"Soul Kitchen"-Areal besetzt: Hunderte stürmen berühmtes Film-Gelände!

Hamburg - Am Samstag hat ein breites Bündnis aus Initiativen und linken Gruppen in Hamburg erneut für bezahlbaren Wohnraum demonstriert (TAG24 berichtete). Dabei wurde auch ein berühmter Drehort von Aktivisten gestürmt.

vlnr.: Birol Ünel, Adam Bousdoukos, Anna Bederke, Pheline Roggan, Regisseur Fatih Akin und Moritz Bleibtreu während den Dreharbeiten zum Film "Soul Kitchen" im Jahr 2008. Akin hat sich wiederholt für den Erhalt der Location stark gemacht.
vlnr.: Birol Ünel, Adam Bousdoukos, Anna Bederke, Pheline Roggan, Regisseur Fatih Akin und Moritz Bleibtreu während den Dreharbeiten zum Film "Soul Kitchen" im Jahr 2008. Akin hat sich wiederholt für den Erhalt der Location stark gemacht.  © DPA

Mit der Besetzung des "Soul Kitchen"-Geländes stach ein besonderer Coup neben der eigentlichen Demonstration, die unter dem Motto "Mietenwahnsinn stoppen" lief, besonders heraus.

In Wilhelmsburg versammelten sich am Samstagabend nach der Demo im Stadtzentrum plötzlich etwa 500 Menschen auf dem Gelände der "Soul Kitchen"-Halle auf der Elbinsel in Wilhelmsburg.

Auch mehrere Wohn- und Bauwagen hätten dort gestanden, sagte ein Sprecher am Sonntag. Der Aufforderung der Polizei, das Gelände zu verlassen, sei friedlich nachgekommen worden. Doch was steckt hinter der Aktion?

Die ehemalige Lagerhalle kennt eigentlich jeder, der den Film "Soul Kitchen" gesehen hat. Bekannt geworden war die als "alternativ" geltende Location, weil sie für den gleichnamigen Film des Hamburger Regisseurs Fatih Akin als Drehort diente.

Auf dem Gelände hatten früher nicht nur der Filmdreh, sondern auch verschiedene Kultur- und Musikveranstaltungen stattgefunden.

Die wegen Sicherheitsmängeln und laut der Stadt Hamburg "vorübergehend" geschlossene Kulturstätte "Soul Kitchen" in Wilhelmsburg bei Hamburg.
Die wegen Sicherheitsmängeln und laut der Stadt Hamburg "vorübergehend" geschlossene Kulturstätte "Soul Kitchen" in Wilhelmsburg bei Hamburg.  © Malte Christians dpa/lno

Im Jahr 2012 war das Areal nahe der Industriestraße in Wilhelmsburg dann gesperrt und jegliche weitere Nutzung ausgeschlossen worden. Die Begründung der Stadt Hamburg: Sicherheitsbedenken.

Die Halle sei zu marode, hieß es. Saniert wurde sie trotzdem nie und steht seit dem leer.

Die Mieten-Problematik betrifft in Hamburg – und zahlreichen anderen Großstädten wie beispielsweise Köln oder Stuttgart – nicht nur Privatleute und Wohnraum. Auch wenig ertragreiche Kunst-, Party- und Kultur-Locations sind zunehmend der Verdrängung durch Investoren und scheinbar lukrativere Immobilienprojekte betroffen.

Mit der unangemeldeten "Spontan-Demo" auf der seit Jahren brachliegenden Industriefläche wollte eine lose Aktivistengruppe also wohl ein zusätzliches Statement setzten und die weitreichenden Herausforderungen des Immobilienmarktes im urbanen Raum hervorheben. Das scheint gelungen zu sein.

Ein Sprecher des "Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg", Steffen Jörg, erklärte auf Nachfrage von TAG24 allerdings, dass die Besetzung des "Soul Kitchen"-Geländes keine geplante Aktion der Organisatoren des "Mieten Moves" gewesen sei. Dennoch "stehe ich dem persönlich positiv gegenüber", sagt er am Sonntag.

Die "Mieten Move"-Demo war also anscheinend nur motivierender Anlass, mit der zusätzlichen Protestaktion gegen steigende Mieten, auch auf die mehr oder minder insgeheime Verdrängung einiger Kunst- und Kulturschaffender aufmerksam zu machen.

Titelfoto: Malte Christians dpa/lno

Mehr zum Thema Hamburg Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0