Spanien trauert um toten Julen (2): Video zeigt dramatische Tunnel-Arbeiten

Málaga - Die Hoffnung, den in einem Brunnenschacht verschollenen Julen lebend zu finden, zerplatzte mitten in der Nacht. Am frühen Samstagmorgen konnte der Junge (2) nach 13 Tagen des Bangens nur tot geborgen werden.

In diesem Käfig stiegen die Arbeiter zu dem Jungen hinab, jedoch vergebens.
In diesem Käfig stiegen die Arbeiter zu dem Jungen hinab, jedoch vergebens.  © Guardia Civil/Europa Press/dpa

Hunderte Einsatzkräfte hatten unermüdlich gearbeitet, um den Zweijährigen auf dem schwer zugänglichen Hügel Cerro de la Corona in Totalán unweit von Málaga zu finden. Der Kleine war bei einem Ausflug mit seiner Familie am 13. Januar in das Loch gefallen.

Mehr als 300 Retter hatten sich an den Bergungsarbeiten beteiligt. Die letzten Meter musste sich ein Team aus Bergarbeiten per Hand durch einen selbst gegrabenen Tunnel zu dem Jungen vorarbeiten. Ein Video der spanischen Polizeieinheit zeigt die letzten Meter.

"Unser Dank gilt allen, die aus ganz Spanien und aus allen sozialen Schichten ihr Bestes gegeben haben, um einen Traum zu jagen, der leider nicht verwirklicht werden konnte. Ihr Beispiel von Anstrengung, Beharrlichkeit und Mut bei der Suche nach #Julen wird für immer bleiben", schrieb die Guardia Civil dazu.

Nach den jüngsten amtlichen Erkenntnissen fiel Julen durch das enge Loch rund 71 Meter tief "im freien und schnellen Fall". "Darauf deutet die Stellung des Körpers hin", erklärte der Delegierte der Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodríguez Gómez de Celis, am Samstag vor Journalisten.

Der Junge war wohl sofort tot, mutmaßen Medien. Eine Autopsie sollte noch am Samstag dazu beitragen, die genauen Todesumstände zu ermitteln. Die Justiz hatte schon vor Tagen eine Untersuchung eingeleitet.

Jose Rosello (l.) und Victoria Garcia trauern auf dem Friedhof von El Palo.
Jose Rosello (l.) und Victoria Garcia trauern auf dem Friedhof von El Palo.  © Gregorio Marrero/AP/dpa

Nach dem tragischen Ausgang der Rettung nahmen viele Anteil. "Ganz Spanien teilt die unendliche Traurigkeit von Julens Familie", twitterte mitten in der Nacht Ministerpräsident Pedro Sánchez, der sich auch bei den Helfern bedankte. Das Königshaus sprach seinen "tiefsten Schmerz" und der Familie sein Beileid aus.

Die Stadt Málaga verkündete eine dreitägige Trauer, vor dem Rathaus der Küstenstadt versammelten sich am Samstagvormittag Hunderte zu einer Trauerkundgebung und einer Schweigeminute zu Ehren des Kleinen.

Politiker, Prominente, Sportler und auch sehr viele Menschen im Ausland, die ebenfalls tagelang mitgezittert hatten, versuchten den Eltern José und Victoria auf den sozialen Netzwerken Trost zuzusprechen. Ein äußerst schwieriges Unterfangen, denn sie vom Schicksal schon zum zweiten Mal hart getroffen.

2017 hatten sie bereits einen Sohn verloren. Julens älterer Bruder Oliver starb bei einem Strandspaziergang mit drei Jahren an Herzversagen. Umso mehr hatten nicht nur sie bis zuletzt an das viel beschworene "Wunder von Totalán" geglaubt und die Hoffnung behalten.

Im Málaga-Vorort El Palo, dem Wohnort der Familie, legten Menschen noch Freitagnacht mit Kerzen ein großes Herz. In vielen Kirchen wurde seit Tagen für den Kleinen gebetet, Bürger organisierten Wachen.

Politiker und Rettungskräfte halten vor dem Rathaus eine Schweigeminute ab.
Politiker und Rettungskräfte halten vor dem Rathaus eine Schweigeminute ab.  © Álvaro Cabrera/dpa

Doch das Wunder blieb am Ende aus. Um 1.25 Uhr am Samstagmorgen wurden die schlimmsten Befürchtungen zur traurigen Gewissheit. Vorausgegangen waren immer neue Rückschläge bei der Bergung wegen des extrem harten Gesteins am Cerro de la Corona nahe Málaga.

Retter hatten seit dem 13. Januar versucht, zu dem Kind in dem extrem engen, nur 25 Zentimeter breiten Schacht vorzudringen. Allerdings gab es keine Lebenszeichen von ihm, zudem war unklar, in welcher Tiefe es sich befand. Das illegale Loch wurde nach Aussagen der Familie vom Freund einer Cousine des Vaters in Auftrag gegeben.

Experten hatten bis zuletzt versichert, dass es nicht ausgeschlossen sei, das Kind lebend zu finden. Jedoch waren die Hoffnungen auf ein glückliches Ende mit jeder Minute geschrumpft. Besonders die Bohrung eines Parallel-Tunnels hatte zu immer wieder neuen Problemen geführt.

Seit Donnerstagabend fehlten zu dem Jungen nur noch wenige Meter. Erfahrene Bergarbeiter gruben vom Grund des Parallelschachts aus einen horizontalen Tunnel, um zu Julen vorzudringen. Sie konnten dabei 36 Stunden lang nur kniend oder liegend in Zweier-Teams arbeiten. Mehrere Mikrosprengungen waren nötig.

Die Behörden betonten, normalerweise seien für eine solche Aktion, bei der 40.000 Tonnen Erde abgetragen wurden, Monate nötig. Einen vergleichbaren Notfall in einer solchen Tiefe habe es weltweit noch nie gegeben.

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