Union erreicht neues Rekord-Tief: Neuwahl wäre "Katastrophe" für SPD

Berlin - Der Negativtrend hält an. Die Union ist einer neuen Umfrage zufolge erneut auf ein Allzeittief gefallen. Im aktuellen Sonntagstrend für die "Bild am Sonntag" kommen CDU und CSU nur noch auf 24 Prozent.

Die Union kommt laut einer Umfrage auf nur noch 24 Prozent.
Die Union kommt laut einer Umfrage auf nur noch 24 Prozent.  © DPA

Das sind zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Es ist zugleich ein neues Allzeittief für die Union in der Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Emnid, wie die Zeitung schreibt.

Anders sieht es bei den Grünen aus. Sie rücken laut Umfrage immer näher an die Union heran. Sie legten einen Prozentpunkt auf 20 Prozent zu und wären damit klar zweitstärkste Kraft. Der aktuelle Wert ist laut Zeitung zugleich die höchste Zustimmung für die Grünen seit sieben Jahren.

Die SPD verharrt bei 15 Prozent und fällt damit hinter die AfD, die einen Prozentpunkt auf 16 Prozent zulegen konnte. Linke und FDP kommen erneut auf zehn Prozent.

Würde es zu einem Bruch der Großen Koalition und Neuwahlen kommen, erwartet Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel, dass die SPD als führende linke Kraft durch die Grünen abgelöst wird. "Neuwahlen wären gegenwärtig für die SPD eine Katastrophe", sagte der Direktor der Abteilung Demokratie und Demokratisierung am Wissenschaftszentrum Berlin der Deutschen Presse-Agentur.

"Nach allen Trends, die wir sehen, würde das die Grünen weiter nach oben ziehen, wahrscheinlich auch die AfD. Und die SPD weiter nach unten." Er bezweifele, dass man sich mit 15 Prozent in der Opposition regenerieren könne.

Für Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel (links) wäre eine Neuwahl eine Katastrophe für die SPD.
Für Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel (links) wäre eine Neuwahl eine Katastrophe für die SPD.  © DPA

"Wenn die Grünen in einer Koalition mit einer Union wären, könnte sich bei den Wählern die Ansicht durchsetzen, die SPD wird nicht mehr gebraucht." Merkel ist auch Mitglied der Grundwertekommission der SPD.

"Die Grünen könnten die Position Mitte-links einnehmen, dazu frischer und unverbrauchter wirken - ohne immer krampfhaft auf das bedeutende 150-jährige Bestehen verweisen zu müssen."

Sie könnten sagen: "Wir sind die Zukunft, wir sind die progressive Kraft in der deutschen Politik." Hinsichtlich der Größe und ihrer Wählermilieus erfüllten die Sozialdemokraten längst nicht mehr die Kriterien einer Volkspartei. "Das ist Vergangenheit."

Ein Problem sei auch die dünne Personaldecke. "Die alten Gesichter wurden kalt gestellt. Das größte Potenzial, nach meiner Lesart, durchaus mit populärem Charisma, Sigmar Gabriel (59), taucht nicht mehr auf." Mit Heiko Maas (52) sei ein in außenpolitischen Fragen völlig unerfahrener Minister an seine Stelle gesetzt worden. "Die Be- und Ersetzung erfolgte nicht politischer Kompetenzzuschreibung, sondern einem innerparteilichen Machtkalkül", kritisierte Merkel mit Blick auf die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles (48) und Vizekanzler Olaf Scholz (60).

Die SPD sei derzeit nur der brave Juniorpartner von Angela Merkels Union. "Es fehlt an Mut, an Courage, inhaltliche Grenzen auszutesten. Aber da fehlt es auch an wirklichen Machiavellisten, die das bereit sind, auszutesten." In der Regierung werde bisher zu wenig deutlich, worin das sozialdemokratische Profil bestehe.

Titelfoto: DPA

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