Petition gegen Jens Spahn: Was bringt die Abtreibungs-Studie wirklich?

Berlin - Eine Studie von Gesundheitsminister Jens Spahn soll aufzeigen, wie es Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch geht und ob es ein "Post-Abortion-Syndrom" ("Nach-Abtreibungs-Syndrom") gibt. Doch ist das wirklich nötig?

Jens Spahn will für Fünf Millionen Euro eine Studie über Abtreibungen.
Jens Spahn will für Fünf Millionen Euro eine Studie über Abtreibungen.  © Gregor Fischer/dpa

"Jens Spahn plant, 5 Millionen Euro für eine frauenfeindliche und überflüssige Studie zu den 'seelischen Folgen' von Schwangerschaftsabbrüchen zu verschwenden." So beginnt eine Petition gegen Jens Spahns geplante Fünf-Millionen-Euro-Studie. Ins Leben gerufen hat die Petition Bloggerin Nike van Dinther.

"Vor zwei Jahren habe ich selbst abgetrieben." sagt sie, und: "Ein Schwangerschaftsabbruch kann, aus mannigfaltigen Gründen, seelische Schmerzen hinterlassen. Nur gibt das niemandem die Berechtigung dazu, ihn als geltendes Argument gegen legale und aufgeklärte Schwangerschaftsabbrüche zu missbrauchen"

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels, haben bereits über 55.000 Menschen die Petition unterschrieben!

Worum genau soll es in der Studie gehen?

Angeblich soll sie verlässliche Informationen über die gesundheitlichen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen und auch über die psychischen Auswirkungen eines solchen Eingriffs liefern.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums versicherte, die Studie sei vollkommen ergebnisoffen. Hintergrund ist die Debatte um den Paragrafen 219a (Verbot von Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft) und seine Abschaffung.

Was wird an dem Plan kritisiert?

Bereits seit langem wird gegen den Paragrafen 219a demonstriert.
Bereits seit langem wird gegen den Paragrafen 219a demonstriert.  © Silas Stein/dpa

Zum einen erklären Kritiker, die Thematik sei schon ausreichend mit Studien belegt – eine neue sei also rein inhaltlich schon gar nicht nötig.

Zum anderen wittern viele hinter der Mega-Studie von Spahn die Verzögerung von Reformen und eine Munitionierung der Abtreibungsgegner mit selbstgebastelten Argumenten.

Auch die geplante Summe von fünf Millionen Euro stößt vielen sauer auf. Dazu schreibt Bloggerin und Petitionsstarterin Nike van Dinther:

"Herr Spahn, wie wäre das wohl, wenn 5 Millionen Euro tatsächlich für Sinnvolles bereit stünden? Für die Ausbildung von FrauenärztInnen, für Hebammen, Pflegekräfte und Geburtshilfe, für Opfer von sexueller Gewalt und Missbrauch, (...) für den Kampf gegen Kinderarmut, für die Unterstützung von Alleinerziehenden, (...) für mehr Aufklärung oder die Pille für den Mann?! Wir fordern: 5 Millionen für Hilfe statt Hass!"

Was muss man sonst zum Thema 219a wissen?

Die Koalition hat bereits Kompromisse gefunden, um den Paragrafen 219a zu lockern. Ganz aufgehoben werden soll er allerdings nicht. Vielmehr sind zusätzliche Erklärungen geplant, die mehr Informationen über Schwangerschaftsabbrüche ermöglichen sollen. Unter anderem sollen beispielsweise Krankenhäuser auf ihrer Webseite über Abtreibungsmöglichkeiten informieren dürfen. Bisher war das generell unter Strafe (bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe) gestellt.

Den Gegnern geht das nicht weit genug. Sie fordern umfangreichere Rechte für Frauen, über ihren eigenen Körper frei entscheiden zu dürfen. Dafür sehen sie auch eine umfangreiche Aufklärung als nötig an.

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