"Spätis" bangen um ihre Existenz

Am sogenannten "Assi-Eck" in der Dresdner Neustadt fließt billiges Späti-Bier in Strömen. Momentan spielt das Rathaus mit.
Am sogenannten "Assi-Eck" in der Dresdner Neustadt fließt billiges Späti-Bier in Strömen. Momentan spielt das Rathaus mit.

Von Jan Berger

Dresden/leipzig - Geht es den "Spätis" an den Kragen? Das Leipziger Ordnungsamt begann vor wenigen Wochen, die Ladenöffnungszeiten von Spätverkaufsstellen zu kontrollieren und fette Bußgelder anzudrohen.

Die Betroffenen wollen sich wehren.

Wenn am Ende des Bieres noch immer zu viel Besuch da ist, rettet einen meist noch der Laden um die Ecke. Hier gibt es auch nach 22 Uhr und besonders sonntags Lebensmittel, Hygieneartikel oder die MOPO.

Zumindest in Dresden und Leipzig gehören die Spätis zur etablierten Kiezkultur. Damit könnte aber bald Schluss sein.

"An einem Sonntag im Juni standen zwei Leute vom Ordnungsamt im Laden", berichtet Sebastian Schott von der Leipziger "Sprutzbude". "Die stellten einen Verstoß gegen das sächsische Ladenöffnungsgesetz fest."

Der Leipziger Spätverkauf "Sprutzbude" wurde jetzt mehrfach vom Ordnungsamt kontrolliert.
Der Leipziger Spätverkauf "Sprutzbude" wurde jetzt mehrfach vom Ordnungsamt kontrolliert.

Später flatterte Amtspost ins Haus: Im Wiederholungsfall wird ihm eine Buße bis 5000 Euro angedroht.

Allein im Juni mahnte das Leipziger Ordnungsamt vier Spätis ab. Amtsleiter Helmut Loris weist darauf hin, dass die Begrifflichkeit "Späti" auf keine gesetzlich legitimierte Verkaufstelle zutrifft. Loris: "Ein Offenhalten außerhalb der Öffnungszeiten ist in Sachsen nur bei Apotheken, Tankstellen und Bahnhöfen gestattet."

Sebastian Schott von der "Sprutzbude" änderte seine Öffnungszeiten und kalkulierte einmal durch: "Ohne den Sonntag muss ich den Späti schließen, das lohnt sich nicht mehr."

Denn einem Späti, der spät nicht offen hat, wird die Geschäftsgrundlage entzogen. Das trifft wohl auf alle etwa 40 Leipziger Spätverkaufsstellen zu, sobald die Sheriffs ihren Sonntagsbesuch abhalten.

Die Kontrollen wurden offensichtlich durchgeführt, weil sich Leute beim Amt beschwert haben. In Dresden - auch hier gibt es mindestens 30 Spätis - gab es bisher keine Kontrollen, so das Ordnungsamt.

Nach der Sommerpause wollen sich die betroffenen Späti-Chefs zusammentun und eine Petition starten. Ziel ist zumindest eine Lockerung des Ladenschlussgesetzes.

Sebastian Schott: "Uns haben schon einige Landtagsabgeordnete signalisiert, dass sie auf unserer Seite stehen."

Verkäuferin Danila Kaltschev (33) bedauert: Nach 22 Uhr darf sie jetzt nichts mehr verkaufen.
Verkäuferin Danila Kaltschev (33) bedauert: Nach 22 Uhr darf sie jetzt nichts mehr verkaufen.

Fotos: Eric Münch (1), Ralf Seegers (3)


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