Steht Peter Sodanns DDR-Bibo vor dem aus?

Ein Großteil der Kisten ist nicht ausgepackt. Inzwischen muss der Chef sogar Bücher wegwerfen, um die Literaturflut zu bewältigen.
Ein Großteil der Kisten ist nicht ausgepackt. Inzwischen muss der Chef sogar Bücher wegwerfen, um die Literaturflut zu bewältigen.

Staucha/Riesa - Seine Lebensenergie, viel Herzblut und den Großteil seines Vermögens steckte der Ex-Tatort-Kommissar in die Bibliothek, die er vor drei Jahren im Dörfchen Staucha bei Riesa eröffnete. Doch noch immer fehlt ein solides Geschäftskonzept für die Literatur des Ostens. Peter Sodann (78) stemmt sich aber gegen das Alter und das Aus - mit Leidenschaft, Idealismus und einer Spur Dickköpfigkeit.

Dem Morgenpost-Team begegnet Peter Sodann mit einem frischen Kratzer auf der Stirn. „Nichts Schlimmes“, winkt er ab. „Ich habe in meinem Leben schon oft genug den Kopf hingehalten.“ Mit der Beharrlichkeit, die auch den Kommissar Bruno Ehrlicher auszeichnete, kämpft er um sein Projekt.

Nahezu mit jugendlichem Elan erklimmt der Greis die Treppen zu seinem Kontor. Hier geht es inzwischen beschaulicher zu als in den Anfangstagen der Bibo. Das Jobcenter hat dem Schauspieler die ABM-Stellen und Ein-Euro-Jobber gestrichen. Zwei Frauen muss Sodann - wenn auch mit Förderung des Arbeitsamtes - selbst bezahlen. Immerhin wird er noch von einem Bufdi unterstützt, doch auch diese Stelle läuft demnächst aus...

Idealist Peter Sodann (78) kämpft tapfer weiter. Doch er benötigt dringend Spenden für sein Projekt.
Idealist Peter Sodann (78) kämpft tapfer weiter. Doch er benötigt dringend Spenden für sein Projekt.

Und das nächste finanzielle Desaster bahnt sich an: Anfangs trug die Gemeinde die Betriebskosten für die ausgedehnten Bücherräume - nach einem Bürgermeisterwechsel hat sich der Wind gedreht.

„Die im Dorf denken ja, ich sei reich“, schüttelt Peter Sodann den Kopf und schaut auf die Rechnungen. Für 2013 betrugen die Kosten 5000 Euro. Sodann ließ die Heizkörper abklemmen und zog im Winter lieber eine Strickjacke mehr an.

Und trotzdem erhöhte sich die nächste Jahresrechnung auf 7000 Euro. „Ohne Zuschuss für Betriebskosten geht es nicht“, ärgert er sich. „Irgendwann ist Schluss!“ Etwas Geld kommt durch regelmäßige Filmvorführungen und Lesungen in die Kasse. Und durch den Verkauf doppelt vorhandener Bücher. Damit spielt er aber nicht einmal die monatlichen Lohnkosten ein. Und der Mann, der vor 20 Jahren die Ärmel hochkrempelte, um das Wissen des Ostens zu retten, muss zerknirscht eingestehen: „Inzwischen habe ich damit begonnen, selbst viele überschüssige Bücher wegzuwerfen.“

Vor zwei Wochen erhielt Peter Sodann Besuch von Kultusministerin Eva-Maria Stange (58, SPD). Er zeigte ihr sein Reich. Sie um Geld oder Unterstützung zu bitten, verbot ihm freilich sein Stolz.

Immerhin erntete der Idealist einen warmen und anerkennenden Händedruck ...

Im Rittergut zu Staucha stapeln sich die DDR-Bücher. Die Gemeinde will jetzt, dass der alte TV-Kommissar auch die Betriebskosten zahlt.
Im Rittergut zu Staucha stapeln sich die DDR-Bücher. Die Gemeinde will jetzt, dass der alte TV-Kommissar auch die Betriebskosten zahlt.
Kosten steigen, Nachfolge nicht geregelt: Der Mime aus dem dramatischen Fach wird auf seiner eigenen Bühne selbst zur dramatischen Figur.
Kosten steigen, Nachfolge nicht geregelt: Der Mime aus dem dramatischen Fach wird auf seiner eigenen Bühne selbst zur dramatischen Figur.

Fotos: Steffen Füssel


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