Vater des toten Julen spricht über seine grenzenlose Trauer

El Palo - Das Schicksal von Julen (2), der nur noch tot aus einem Brunnenschacht in Spanien geborgen werden konnte, bewegte tagelang die ganze Welt. Nun hat sein Vater erstmals ausführlich über den Verlust gesprochen.

Bei der Beerdigung umklammerte José Rosello den Fußball seines Sohnes fest.
Bei der Beerdigung umklammerte José Rosello den Fußball seines Sohnes fest.  © Gregorio Marrero/AP/dpa

Im Gespräch mit der spanischen Zeitung "Diario Sur" blickt José Roselló in emotionalen Worten auf die 13 quälenden Tage der Suche nach Julen zurück, in denen weder er noch seine Frau Victoria die Hoffnung aufgeben wollten, den Zweijährigen noch lebend zu finden.

Am 26. Januar wurde diese Hoffnung zerstört. Nach tagelangen Bohrarbeiten rund um jenen Brunnenschacht, in den der Junge 13 Tage zuvor gefallen war, wurde er in einer Tiefe von rund 70 Metern tot aufgefunden. Bereits am Tag des Sturzes erlag er seinen Verletzungen, wie die Autopsie ergab.

Auch wenn das erhoffte Wunder ausblieb, seien er und seine Frau Victoria den Helfern, die auch unter Einsatz ihres eigenen Lebens um Julen kämpften, "auf ewig dankbar". Zwar habe er sich während der Rettungsaktion zuweilen beklagt, doch es gebe keinen Grund der Beschwerde.

Wenn er jemandem die Schuld an dem Drama gibt, dann sich selbst: "Ich verfluche mich. Ich verfluche diesen Tag. Ich werde nie wieder einen Ausflug aus Land machen oder Paella essen können", sagt er. Julen war bei einer Familienfeier in den nur 25 Zentimeter breiten Schacht gestürzt.

Tagelang hatte Einsatzkräfte um das Leben des Jungen gekämpft - vergeblich.
Tagelang hatte Einsatzkräfte um das Leben des Jungen gekämpft - vergeblich.  © Guardia Civil/Europa Press/dpa

Seine Eltern hatten ihn noch Schreien hören, konnten aber nichts mehr tun. Besonders tragisch: Bereits 2017 verloren sie ein Kind. Julens älterer Bruder Oliver starb bei einem Spaziergang an Herzversagen. Schon damals war der Verlust für José und Victoria unerträglich.

"Wir lebten mit meiner Familie, aber als das mit Oliver passierte, mussten wir gehen, weil alles voller Erinnerungen war. Und jetzt ist es wieder so", erzählt der Vater. "Du kommst rein und sieht die Puppen, die Bälle. Wir bleiben seit drei oder vier Tagen bei einem Freund."

Seine Freunde seien überhaupt "die besten der Welt". Sie versuchen, der Familie nach der Tragödie beizustehen und sie abzulenken, so gut es geht. Aber noch ist der Verlust zu präsent: "Alle möchten, dass ich auf andere Gedanken komme. Doch wenn ich meine Augen schließe, sehe ich den Brunnen."

Dennoch weiß er die Hilfe zu schätzen, genauso wie die anhaltende weltweite Anteilnahme. Er und seine Frau hätten Botschaften aus vielen verschiedenen Ländern erhalten und jede einzelne "aufgeregt" gelesen.


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