Spatenstiel-Prozess: Rechtsmediziner nimmt zu den Verletzungen des Opfers Stellung

Hat der Angeklagte (28) sein Opfer mit Absicht erschlagen?
Hat der Angeklagte (28) sein Opfer mit Absicht erschlagen?

Bielefeld - Nun schon zum zweiten Mal verhandelte das Bielefelder Landgericht über einen Streit mit Todesfolge. Der 28-jährige Angeklagte soll einen anderen Mann am Vatertag 2015 in Löhne mit einem Spatenstiel erschlagen haben (TAG24 berichtete).

Da die Revision der Staatsanwaltschaft vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe erfolgreich war, wurde der Fall neu aufgerollt.

Am zweiten Prozesstag hatte der Rechtsmediziner Sven Schmidt das Wort. Dieser hatte die Verletzungen des Todesopfers bei einer Obduktion der Leiche genauer untersucht und festgestellt, dass der Mann durch stumpfe Gewalteinwirkungen auf den Kopf ums Leben gekommen war.

Dabei konnte er laut Informationen der Neuen Westfälischen nicht explizit sagen, ob der Tod nun durch Schläge, Tritte oder einen Sturz eingetroffen war.

Mit diesem eingepackten Spatenstiel soll der 28-Jährige das Opfer erschlagen haben.
Mit diesem eingepackten Spatenstiel soll der 28-Jährige das Opfer erschlagen haben.

Bis ins kleinste Detail listete er die zahlreichen Verletzungen auf. Das Opfer hatte ein gelockertes Gebiss, eine Schneidezahn fehlte und es gab Zahnabdrücke auf der Lippe. "Solche Mundverletzungen sind ein Hinweis auf stumpfe Gewalteinwirkungen", klärte der Rechtsmediziner auf.

An der rechten Seite des Kopfes stellte er eine Schädelbasisquerfraktur fest, weswegen dem Toten Blut aus den Ohren lief. "Dafür muss der Schädel kräftig komprimiert werden", veranschaulichte er.

Mit einem Spatenstiel würden nach Ansicht der Rechtsmediziners solche Krafteinwirkungen entfaltet werden. Allerdings könnte auch ein Tritt gegen den Kopf eine solche Fraktur hervorrufen.

Ein Sturz würde seiner Meinung nach allerdings nicht alle erlittenen Verletzungen erklären. Die Zeugenaussagen dreier junger Frauen konnten bisher nicht weiterhelfen, da ihre Erinnerungen lückenhaft und zum Teil widersprüchlich sind.

Da die Todesursache bisher nicht eindeutig bestimmt werden kann, könnte dies Auswirkungen auf die Anklage haben.

Der 28-Jährige müsse sich dann eventuell nicht mehr für Totschlags verantworten, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge, was ein milderes Urteil nach sich ziehen könne.


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