Schacht-Drama um Julen (†2) in Spanien: Trauernde Eltern müssen vor Gericht

Malaga - Im Januar sorgte das Schicksal des kleinen Julen (2), der in Spanien in einen tiefen Brunnenschacht gefallen und darin gestorben war, für weltweite Bestürzung. Nun landet der tragische Fall des Jungen vor Gericht.

Für José Rosello und Victoria García geht das Trauma weiter.
Für José Rosello und Victoria García geht das Trauma weiter.  © DPA

Dort mussten am Montag auch die Eltern José Roselló und seine Frau Victoria García (beide 29) erscheinen - als Zeugen, wie spanische Medien berichten. Sie waren auf einem Familienausflug, als Julen am 13. Januar in das schmale Erdloch stürzte.

Sein Vater erlebte das Drama hautnah mit. Seine Aussage sei deshalb auch der Schlüssel, um zu klären, wie es überhaupt dazu kommen konnte, schreibt die spanische Tageszeitung "Diario Sur".

Der Polizei hatte José Roselló im Rahmen der Rettung erklärt, er habe gesehen, wie Julen abstürzte, jedoch nichts mehr für ihn tun können. Zwar habe er noch versucht, Steine von der Schachtöffnung zu entfernen, doch sein Sohn war außer Reichweite und verschwunden.

Seine Frau war auf das Drama erst durch Schreie aufmerksam geworden. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Familie eilte sie zum Unglücksort. Sie hatten sich an einer Finca bei Totalán getroffen, um Paella zu essen.

In diesen 25 cm breiten Schacht war Julen gefallen.
In diesen 25 cm breiten Schacht war Julen gefallen.  © DPA

Das Anwesen gehört dem Spanier David Serrano. Weil sich auf seinem Grundstück der illegal gebohrte Brunnenschacht befindet, wird ihm fahrlässige Tötung vorgeworfen. Doch Serrano bekräftigte vor Gericht, dass der Sturz des Kindes unvorhersehbar gewesen sei.

Zudem beteuert er, den Schacht mit zwei Betonblöcken abgedeckt und davor gewarnt zu haben, weil der Brunnenbauer Antonio Sánchez genau das versäumt habe. Der wiederum hatte im Zuge der Rettung genau das Gegenteil behauptet.

"Ich habe ihn (den Brunnen) abgedeckt. Das Gelände wurde danach verändert und abgesenkt", so Sánchez im Januar. Doch wer hat ihn dann wieder freigelegt? Denn laut Aussage von Julens Vater waren da zwar Betonblöcke, doch sie deckten die Öffnung nicht komplett ab.

Licht ins Dunkel soll nun die Befragung weiterer Zeugen bringen. Rund ein Dutzend sollen gehört werden, darunter drei Wanderer, die am Tag des Unglücks in der Gegend unterwegs waren und den Eltern von Julen helfen wollten.

Die Leiche des Jungen war am Morgen des 26. Januar gefunden worden, nachdem man dreizehn Tage lang nach ihm gesucht hatte. Nach aufwändigen Bohrungen konnten die Rettungskräfte ihn jedoch nur noch tot bergen.

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