Spanische Verstärkung für Dresdens Forschung

Die Welt schaut in diesen Monaten auf unsere Stadt. Es heißt, hier herrsche Misstrauen gegenüber Fremden. Doch das stimmt nicht! Mit der Serie „Willkommen in Dresden“ treten wir hier jeden Mittwoch den Beweis an. Diesmal: Cristina aus Spanien.

Die Spanierin vor der Lukaskirche, einer ihrer Lieblingsplätze in der Südvorstadt.
Die Spanierin vor der Lukaskirche, einer ihrer Lieblingsplätze in der Südvorstadt.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Spanische Temperaturen erfahren die Dresdner gerade ausführlich. Echtes spanisches Temperament und spanische Lebensart aber, die vermitteln natürlich nur Menschen von der iberischen Halbinsel.

In Elb-Florenz leben nicht wenige von ihnen - auch außerhalb spanischer Restaurants. Unter ihnen Historikerin Cristina Rosillo López (37).

So stellt man sich einen Historiker gerade nicht vor: als charmanten Wirbelwind, der den Zuhörer binnen Sekunden in den Bann zieht. Und sei es mit über 2000 Jahre alten Geschichten über Rom.

Oder gerade deshalb: Die 37 Jahre alte Wissenschaftlerin ist Altgeschichtlerin mit Passion.

Die Wissenschaftlerin „auf Arbeit“ in der Sächsischen Universitätsbibliothek.
Die Wissenschaftlerin „auf Arbeit“ in der Sächsischen Universitätsbibliothek.

„Darum bin ich auch nach Dresden gekommen“, sagt sie. „Hier sitzen die renommiertesten Forscher auf diesem Gebiet. Sie sind wirklich weltweit angesehen.“

Namentlich nennt sie Professor Martin Jehne (60) vom Lehrstuhl für Alte Geschichte. Außerdem habe die Universitäts- und Landesbibliothek eine tolle Auswahl an Literatur zum Fachgebiet.

Den Aufenthalt ermöglicht hat ihr ein Humboldt-Forschungsstipendium. Diese besondere Förderung wird pro Jahr nur an 500 Wissenschaftler vergeben, die auch noch gehörig Erfahrung mitbringen müssen.

Start in Dresden war für Señora Dr. López im März. Erst im September geht’s wieder nach Spanien, wo sie an der Universidad Pablo de Olavide in Sevilla (700.000 Einwohner) lehrt und forscht. Danach wieder Dresden.

Ein seltener Augenblick. Cristina López entspannt sich daheim.
Ein seltener Augenblick. Cristina López entspannt sich daheim.

„Ich kann meinen Forschungsaufenthalt strecken“, erklärt sie. Und die Kombination sommers hier, winters in heimischen Gefilden hat ja auch etwas, räumt sie ein.

Wenngleich Dresden in diesem Sommer Spanien temperaturmäßig fast Konkurrenz macht, aber nur fast: „In Spanien sind es zurzeit 45 Grad.“

Geboren ist sie im Baskenland. Das Studium absolvierte sie unter anderem im schweizerischen Neuchâtel. Daher spricht sie neben gutem Englisch auch Französisch sowie neuerdings Deutsch.

Ganz exzellent Deutsch sogar, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten - ebenfalls ein Baske - die Volkshochschule besuchte.

Verdienter Kaffee nach Dauerstudium. Wenn Zeit ist, ruht sich Cristina López im Univiertel gern unter freiem Himmel aus.
Verdienter Kaffee nach Dauerstudium. Wenn Zeit ist, ruht sich Cristina López im Univiertel gern unter freiem Himmel aus.

Nicht mal mit Sächsisch hat sie Probleme. Da waren Kollegen von ihr schon schlechter dran: Humboldt-Stipendiaten, die es nach Berlin oder Bayern verschlug, klagten heftig, erzählt López.

Ihr aber passierte dies in Dresden: „Die erste Kellnerin, der ich begegnete, sprach Spanisch! Das war in der Neustadt.“

Vor dem Hintergrund solcher Erfahrungen und einer freundlichen Aufnahme in Dresden sieht sie auch die zum Teil ausländerfeindlichen Proteste in mildem Licht: „So etwas gibt es überall in Europa.“

Sie hält das Ganze für eine „notwendige Debatte“. Es sei „gut“, dass sie in Dresden stattfinde. Eine PEGIDA-Demo war übrigens auch das Allererste, was Frau Dr. López in Dresden sah.

Das tut sie gern in Dresden

Cristina López mit Partner Igor Perez-Tostado (38). Der Spanier arbeitet ebenfalls an der TU.
Cristina López mit Partner Igor Perez-Tostado (38). Der Spanier arbeitet ebenfalls an der TU.

Cristina López besucht mit ihrem spanischen Mann Igor Perez-Tostado (38), der auch an der TU tätig ist sehr gern die Oper.

Nicht nur die „tolle künstlerische Qualität“ der Aufführungen beeindruckt beide. Auch die große Vielfalt des Programms und sogar die niedrigen Preise“. Da könne das Opernhaus in Sevilla nicht mithalten.

Ansonsten büffeln die beiden spanischen Wissenschaftler weiter regelmäßig Deutsch.

Das gefällt ihr an Dresden

Damit kein Heimweh aufkommt: Cristina López schneidet mit ihrem spanischen Partner Igor eine Erdbeer-Torte an.
Damit kein Heimweh aufkommt: Cristina López schneidet mit ihrem spanischen Partner Igor eine Erdbeer-Torte an.

„Ich mag die Neustadt und Biergärten. Vor allem die Biergärten an der Elbe.“

Überhaupt mag Cristina López die Nähe der Stadt zur Natur. „Dresden ist eine grüne Stadt.“

Konkret nennt Frau Dr. López die berühmte Stadt-Landschaft im Stadtgebiet und die in kurzer Zeit erreichbare Sächsische Schweiz.

Das sei schon einmalig. Die Frauenkirche hält sie für „überragend“.

Fotos: Eric Münch, Pawel Sosnowski


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