Wie wichtig ist Social Media für den Wahlkampf?

Jena - Social Media hat den Wahlkampf aus Sicht des Medienwissenschaftlers Tobias Rothmund direkter, emotionaler und persönlicher gemacht.

Bodo Ramelow hat Freude an Social Media, ist besonders bei Twitter sehr aktiv.
Bodo Ramelow hat Freude an Social Media, ist besonders bei Twitter sehr aktiv.  © DPA

Ministerpräsidenten, die auf Youtube Videospiele spielen. CDU-Wahlhelfer, die über eine App Punkte sammeln und vergleichen, wer die größere "Legende" ist: So sieht Wahlkampf im Jahr 2019 aus. Die Zeiten, in denen Politiker Kugelschreiber verschenkten und sich auf ihre Plakate am Straßenrand verlassen konnten, sind lange vorbei.

"Man weiß aus Forschungsarbeiten, dass diejenigen am sichtbarsten sind, die stark mit Emotionalisierung und Moralisierungen arbeiten", sagte der Jenaer Professor für Kommunikations- und Medienpsychologie der Deutschen Presse-Agentur.

Zudem könnten die Sozialen Medien zu einer stärkeren Mobilisierung führen. "Das heißt zum Beispiel zu einem Anstieg der Wahlbeteiligung, und zu einer verstärkten Bildung von Interessens- und Aktionsgruppen", sagte Rothmund.

"Hallo Leute! Schön, dass ihr wieder da seid. Ich bin der Bodo. Und ich wollte euch was verraten: Ich beschäftige mich manchmal mit Video Games." Wenige Wochen vor der Wahl präsentiert sich Thüringens Ministerpräsident Ramelow so in einer Reihe von Youtube-Videos. Auf ironische Weise greift der Linken-Politiker gängige Stilmittel von Influencern auf.

Bewusst versucht die Linke nicht, das Thema ernsthaft anzugehen, sondern ironisiert den Versuch, Ramelow als Influencer darzustellen: Etwa mit übertrieben vielen Schnitten im Video oder einem Foto des Social-Media-Stars Bibi im Hintergrund des Büros.

Wahlen gewinnt man nicht mit Social Media - aber man kann sie verlieren

Mike Mohring habe sich eine Personenmarke aufgebaut.
Mike Mohring habe sich eine Personenmarke aufgebaut.  © DPA

"Man wird keine Wahl nur mit einem extrem guten Social-Media-Wahlkampf gewinnen, aber man wird auf jeden Fall eine Wahl verlieren, wenn man es nicht nutzt", sagte der Politikberater Martin Fuchs. Während den sechs Wochen vor der Wahl online besonders aktiv zu sein, ist Fuchs zufolge aber nicht entscheidend. Vielmehr müsse man es langfristig schaffen, sich eine Community aufzubauen, die man vor der Wahl mobilisieren kann.

Seiner Einschätzung nach hat das vor allem der CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring gemacht. "Er hat es unter den Thüringer Politikern am besten geschafft, eine Personenmarke aufzubauen", sagt Fuchs. Auf Instagram zeigt Mohring Fotos und Videos seiner Wahlkampfauftritte, auf Facebook gibt es Live-Diskussionen. Immer wieder wendet er sich direkt an seine Fans, forderte sie etwa im April nach einem Talkshow-Termin via Instagram dazu auf, auf einem Herzchen-Barometer darüber abzustimmen, welches Foto von ihm am schönsten ist.

"Selbstverständlich nutzen Politiker und Politikerinnen Social Media auch, um ihr Image aufzupolieren", sagt Fuchs. "Es allerdings hauptsächlich dafür zu nutzen, ist zum Scheitern verurteilt." Um bei den Nutzern anzukommen, brauche es "langen Atem, Souveränität und eine ausgeprägte Dialogkultur."

Ohnehin sei es nicht mehr zeitgemäß, zwischen on- und offline zu unterscheiden, da es zwischen den beiden keine Trennung mehr gebe, sagte Rothmund. "Es verändert sich beides, in Abhängigkeit voneinander."

Titelfoto: DPA

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