 20 Prozent ärmer ist. Das betrifft vor allem die Produktivität in den Städten. Die unterscheidet sich in Ost und West um genau die 20 Prozent." Dort müsse also durch die Politik gefördert werden. Die Dörfer seien in Ost und West ohnehin gleich schwach aufgestellt, also zu vernachlässigen.

Die Versammlung des Unternehmerverbandes Sachsen im Campus von TAG24.
Die Versammlung des Unternehmerverbandes Sachsen im Campus von TAG24.  © TAG24

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer konnte dem nichts abgewinnen. "Ich halte das für Unsinn. Wir werden uns ganz klar nicht nur auf Wachstumszentren konzentrieren. Wer eine gute Idee hat, der bekommt doch die Fördermittel nicht abhängig seiner Postleitzahl. Wir bewerten die Idee, egal von wo der Antrag eingeht."

Sachsen setze weiter auf Forschung und Entwicklung. Auf Verkehrsanbindungen bis in die Regionen hinein, so der MP weiter.

Auch der gerade frisch gekürte neue Präsident des Unternehmerverbandes Sachsen, Dietrich Enk (45), äußerte sich kritisch zu der Studie. "Ich sehe überhaupt keinen Grund für Hysterie. Wo Bildung ist, gibt es Chancen."

In Bezug auf die Studie verdeutlichte Ministerpräsident Kretschmer noch die "verheerende Wirkung" solcher Aussagen, ländliche Regionen sollten nicht weiter gefördert werden:

"Die Leute glauben doch, wir machen das jetzt. Dabei ist es doch das Gegenteil. (...) Wir versuchen eben die Städte nicht zu teuer zu machen, dass man darin nicht mehr leben kann und auch, dass die jungen Menschen in den Regionen außerhalb der Städte lebenswert leben können. Wäre man früher solchen Vorschlägen gefolgt, gäbe es heute kein Bayern", so Kretschmer.

In Bezug auf die Perspektive des sächsischen, ländlichen Raumes ist sich Kretschmer sicher: "Wenn Frieden und Wachstum diesem Land erhalten bleiben, kann der Landstrich an seine Kraft von vor dem Krieg anknüpfen."

Von allen 22.000 bei der Handwerkskammer Sachsen gemeldeten Unternehmen befinden sich übrigens 16.500 in ländlichen Regionen.

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